Auswirkungen der Pandemie Verein erfindet sich in der Corona-Krise neu

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Keine Konzerte, keine Proben von Angesicht zu Angesicht, kein Präsenzunterricht für Musikschüler: Alles, was einen Verein ausmacht, ist in den vergangenen Wochen verboten gewesen – mit gravierenden Folgen. Doch ein Verein aus Stuttgart-Vaihingen hat alternative Ideen.

Kinder, die sich zum Unterricht an ihren Blechblasinstrumenten treffen – trotz Lockerungen ist das in dieser Form wegen der Pandemie noch immer unvorstellbar. Foto: dpa/Bremer Philharmoniker
Kinder, die sich zum Unterricht an ihren Blechblasinstrumenten treffen – trotz Lockerungen ist das in dieser Form wegen der Pandemie noch immer unvorstellbar. Foto: dpa/Bremer Philharmoniker

Vaihingen/Rohr - Die Corona-Krise hat alles verändert. Der Lockdown hat das Vereinsleben zum Erliegen gebracht. Weil Feste und andere Veranstaltungen ausfallen mussten, fehlen vielen wichtige Einnahmen. Musikvereine trifft es besonders hart. Winfried Gassner hat seinen Optimismus und seinen Humor aber dennoch nicht verloren. Dies, obwohl er beim Musikverein Vaihingen-Rohr ausgerechnet für die Finanzen zuständig ist – und die sehen aktuell alles andere als rosig aus. Der Vereinsring Rohr hatte vor Kurzem bekannt gegeben, dass wegen der Pandemie in diesem Jahr alle Waldfeste ausfallen. Auch der Musikverein Vaihingen-Rohr lädt traditionell zu einer dieser Veranstaltungen auf der Rohrer Höhe ein. „Das ist unsere Haupteinnahmequelle“, sagt Gassner. Diesen Verlust müsse man nun irgendwie ausgleichen. Aber wie?

„Wir müssen uns neu erfinden“, antwortet der Kassier des Musikvereins Vaihingen-Rohr auf diese Frage. Positiv sei, dass kein einziges Mitglied gekündigt habe. Im Gegenteil, es gab sogar Neuanmeldungen. Denn der Musikverein Vaihingen-Rohr hat bereits in der zweiten Woche der Ausgangsbeschränkungen Online-Unterricht für seine Musikschüler angeboten. Dafür seien die Eltern sehr dankbar gewesen, denn für Kinder habe es in den vergangenen Wochen nur wenig Struktur und Abwechslung gegeben. Diesen Online-Unterricht wollten dann auch andere Familien nutzen, um dem Nachwuchs eine sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeit zu bieten.

Die erste Probe unter strengen Auflagen

Proben von Angesicht zu Angesicht waren viele Wochen lang nicht möglich. Seit den ersten Lockerungen in der Krise haben sich Gassner und seine Mitstreiter Gedanken gemacht, in welcher Form sie den Betrieb wieder aufnehmen könnten. „Vielleicht mit den Instrumenten spaziereng gehen? Das wäre ja erlaubt gewesen. Oder eine Fußballmannschaft gründen? Schließlich darf die Bundesliga auch wieder spielen?“, wirft Gassner ein und lacht. Die Vorschläge meint er freilich nicht so ernst, wie die Lage für den Verein ist.

Doch immerhin, am vergangenen Mittwoch haben sich die Musiker erstmals wieder in der Alten Rohrer Schule getroffen. Möglich sei das nach Rücksprache mit vielen Ämtern gewesen, weil das ehemalige Schulhaus kein öffentlicher Raum ist; niemand kann beliebig ein- und ausgehen. Das zu erwähnen sei wichtig, denn dieser Punkt sei zwingend gewesen, betont Gassner. Und selbstverständlich seien auch alle anderen Corona-Auflagen erfüllt worden. Im Raum befanden sich maximal fünf Personen, auf dem Fußboden war markiert, wo wer Platz zu nehmen hatte. Desinfektionsmittel stand bereit. Die Liste der Sicherheitsvorkehrungen ist lang. „Doch alles hat gut geklappt“, sagt Gassner.

Er hofft, nun zeitnah auch für Musikschüler wieder Unterricht in der Alten Rohrer Schule anbieten zu können. Online-Unterricht kann er sich aber auch künftig vorstellen – als Alternative zum Präsenzunterricht, wenn mal jemand aus welchem Grund auch immer nicht vor Ort sein kann. Auch in den Pfingstferien soll es wieder Musikunterricht für die Mädchen und Jungen geben, so wie schon in den Osterferien. Das alles noch immer vor dem Hintergrund, dass viele Kinder nach wie vor eine „gähnende Langeweile“ verspüren würden, wie Gassner es formuliert: keine Schule, kein Urlaub, nur wenige soziale Kontakte.

Bezirksbeirat bietet Vereinen seine Unterstützung an

Der zusätzliche Unterricht kostet den Verein zusätzliches Geld. Denn den Eltern wird dafür keine extra Rechnung gestellt; die monatlichen Beiträge bleiben gleich. Auch in die Technik musste der Verein investieren. Nun hofft Gassner auf Unterstützung des Vaihinger Bezirksbeirats. Die Lokalpolitiker hatten vor Kurzem beschlossen, Vereinen und Gruppierungen, die wegen der Corona-Krise in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind, zu helfen. Das Geld dafür kommt aus dem Kulturetat. Der Bezirksbeirat hat dazu extra die Richtlinien für die Verwendung seines Budgets ergänzt.

Doch ausruhen will sich der Musikverein Vaihingen-Rohr darauf nicht. Er plant auch schon wieder erste Konzerte – wenn auch im kleinen Rahmen. „Wir sind spielbereit“, betont Gassner. Die Musiker hätten das Programm parat, dass beim Frühjahrskonzert Ende Februar, kurz vor dem Lockdown, präsentiert worden war. Der Kassier kann sich zum Beispiel kleine Platzkonzerte im Pavillon auf dem Vaihinger Markt vorstellen. „Als Verein muss man aktiv bleiben. Wir wollen auch weiter von uns Reden machen. Denn gar nichts zu tun, ist auch doof“, sagt Gassner.

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