InterviewAuswirkungen der Corona-Krise in Leinfelden-Echterdingen „Die Zahl der Aufträge tendiert Richtung null“

Von Ralf Recklies 

Kevin Goldberg bekommt die Corona-Krise nicht nur beruflich stark zu spüren und muss in Kurzarbeit. Auch als Mitorganisator des Hand-in-Hand-Spendenlaufs für das Kinderhospiz Stuttgart stellt die Pandemie eine Herausforderung für ihn und die anderen dar.

Kevin Goldberg spürt beruflich wie im Ehrenamt, welch große Herausforderungen der Corona-Virus mit sich bringt. Foto: Thomas Krämer
Kevin Goldberg spürt beruflich wie im Ehrenamt, welch große Herausforderungen der Corona-Virus mit sich bringt. Foto: Thomas Krämer

Leinfelden-Echterdingen - Kevin Goldberg (30) aus Echterdingen ist mit seinen Kollegen von ACS Medientechnik stark von der Corona-Krise betroffen. Und als Mitorganisator des Hand-in-Hand-Spendenlaufs für das Kinderhospiz Stuttgart weiß er zudem noch nicht, ob dieser wie geplant am 25. Juli stattfinden kann.

Herr Goldberg, Sie sind im Eventmanagement tätig. Wie stellt sich die Situation aufgrund der Corona-Pandemie für Sie dar?

Die Firma ACS Medientechnik, für die ich arbeite, ist in erster Linie medientechnischer Dienstleister für Veranstaltungen im Business-to-Business-Bereich. Ich bin dort als Seniorprojektmanager tätig und plane Veranstaltungen, definiere aber auch Standards für Veranstaltungen. Der Einbruch bei uns ist natürlich massiv, da derzeit alle Veranstaltungen abgesagt sind.

Haben Sie Möglichkeiten, auf die Lage zu reagieren?

Grundsätzlich tendiert die Zahl der Aufträge durch die Corona-Krise in Richtung null – wie bei allen in unserer Branche. Wir gehen jetzt auch in Kurzarbeit, haben aber trotzdem auch teils noch Anfragen. Dabei geht es insbesondere um das Thema Livestreaming oder um Unterstützung in der Produktion von Webinaren oder solchen Sachen. Insgesamt ist das aber nur ein Bruchteil der Aufträge, die wir sonst hätten. Dass man von heute auf morgen alles runterfahren muss, ist natürlich für alle extrem schwierig.

Wie geht man in Ihrer Firma damit um?

Ich habe im Prinzip einen kompletten Zugriff von zu Hause auf alle Daten und Projekte. Wir haben uns intern ein wenig umstrukturiert und nutzen nun auch Videokonferenzen. Das natürlich in erster Linie aus Sicherheitsgründen. Glücklicherweise waren wir schon vor der Corona-Krise in diesem Bereich gut aufgestellt, so dass wir von heute auf morgen von zu Hause miteinander arbeiten konnten.

Sie hatten die entsprechende Technik also bereits früher im Einsatz?

Teilweise ja, das Thema Video- oder Telefonkonferenzen ist zumindest auch für uns neu gewesen, weil es bisher nicht notwendig war. Aber die Infrastruktur dafür war natürlich schon da.

Wie stellt sich der Blick in die Zukunft in Ihrer Branche dar?

Das hängt ziemlich von den einzelnen Veranstaltungen ab – alles was kleinere und mittlere Veranstaltungen so bis 500 Personen betrifft, versuchen die Veranstalter, das Ganze im Jahr möglichst nach hinten zu schieben – oft Richtung Herbst. Denn es gibt das Gefühl, da könnte es wieder klappen. Wir machen aber auch viele Hauptversammlungen von AGs, da ist das Ganze ein bisschen anders. Da gab es ja kürzlich die Gesetzesänderung, dass die Hauptversammlungen auch ohne Präsenz stattfinden können, digital. Das ist natürlich ein ganz spannender Markt, und wir sind mittendrin. Und in vielen Firmen gibt es derzeit auch ein Umdenken. Es gibt Firmen, die melden sich und sagen, oh wir wollen auch Livestreaming. Aber die Firmen wissen da oft noch nicht, wie sie es handhaben sollen. Wir haben aber auch für September geplante Veranstaltungen, die bereits abgesagt wurden. Weil große Veranstaltungen oder Messen aus Kapazitätsgründen nicht einfach nachgeholt werden können, fallen die dann einfach weg. Für uns hat das alles bereits Auswirkungen bis zum Ende des Jahres.

