Air-Berlin-Pleite und die Folgen in Stuttgart Ryanair bietet dem Flughafen weitere Verbindungen an

Von Jörg Nauke 

Die Insolvenz von Air Berlin macht der Flughafengesellschaft Stuttgart zu schaffen. Die Billigfluglinie Ryanair kann sich derweil neue Verbindungen ab Stuttgart gut vorstellen.

Ryanair würde gerne das eigene Engagement in Stuttgart ausdehnen. Foto: Flughafen Stuttgart
Ryanair würde gerne das eigene Engagement in Stuttgart ausdehnen. Foto: Flughafen Stuttgart

Stuttgart - Mit bangem Blick auf die Insolvenz der Fluggesellschaft Air Berlin sagt Walter Schoefer, der Sprecher der Geschäftsführung des Stuttgarter Flughafens: „Der Markt ordnet sich neu.“ Was bedeutet das für Stuttgart? Mit anderen Fluggesellschaften arbeite man daran, die Verbindungen ab Stuttgart „zu halten und mittelfristig weiterzuentwickeln“. Ziel sei, „dass alle Verbindungen in unserem Streckennetz weiterhin verlässlich bedient werden und das Flugangebot ab Stuttgart stimmt“.

Die Flughafen GmbH (FSG) spürt die Auswirkungen der Air-Berlin-Pleite. Das Unternehmen war noch 2014 mit einem Passagieranteil von 19,6 Prozent und 2016 mit 17,5 Prozent der zweitgrößte Anbieter am Standort. Weil inzwischen viele Verbindungen von anderen Gesellschaften, wie etwa der Eurowings, geflogen werden, ist der Marktanteil im August dieses Jahres auf knapp sechs Prozent gesunken. Ab Stuttgart fliegt Air Berlin noch mehrmals täglich nach Berlin und Düsseldorf und mehrmals wöchentlich im Sommerflugplan nach Neapel, Olbia und Sylt.

Ticketpreise haben mangels Konkurrenz schon angezogen

Mehr Konkurrenz wäre nicht nur auf der nun ausschließlich von Eurowings beflogenen Hamburg-Strecke nötig. Dort haben die Preise bereits merklich angezogen. Auf Basis von realen Ticketkäufen wurde zudem ermittelt, dass von Stuttgart aus Bedarf für Direktflüge nach Oslo, Göteborg, Prag, Toulouse und Riga und vor allem nach Helsinki als interessantem Drehkreuz für den nordasiatischen Raum besteht. Heute geht es zu diesen Zielen nur über Umwege. Das gleiche gilt für das Flugziel Dubai. Emirates Airline stehe weiter zur Zusage, Stuttgart anzufliegen, betont Schoefer. Allein die Weigerung des Bundes, weitere Verkehrsrechte zu erteilen, verhindere aber eine Verbindung zu diesem bedeutenden Drehkreuz für Asien. Die Verbindung Stuttgart – Atlanta (USA) bleibt so vorerst die einzige Langstrecke. Von Interesse wäre für Stuttgarter Kunden aber ausweislich ihrer Daten auch Verbindungen mit New York, Peking und Shanghai.

Der irische Billigflieger Ryanair wäre gewillt, sein Engagement in Stuttgart über die bisher solitäre Verbindung nach Manchester auszudehnen. Unternehmenssprecher Robin Kiely teilte mit, man sei mit Stuttgart „höchst zufrieden“ und freue sich darauf, sich wegen weiterer Strecken mit dem Flughafen auszutauschen. Nötig seien dafür aber „rentable Vereinbarungen mit dem Flughafen“. Als Hindernis sieht die Airline aber die vom Bund erhobene Luftverkehrsabgabe. Sie gehöre wie in Irland abgeschafft lautet die Forderung, damit deutsche Regionalflughäfen neue Einnahmequellen erschließen könnten.

Sonderthemen