Auto für 51 Millionen Euro versteigert Schaut Mercedes dabei zu, wie die eigene Großmutter verkauft wird?

Starkes Stück: der Mercedes-Stromlinienwagen. Foto: sto/ Stolterfoht

Für 51,155 Millionen Euro ist mit dem legendären Stromlinienwagen am Samstag erneut eine Mercedes-Ikone für eine enorme Summe verkauft worden. Für die einen sind diese Auktionen sinnvolle Firmenstrategie, für andere die Abkehr von der eigenen Geschichte.

Automobilwirtschaft/Maschinenbau: Peter Stolterfoht (sto)

Für einen neuen Rekord hat es nicht gereicht. Der am Samstag (1. Februar) für 51,155 Millionen Euro von einem anonym auftretenden Bieter ersteigerte Mercedes-Stromlinienwagen schiebt sich aber auf Platz zwei in der Rangliste der wertvollsten Autos – und damit vor zwei Ferrari-Klassiker. Weiter unangefochten an der Spitze steht ein weiterer Mercedes – das legendäre Uhlenhaut-Coupé , das 2022 einen Verkaufspreis von 135 Millionen Euro erzielte.

 

Mit der Versteigerung des Stromlinenwagens untermauerte Mercedes nun eindrucksvoll seine Spitzenstellung als führende Klassiker-Marke und präsentierte sich dabei als exklusiv in Szene gesetzter Gastgeber der von RM Sotheby’s durchgeführten Auktion im Firmenmuseum. Auf den Markt gebracht aber hat den W 196 R nicht der Hersteller, sondern das Motor Speedway Museum in Indianapolis, das den Stromlinienwagen im Jahr 1964 von Mercedes geschenkt bekommen hatte. Der Erlös soll nun für die Sanierung des Museums verwendet werden.

Das Auto wurde von Mercedes einst verschenkt

Auch wenn der Wagen diesmal nicht aus Mercedes-Besitz stammt, regt sich Kritik am Unternehmen und dem Umgang mit der eigenen Geschichte. Die beginnt in diesem Fall damit, dass Mercedes einst großzügig mit den Silberpfeilen umgegangen ist und das nun für 51,155 Euro versteigerte Stromlinienmodell vor über 60 Jahren dem Museum in Indianapolis ohne Gegenleistung überlassen hatte. 2002 startete der damalige Chef von Mercedes-Museum und -Sammlung, Wolfgang Rolli, den Versuch, den W 196 R nach Stuttgart zurückzuholen. Ohne Erfolg. Geschenkt ist geschenkt, das wurde Rolli damals von den Amerikanern freundlich aber bestimmt mitgeteilt.

Dass auch heute wieder Teile des Mercedes-Erbes aus der Hand gegeben werden, nennt Wolfgang Rolli „beschämend“. Die Versteigerung 2022 des zum eigenen Bestand gehörenden Uhlenhaut-Coupés hat ihn vor drei Jahren zum Kritiker einer solchen Verkaufspolitik gemacht. „Diese Auktion hat den Regeln einer 2006 vom gesamten Vorstand abgesegneten „Sammlungsrichtlinie widersprochen“, so Rolli.

Der zuständige Mercedes-Heritage-Geschäftsführer Marcus Breitschwerdt weist dagegen darauf hin, dass durch den Erlös der Uhlenhaut-Auktion ein „Leuchtturmprojekt“ des Unternehmens finanziert werde. Dabei handelt es sich um das Programm „Be Visoneers“, bei dem Tausende junger Menschen aus aller Welt bei der Entwicklung und Umsetzung von Nachhaltigkeitsprojekten mit Wissen, Coaching und Stipendien unterstützt werden. Angeführt wird außerdem, dass sich ein zweites Uhlenhaut-Coupé weiterhin in Mercedes-Besitz befindet.

Diese Argumente lassen den ehemaligen Mercedes-Museumschef Wolfgang Rolli nicht von seiner Kritik abrücken, die er Marcus Breitschwerdt auch schon 2022 mitgeteilt hat: „Es ist geradezu unanständig, sich von wesentlichen Teilen der Unternehmens-DNA zu trennen, schließlich handelt es sich um Deutsches Kulturgut unschätzbaren Wertes“, sagt er. Das sei, wie die eigene Großmutter verkaufen – samt ihrem Tafelsilber.

Das 2022 für 135 Millionen Euro versteigerte Uhlenhaut-Coupé. Foto: Imago/Wolfgang Simlinger

Stirling Moss saß am Steuer dieses Stomlinienmodells

Drei stromlinienförmige Rennwagen hatten 1954 ihre Premiere beim Großen Preis von Frankreich in Reims. Mercedes-Benz feierte dort einen viel beachteten Doppelsieg: Die Piloten Juan Manuel Fangio, Karl Kling und Hans Herrmann kamen auf die Plätze eins, zwei und sieben. Fangio wurde in dieser Saison mit dem neuen Silberpfeil Formel-1-Weltmeister.

Das nun verkaufte Stromlinienmodell mit dem Achtzylindermotor, der Startnummer 16 und der Fahrgestellnummer 00009/54 steuerte Stirling Moss 1955 auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke in Monza. Weshalb das Fahrzeug auch als „Monza Streamliner“ bekannt ist. Davon gibt es heute noch vier Exemplare. Zwei davon sind weiterhin im Besitz von Mercedes.

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