Auszeichnung in Steinheim Bürgermedaille für eine Brückenbauerin mit großem Herz

Sie schätzen und mögen sich: Bürgermeister Thomas Winterhalter hat Renate Eggers mit der Steinheimer Bürgermedaille ausgezeichnet. Foto: Andreas Essig/essigfoto.de

Die langjährige Kommunalpolitikerin Renate Eggers ist als erste Frau mit der Bürgermedaille der Stadt Steinheim ausgezeichnet worden. Die erste Medaille hatte vor 46 Jahren ihr Vater bekommen.

Ludwigsburg: Karin Götz (kaz)

Aus ihrer Nervosität macht sie keinen Hehl. Ebenso wenig wie aus ihrer Vorfreude. Am Abend wird ihr die Bürgermedaille der Stadt Steinheim verliehen. Am Morgen sitzt Renate Eggers auf der Terrasse in ihrem Garten und erzählt. Der Blick geht zurück, aber auch nach vorn. Es ist ein dankbarer Blick. Und ein fröhlicher. Ganz so wie man die Steinheimerin kennt.

 

Zum elften Mal zeichnet die Stadt eine Persönlichkeit für langjährige, engagierte und verdienstvolle ehrenamtliche Arbeit aus. Und mit Eggers Auszeichnung schließt sich ein Kreis, denn die erste Steinheimer Bürgermedaille bekam 1978 ihr Vater Johannes Fröscher. Der letzte Preisträger war Manfred Waters im Jahr 2021. Er gibt Eggers am Abend ebenso die Ehre wie Medaillenträger Hans Dietl.

Freundin Margit Maier macht Musik

Mit Renate Eggers, die von 1989 bis 2019 fast über drei Jahrzehnte hinweg ein fester Bestandteil des Gemeinderates gewesen ist, wurde die Würdigung zum ersten Mal einer Frau zuteil – und das in einem ganz besonderen Rahmen. Denn anders als bisher fand die Auszeichnung am Dienstagabend nicht im Rahmen einer Gemeinderatssitzung, sondern als solitärer Festakt statt.

Ein Festakt, dem Renate Eggers ihren Stempel aufdrückte. Das fing schon bei der Auswahl der Musik an. Margit Maier sang für ihre Freundin unter anderem „I Am What I Am“ von Gloria Gaynor und „Simply the best“ von Tina Turner. Begleitet wurde sie von Sohn Robin Maier. Und ganz am Ende mischte dann auch noch der evangelische Pfarrer Matthias Maier musikalisch mit.

Diplomatisches Geschick

Auch bei den Gästen blieb sich die 72-Jährige treu. Die amtierenden Räte waren gesetzt, doch darüber hinaus strich Eggers, die 17 Jahre lang stellvertretende und zweieinhalb Jahre lang Vorsitzende der CDU-Fraktion war, die Vorschlagsliste der Verwaltung nach ihrem Gusto zusammen. Wohlwissend, dass der ein oder andere ehemalige Weggefährte verschnupft sein wird, weil er keine Einladung bekam. Doch Eggers bleibt sich treu: Sie vertritt ihre Position und ist authentisch.

Eigenschaften, die auch Bürgermeister Thomas Winterhalter in seiner Laudatio würdigte. Eggers sei eine sehr bestimmte und gleichzeitig immer verbindliche und vermittelnde Persönlichkeit. In schwierigen Zeiten und bei kontroversen Themen sei sie stets in der Lage gewesen, fraktionsübergreifend Brücken zu bauen und Kompromisse für tragfähige Lösungen zu finden. „Ihr diplomatisches Geschick und ihr unerschütterliches Engagement für das Wohl der Bürger haben uns oft durch stürmische Zeiten geführt.“

2019 beendete sie ihr kommunalpolitisches Engagement. Die Entwicklungen in der Stadt und die Entscheidungen der Räte und Rätinnen im Gremium verfolgt sie weiter mit Interesse, doch es pfupfere sie nicht mehr, erzählt sie. „Ich habe recht schnell Abstand gewonnen.“ Was nicht bedeutet, dass sie mit ihrer Meinung zu Weichenstellungen hinterm Berg hält. So hätte sich die 72-Jährige beispielsweise gewünscht, dass es auf dem Schnaidt-Areal schneller vorangeht und dort endlich ein Ärztehaus sowie Tagespflege umgesetzt werden. „Das hätte meiner Meinung nach sogar vor dem neuen Rathaus umgesetzt werden müssen, denn wir brauchen eine bessere ärztliche Versorgung.“

30 Jahre lang arbeitete Renate Eggers im Gemeinderat mit. „Ich bin da reingerutscht“, erzählt sie und schmunzelt. Als 2009 der damalige Bürgermeister Joachim Scholz zuerst in Schorndorf und dann in Neckarsulm Oberbürgermeister werden wollte, musste die Vize-Bürgermeisterin über neun Monate hinweg die Geschäfte des Bürgermeisters übernehmen. Eine Herausforderung, der sie sich stellte und die sie mit dem damaligen Hauptamtsleiter Norbert Gundelsweiler im Team meisterte. Ihm dankte Eggers in ihrer Rede am Dienstagabend immer wieder.

Mit Menschen reden

Als Bürgermeister Thomas Winterhalter sie vor etwa einem halben Jahr angerufen habe, sei sie erschrocken, erzählt Eggers. „Aber ich bin sehr stolz und dankbar. Es ist eine Ehre.“ Als Ehre hat sie auch das Wahlergebnis 2009 empfunden, als sie mit 6004 Stimmen Stimmenkönigin wurde. CDU-Chef Uwe Löder – bekanntermaßen ein Zahlenmensch – schlug in seiner Rede den Bogen zur Wahl vom 9. Juni. „Bei gleicher Beteiligungsquote wären es über 7000 gewesen.“

Ihre Beliebtheit und Bekanntheit in der Bevölkerung hat die 72-Jährige auch ihrem langjährigen Engagement im Kleeblatt-Förderverein zu verdanken. Mit viel Herzblut ist die Vize-Vorsitzende im Pflegeheim aktiv. Organisiert Kaffeenachmittage und Veranstaltungen und gibt den Bewohnern das Gefühl, gehört und gesehen zu werden.

Gehört und gesehen wurde Eggers am Dienstagabend von rund 80 geladenen Gästen im Bürgersaal. Die Aufregung vom Morgen war weggeblasen und nach dem offiziellen Teil machte die 72-Jährige das, was ihr eine Herzenssache ist: Mit Menschen reden.

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