Sie organisieren ja nicht nur beruflich Events, sondern auch ehrenamtlich den Hand-in-Hand-Spendenlauf für das Kinderhospiz, dessen achte Auflage am am 25. Juli sein soll. Wie sieht es da aus?

Wir versuchen da derzeit zweigleisig zu fahren. Auf der einen Seite sind wir uns der aktuellen Situation sehr bewusst und beobachten diese ganz genau. Auf der anderen Seite wollen wir nicht zum jetzigen Zeitpunkt bereits entscheiden, dass der Lauf in diesem Jahr vielleicht nicht stattfinden kann. Das wäre ein Vorgriff - der jetzt noch nicht notwendig ist, da wir das organisatorisch auch mit kürzerem Vorlauf noch alles hinbekommen. Es ist alles halt ein wenig aufwendiger, da wir alles per Telefonkonferenz machen müssen. Wir stehen zudem im Austausch mit unseren Sponsoren. Wir wollen in den nächsten vier bis sechs Wochen entscheiden, was wir machen.

Würden Sie gegebenenfalls auf einen Alternativtermin ausweichen wollen?

Wir kennen das Publikum und unsere Teilnehmer recht gut. Der jüngste Teilnehmer ist meist noch nicht mal ein Jahr alt, die ältesten sind zwischen 80 und 90. Wir haben da natürlich auch eine sehr große soziale Verantwortung. Das alles muss berücksichtigt werden. Ob es gegebenenfalls einen Alternativtermin geben kann, für diese Open-air-Veranstaltung, da muss man schauen. Wir versuchen auf jeden Fall, alle möglichen Lösungen abzuwägen, um etwas für das Kinderhospiz zu tun.

Wie verhalten sich derzeit Ihre Sponsoren. Gibt es da wegen der angespannten wirtschaftlichen Lage bereits Absagen?

Momentan ist das noch nicht ganz abzusehen. Alle sind derzeit sehr vorsichtig. Wir sind auch noch inmitten der der Gespräche. Man merkt natürlich eine gewisse Unsicherheit. Aber wir merken auch, dass es heißt: Hey, wenn wir können, dann wollen wir es unterstützen – so ist es ja vom ersten Tag an gewesen. Nur wenn es wirtschaftlich wirklich überhaupt nicht anders darstellbar ist, würden die Firmen wohl von ihrem Engagement absehen. Wir halten unsere Ausgaben für den Spendenlauf aktuell auch bei nahezu null.

Können Sie dem Kinderhospiz auch in der aktuellen Situation helfen – beispielsweise mit Technik zur Kommunikation, da ja Besuche derzeit nicht möglich sind?

Wir haben das natürlich angeboten und sind da in einem engen Austausch. Und ich habe ganz klar signalisiert, dass wir momentan - da wir ja Ressourcen in unserem Unternehmen haben, die derzeit nicht benötigt werden – alles tun wollen, was wir können, um zu helfen. Das Hospiz ansich ist aber relativ gut aufgestellt. Aber wenn Bedarf gegeben ist, und sei es nur, dass man einen Laptop braucht, um mit jemand skypen zu können, dann würden wir das natürlich machen, so wie wir mit ACS Medientechnik auch bereits an anderer Stelle geholfen oder Hilfe angeboten haben, um Infrastrukturen aufzubauen, beispielsweise auch mit Zelten vor den Krankenhäusern, weil es da vielleicht einen Bedarf gibt. Wir versuchen da in der Krise auf jeden Fall unseren Beitrag zu leisten, auch wenn die Corona-Pandemie auch uns betrifft. Aber das Material ist ja da und verfügbar.

Mussten Sie bei der Hilfe fürs Kinderhospiz Stuttgart sonst auch Dinge neu organisieren?

Hauptsächlich betreffen die Änderungen uns im Bereich der Kommunikation, innerhalb unseres Vereins sowie auch bei der Zusammenarbeit mit dem Hospiz. Darüber hinaus wird man sehen, wie sich die bereits eingetretenen und noch zu erwartenden wirtschaftlichen Probleme auf eine Institution auswirken, welche sehr abhängig von Spendengeldern ist. Hier wollen wir noch näher dran sein, um das Kinderhospiz bestmöglich zu unterstützen.