Auto aus „Zurück in die Zukunft“ Neckartailfinger macht DeLorean zum Elektroflitzer

Von außen sieht der E-Lorean aus wie das Original aus den 1980er-Jahren. Innen ist er aber mit den neuesten Technologien ausgestattet. Foto: Ines Rudel

In der Filmreihe „Zurück in die Zukunft“ reisten Marty McFly und Doc Brown mit dem DeLorean durch die Zeit. Jetzt hat ein Neckartailfinger erstmals ein Exemplar der Kultkarosse zum Elektroauto umgebaut. Wir zeigen, wie der E-Lorean aussieht.

Er ist eine Designikone. Eine Filmlegende, seitdem er in der Trilogie „Zurück in die Zukunft“ den Protagonisten Marty McFly und Doc Brown als Zeitmaschine diente: der DeLorean DMC-12. Auf der Straße, unter realen Bedingungen, war das Fahrzeug jedoch vor allem technisch mangelhaft. Dieses Problem wollte der Neckartailfinger Unternehmer Armin Pohl angehen. Er besorgte sich in den Niederlanden ein Originalmodell, das sich später als großer Glücksgriff entpuppen sollte, holte sich viele unterschiedliche Experten ins Team und baute mit ihnen zusammen „den besten DeLorean, den du auf der Welt finden wirst“, sagt Pohl. Den E-Lorean.

 

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Es ist vor allem das Design, dass es dem gelernten Grafiker angetan hat. „Du schaust dir dieses Auto an, es ist über 40 Jahre alt, das sollte man nicht glauben“, sagt Pohl. Über den DeLorean weiß der Ex-Mackevision-Chef und Gründer des Neckartailfinger Unternehmens Wunderkind Invest so gut wie alles. Pohl ist ein echter Autoliebhaber. Das zeigt sich spätestens, wenn er das Rolltor zu der Lagerhalle öffnet, in dem seine Schätze stehen. Dort parken Klassiker, wie ein Opel Rekord aus den 1960er-Jahren, neben modernen Sportwagen, wie dem Porsche Panamera Hybrid – und dem weltweit ersten DeLorean mit Elektroantrieb.

Ein ganz besonderes Exemplar

„Schlecht ist: Ich habe unheimlich viel Arbeit, unheimlich viel Zeit, unheimlich viel Geld in den E-Lorean gesteckt. Ich kann ihn aber nicht fahren, weil er dauernd auf irgendwelchen Messen steht“, sagt Pohl und lacht etwas reumütig. Derzeit ist der Wagen auf der Retro Classics in der Messe Stuttgart ausgestellt, noch bis Sonntag ist er dort zu bestaunen. „Eigentlich müsste ich nun einen Zweiten bauen, damit ich auch selbst einen habe“, sagt Pohl. Die Idee zu dem Projekt kam ihm vor etwa fünf Jahren. Uwe Hanov, der sich um Pohls Fuhrpark kümmert, empfahl, sich an Experten zu wenden. Denn das Vorhaben bedurfte einer Menge Expertise, Erfindungsreichtum und Anpassungsfähigkeit. Der Plan war: Ein Auto zu bauen, das aussieht wie der Original DeLorean, aber mit Elektromotor und modernsten Technologien ausgestattet ist.

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In den Niederlanden wurde Pohl fündig. Er erwarb einen DeLorean von 1980, dessen Karosserie weitgehend unversehrt war. Erst später stellte sich heraus, dass es sich um ein ganz besonderes Exemplar handelte. Pohl hatte einen Prototypen gekauft, an dem die Mechaniker damals die Montage geübt hatten. Dieses Auto wurde also unzählige Male zusammen und wieder auseinander gebaut. Dadurch wies er extrem genaue, fast perfekte, Spaltmaße auf.

Großes Glück hatte der Neckartailfinger auch mit den Experten, die an dem Projekt beteiligt waren. Zunächst stieß Pohl auf das Start-up E-Works Mobility, das sich auf die Umrüstung von Verbrenner- auf E-Antriebe spezialisiert hat. Anschließend beteiligten sich mehr und mehr junge Unternehmen an dem E-Lorean – weil sie das Projekt unterstützen und sich selbst ausprobieren wollten. So zum Beispiel Ameria und Incari, die sich um das Computersystem und die Gestensteuerung kümmerten. Das Vorhaben wurde zum Selbstläufer. „Wenn du die Leute, die Öl an den Händen haben, mit denen verbindest, die coden können, dann kommt etwas Gutes dabei heraus“, sagt Pohl.

Außen Retro, innen Zukunft

Selbst der Designer des ikonischen Originals, der Italiener Giorgetto Guigiaro, wurde auf das Projekt aufmerksam und beteiligte sich. Der Kontakt kam zustande, weil Pohl bei einem Event dessen Sohn Fabrizio Giugiaro kennenlernte. Die Giugiaros übernahmen die Gestaltung des Innenraums, denn dieser musste an die neuen Anforderungen, wie den Touchscreens, angepasst werden. Wer nun den E-Lorean zu Gesicht kriegt, wird sogleich in seinen Bann gezogen. Kantiges, geradliniges Design – Pohl spricht gerne von „zeitlos futuristisch“ –, gebürsteter Edelstahl, Flügeltüren, die an die Schwingen eines Adlers erinnern. Von außen sieht der E-Lorean noch aus wie der Klassiker, sein Innenleben ist jedoch das eines komplett neuen Fahrzeuges. So baute das Team auch einen Rennkäfig ein. „Ein bisschen Lebensversicherung ist nicht schlecht“, sagt Pohl trocken. Denn: „Der DeLorean im Original ist das gefährlichste Auto der Welt.“

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Verkäuflich ist der E-Lorean nicht; momentan liegt der Wert bei etwa einer halben Millionen Euro. Aber Pohl habe schon Anfragen erhalten, ob er noch weitere Fahrzeuge bauen möchte. Ob der Unternehmer darauf eingeht, scheint er noch nicht entschieden zu haben. Was Pohl aber weiß: „Das Auto wird wahrscheinlich nie fertig sein. Wenn wir etwas finden, auf das wir Bock haben, werden wir es einbauen.“

Vom DeLorean zum E-Lorean

Moderne Technik
 Der E-Lorean sieht retro aus, ist aber vollgepackt mit modernster Technik. Neben dem Elektroantrieb, den die Firma E-Works-Mobility in das Fahrzeug eingebaut hat, ist das Fahrzeug mit einem breiten Infotainment-System ausgestattet. Ein Highlight dürfte die innovative Gestensteuerung sein, die die Firma Ameria eingerichtet hat.

Leistung
 Der elektrische Hinterradantrieb des E-Lorean leistet 220 Kilowatt, was ungefähr 300 PS entspricht. Das rund 1,5 Tonnen leichte Fahrzeug schafft es somit auf eine Höchstgeschwindigkeit von 225 Kilometer pro Stunde. Von 0 auf 100 Stundenkilometer beschleunigt der Sportwagen in unter fünf Sekunden und kommt mit einer vollen Batterieladung bis zu 300 Kilometer weit.

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