Am Montag haben der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann, der Stuttgarter Regierungspräsident Wolfgang Reimer und Steffen Bilger, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, einen neuen Termin genannt. Bei einer Informationsveranstaltung der Anliegergemeinden über den aktuellen Sachstand erklärte Hermann, dass man den Beginn der fünfjährigen Hauptbauphase 2024 anstrebe. Geht alles glatt, könnte die A 8 vom Jahr 2030 an durchgängig sechsspurig von Karlsruhe bis München ausgebaut sein.
Kosten liegen nun bei 600 Millionen Euro
Dafür zuständig ist vom 1. Januar an die neu gegründete Autobahn-Gesellschaft des Bundes, die zu diesem Zeitpunkt die Verantwortung für die Planung, den Bau und Betrieb, die Erhaltung und Finanzierung aller Autobahnen von den Bundesländern übernimmt. Steffen Bilger zeigte sich überzeugt, dass der Wechsel der Verantwortlichkeit keine weitere Verzögerung mit sich bringen werde: „Durch die sehr gute Vorarbeit des Landes können wir den Neubau des Albaufstiegs direkt in Angriff nehmen.“
Das hofft auch Hermann, der den Ausbau des Albaufstiegs als „größtes und wichtigestes Autobahnprojekt in Baden-Württemberg“ bezeichnete. Darüber hinaus wird es auch das teuerste: Für die 7,6 Kilometer lange Neubaustrecke mit Brücken über das Filstal und über das Gosbachta, dem 1170 Meter langen Tunnel Himmelsschleife und dem 1670 Meter langen Drackenstein-Tunnel rechnet der Bund mit Kosten in Höhe von 600 Millionen Euro. 2014 waren die Experten noch von Baukosten in Höhe von 500 Millionen ausgegangen.
Ein Radweg mit spektakulären Aussichten
Seit dem Erörterungstermin im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens im September 2019 hat sich einiges getan. So sind die Pläne, die bisherige Abstiegstrasse der A 8 zu rekultivieren und aufzuforsten, vom Tisch. Auf vielfachen Wunsch soll dort, sehr zur Freude von Winfried Hermann, nun ein Landesradweg mit spektakulären Ausblicken entstehen.
Für die entfallenden Ausgleichsmaßnahmen werden die Seitenstreifen hinter dem Lämmerbuckeltunnel auf der Albhochfläche renaturiert. Die denkmalgeschützte Aufstiegstrasse soll als zweispurige Ersatz- und Ausweichstrecke erhalten bleiben. Winfried Hermann: „Mit dem sechsspurigen Ausbau der Autobahn und der Aufstiegstrasse verdoppeln wir die bisherige Kapazität beim Albaufstieg.“
Auf wenig Gegenliebe bei den Planern ist die von der Bürgerinitiative Drackensteiner Hang (Drackis) angeregte Alternativtrasse gestoßen. Allerdings kommt man den Drackis an anderer Stelle entgegen: Der Drackenstein-Tunnel soll nun von der Albhochfläche aus gebaut werden. So können Eingriffe in die Natur im sensiblen Gosbachtal reduziert werden. Die Gosbachbrücke wiederum soll durch eine geringfügige Vergrößerung der Bogenspannweite so optimiert werden, dass eine stützenfreie Überbrückung der steilen und rutschgefährdeten Talflanken möglich ist.
Mehrere Brücken werden erneuert
Weil die Pläne an manchen Stellen fundamental geändert worden sind, müssen sie nun erneut ausgelegt werden. Dies soll bereits im kommenden Jahr unmittelbar nach Pfingsten geschehen.
Die Zeit bis zum Beginn der Bauarbeiten am neuen Albaufstieg wollen die Planer nutzen, um wichtige Vorarbeiten zu leisten. Weil viele der alten Autobahnbrücken, unter anderem die über die Bundesstraße 466 und an der Rampe der Anschlussstelle bei Mühlhausen, in die Jahre gekommen sind, werden diese bis 2023 erneuert. Auch muss die im Bereich der Amtalklinge und des Nordportals des Drackenstein-Tunnels lebende, streng geschützte Haselmaus umgesiedelt werden. Hierzu, heißt es aus dem Regierungspräsidium, würden gerade angrenzende Waldflächen als Ersatzhabitate vorbereitet.
Nicht eingeflossen in die bisherigen Planungen ist der vom Landkreis Göppingen und den Anliegerkommunen gewünschte Ausbau der Behelfszufahrt Hohenstadt als Vollanschluss. Allerdings, so erklärte Regierungspräsident Reimer, werde man die Situation vor Ort beobachten und zumindest die Voraussetzungen für eine solchen Vollanschluss schaffen.