Auszeichnung für Firma aus Leonberg 23-Jähriger zeigt, wie THW-Einsätze und Arbeit im Familienbetrieb harmonieren

, aktualisiert am 03.02.2026 - 13:41 Uhr
Ausgezeichnet: Jannik Braun und sein Vater Rüdiger unterstützen aktiv ehrenamtliches Engagement. Foto: Simon Granville

Jannik Braun ist in Leonberg Juniorchef des Familienbetriebs und THWler. Sein Beispiel beweist: Beruf und Ehrenamt können sich perfekt ergänzen – mit überraschenden Effekten.

Jannik Braun ist seit elf Jahren beim Technischen Hilfswerk (THW) in Leonberg – ehrenamtlich und mit Begeisterung aktiv. Der 23-Jährige nimmt an Übungen teil, bei Bedarf auch an Einsätzen des Hilfswerks, beispielsweise bei einem schweren Lkw-Unfall auf dem Autobahnrastplatz Sindelfinger Wald. „Es gibt aber auch viele kleinere Einsätze, wenn wir etwa nach Einbrüchen zur Eigentumssicherung gerufen werden“, erzählt er. Der Straßenbaumeister ist aber primär Juniorchef im elterlichen Betrieb, der Braun Tief- und Straßenbau GmbH in Leonberg. Zwar trägt sein Vater Rüdiger Braun noch die Hauptverantwortung in dem Unternehmen mit sieben Beschäftigten, doch der Sohn wächst in vierter Generation immer mehr in Führungsaufgaben hinein.

 

Wie passt das mit dem Ehrenamt zusammen?„Ganz gut“, sagen Vater und Sohn. „Wir unterstützen das THW oder auch die Feuerwehr schon lange, mit unseren Maschinen und Fahrzeugen, oder wenn die THWler auf unserem Lagerplatz im Hertich üben wollen“, erzählt Rüdiger Braun. Das geschehe oft auf Zuruf, frei nach dem Motto „kannsch mal g’schwind“, sagt der 53-Jährige schmunzelnd. Seinem Sohn macht das Engagement beim THW viel Spaß, vor allem der Umgang mit technischem Gerät und Material. „Das ist wie bei uns in der Baufirma“, sagt er.

Jannik Braun schult THW in Vermessungstechnik – und macht selbst einen Kettensägekurs

Dass das Ehrenamt und der Beruf gut zusammenpassen und durchaus für beide Seiten eine Win-Win-Situation sein kann, schildert Jannik Braun so: Er habe seine THW-Kameraden in Vermessungstechnik geschult, die er als Straßenbauer beherrscht. Umgekehrt habe er wiederum beim THW einen Kettensägekurs absolviert, der ihm auch beruflich hilfreich sei.

Helfen ist Ehrensache: Jannik und Rüdiger Braun unterstützen tatkräftig das Technische Hilfswerk. Foto: Simon Granville

Dass der Juniorchef direkt weg von der Baustelle zu einem Einsatz gerufen wird, kommt indes selten vor. Das wäre auch schwierig. „Wenn nur zwei oder drei Leute auf einer Baustelle sind und dann einer plötzlich wegmuss, das wäre nicht möglich“, sind sich Vater und Sohn einig. Und noch schwieriger wäre es, wenn dies dann der Chef sei. Jannik Braun nimmt etwa viermal jährlich an Einsätzen an der Autobahn zur technischen Unterstützung der Autobahnpolizei teil, durchschnittlich zwei weitere Hilfseinsätze kommen in der Regel dazu. „Das beeinträchtigt mich bei meiner Arbeit nicht wirklich“, sagt er.

Der Leonberger THW-Ortsbeauftragte Daniel Lok ist für die Unterstützung durch Rüdiger und Jannik Braun dankbar. Das Technische Hilfswerk hat die Firma deshalb mit Erfolg als „Ehrenamtsfreundlicher Arbeitgeber im Bevölkerungsschutz“ vorgeschlagen. Der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) hat die Firma Braun mit 34 weiteren Unternehmen dafür ausgezeichnet. „Wir werden aber auch von anderen, großen Arbeitgebern unterstützt“, ergänzt Lok und nennt als Beispiele die Firmen Geze und Lewa.

Hafner: Mitarbeiter dürfen in der Arbeitszeit zu Einsätzen der Feuerwehr

Für Jannik Braun wäre es aus beruflichen Gründen praktisch nicht leistbar, sich etwa bei der freiwilligen Feuerwehr zu engagieren, wo im Einsatzfall sofort ausgerückt werden muss. Viele Feuerwehren haben das Problem, dass ehrenamtliche Mitstreiter auch auswärts berufstätig sind, die Tagesverfügbarkeit ist dann schwierig. Da trifft es sich gut, dass bei den Firmen vor Ort ausgebildete Feuerwehrleute arbeiten, die sich zwar andernorts ehrenamtlich engagieren, aber im Bedarfsfall vom Arbeitgeber für Einsätze am Arbeitsort freigestellt werden.

Das ist bei der Firma C. Hafner in Wimsheim im Enzkreis, die ebenfalls als ehrenamtsfreundlicher Arbeitgeber ausgezeichnet wurde, der Fall. Dort können drei Mitarbeiter während der Arbeitszeit bei Einsätzen der örtlichen freiwilligen Feuerwehr losziehen. Im vergangenen Jahr musste die Wimsheimer Feuerwehr 19 Mal ausrücken. Bei etwa der Hälfte der Einsätze, so schätzt der Feuerwehr-Kommandant Markus Geiger, waren Hafner-Mitarbeiter dabei. „Die Feuerwehrkameraden werden unkompliziert freigestellt“, lobt Markus Geiger auch den kurzen Draht zur Hafner-Geschäftsführung. „Wir können auf dem Firmengelände auch Übungen machen.“

Innenminister Thomas Strobl lobt „gesellschaftliche Verantwortung“

Für die von Strobl gewürdigte Firma mit rund 250 Mitarbeitenden sei die Förderung ehrenamtlichen Engagements selbstverständlich, teilt die Geschäftsführerin Birgitta Hafner, die die Auszeichnung aus der Hand von Innenminister Strobl entgegennahm, mit. „Wer gesellschaftliche Verantwortung übernimmt, verdient unsere Unterstützung – auch im Berufsalltag.“ Deshalb ermögliche ihr Unternehmen ehrenamtliche Einsätze sowie notwendige Schulungen auch während der Arbeitszeit.

Thomas Strobl hob bei der Verleihung der Auszeichnungen hervor, dass man „neben den Menschen, die das Ehrenamt mit Leben füllen, auch Arbeitgeber, die Raum für ehrenamtliches Engagement geben“, brauche. Beides verdiene höchste Wertschätzung und Anerkennung. Hilfsorganisationen und Kommunen hatten Vorschläge eingereicht. Zu den Geehrten gehören auch die Ruthmann Holdings GmbH Service-Station in Renningen und die Faun Umwelttechnik GmbH & Co. KG in Gerlingen.

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