Auszeichnung fürs Remstal Mit viel Puste zum Qualitäts-Weinradweg

Strampeltour auf einem Teil des Weinradwegs – rechts hinten tritt der stets konditionsstarke Rems-Murr-Landrat Richard Sigel in die Pedale. Foto: Gottfried Stoppel

Alle Landesradfernwege in Baden-Württemberg sind jetzt zertifiziert. Der Radtour mit offizieller Delegation aus Stuttgarter Ministerien von Weinstadt nach Kernen folgte die Übergabe der Urkunden.

Wenn derzeit über Radwege im Remstal diskutiert wird, dann steht in der Regel der neue Bike-Highway ganz oben auf der Agenda: der Schnellradweg zwischen Schorndorf und Stuttgart, dessen Route fast überall feststeht – bis auf Fellbach, wo auch vor der Sommerpause noch keine Entscheidung über den innerstädtischen Verlauf getroffen wurde.

 

Jetzt allerdings ging es nicht um diese Schnelltrasse, die eines Tages von 3000 oder 4000 Berufspendlern in die Landeshauptstadt genutzt werden soll. Vielmehr führte eine Radtour mit offizieller Delegation aus Stuttgarter Ministerien über eine Strecke, die eher als Freizeitroute gedacht ist. Konkret handelt es sich um einen Teil des Württemberger Weinradwegs. Das dürfte auch noch nicht jedem bekannt sein, dass dem Rebensaft in hiesigen Gefilden ein eigener Pfad gewidmet ist, auf dem man allenfalls bei einem Zwischenstopp ein Achtele schlotzen kann und ansonsten in die Pedale steigen soll.

21 Landesradfernwege in Baden-Württemberg

Doch tatsächlich gehört diese Route im Remstal zu jenen 21 Landesradfernwegen in ganz Baden-Württemberg, deren Zertifizierung aktuell abgeschlossen ist. Quasi als Aufgalopp für die eigentliche Zeremonie startete am frühen Nachmittag vor dem Bahnhof in Weinstadt-Endersbach, in dem der Verein Remtal-Tourismus sein Domizil hat, eine mit gut einem Dutzend Teilnehmern besetzte Rad-Delegation zu einer rund zweistündigen Strampeltour.

An der Spitze, wenn auch nicht immer an vorderster Front die Richtung vorgebend, saß Elke Zimmer, Staatssekretärin im von Minister Winfried Hermann geführten Stuttgarter Verkehrsministerium, im Sattel. Während die 56-jährige gelernte Bankkauffrau und studierte Wirtschaftspädagogin aus Mannheim den legeren Freizeitdress mit lockerer Hose und Jacke bevorzugte, hatten andere sich professionell gekleidet. Allen voran Landrat Richard Sigel, der mit Radschuhen, Helm, blauen Radlershorts und hellem Trikot mit Rems-Murr-Kreis-Aufschrift seine Herkunft sofort erkennen ließ.

Radtour auf dem E-Bike

Wie die anderen war Sigel mit dem E-Bike unterwegs, was angesichts zeitweilig durch die Wolken blitzender Sonne von Vorteil war. Nötig gehabt hätte es der durchtrainierte Kreischef allerdings nicht – da er selbst als Radtrainer aktiv ist, hat er einige herkömmliche wie elektrisch verstärkte „Drahtesel“ in Besitz, ansonsten bringen den 44-jährigen Verwaltungsjuristen kleine Steigungen im Remstal natürlich nicht aus der Puste.

Von Endersbach aus machte sich der Trupp per Pedelecs auf den Württemberger Weinweg. Zunächst ging es nach Benzach, dann in die weiteren Weinstädter Ortsteile Beutelsbach und gen Süden nach Strümpfelbach, schließlich nach Kernen-Stetten und, die Radtour in einer Art Halbkreis vollendend, zum Ziel vor dem Weingut Kern in Rommelshausen. Dort warteten bereits einige Gäste, so Kernens Bürgermeister Benedikt Paulowitsch oder der FDP-Landtagsabgeordnete Jochen Haußmann aus Kernen – der jedoch zuvor nicht die paar Meter von seinem Zuhause gekommen war, sondern den Weg vom Stuttgarter Landtag nach Rommelshausen mit dem Rad absolviert hatte.

Radverkehr in Baden-Württemberg verdoppeln

Auf dem großzügigen Gutshof der Kellerei Kern in Kernen erklärte die Staatssekretärin, mit der vollendeten Qualitätsoffensive für alle Landesradfernwege sei „ein wichtiger Meilenstein im Ausbau des Radwegenetzes im Land gelungen“. Diese Umsetzung sei „bundesweit einmalig und unterstreicht die hohe Attraktivität von Baden-Württemberg als Radtourismusregion“. Zimmer hob damit zudem auf das grundsätzliche Ziel dieser Initiative ab: „Wer in der Freizeit gute Erfahrungen mit dem Fahrrad macht, probiert auch im Alltag das Fahrrad häufiger aus.“ Schließlich gelte es, das Landesziel zu erreichen, nämlich „den Radverkehr in Baden-Württemberg zu verdoppeln“. Ähnlich äußerte sich ihr Staatssekretärskollege aus dem Stuttgarter Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus, Patrick Rapp – der 53-Jährige war übrigens bei der Radtour nicht dabei, sondern aus Termingründen direkt per Dienstwagen aus der Landeshauptstadt angereist. Qualitativ hochwertige Landesradfernwege tragen aus Sicht des CDU-Politikers dazu bei, „dass unsere Gäste das Urlaubsland Baden-Württemberg klimafreundlich und sicher erkunden können“. Eine durchgängige Beschilderung ermögliche eine leichte Orientierung. „So kommen wir unserem Ziel näher, Deutschlands beliebtestes Reiseland zu werden“, sagte Rapp und gab damit die Richtung vor.

Zum Abschluss gab’s die Übergabe der Urkunden an die fünf Landesradfernwege, die zuletzt ihre Zertifizierung erhalten haben. Fürs Gebiet zwischen Fellbach und Essingen nahm diese Auszeichnung der Geschäftsführer von Remstal-Tourismus, Werner Bader, entgegen. Gudrun Zühlke, Landesvorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC), betonte: „Die Qualitätsoffensive des Landes war ein wichtiger Schritt zu mehr Qualität im Radtourismus. Aber Qualität ist kein Sprint, sondern ein Dauerlauf.“ Ein Dauerlauf auf zwei Rädern sozusagen, ob mit reiner Körperkraft oder durch elektrische Unterstützung. Damit Baden-Württemberg tatsächlich den Titel als Reiseland Nummer eins in Deutschland erobern kann.

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