Autobahnbrücke bei Genua eingestürzt So sicher sind Deutschlands Brücken

Von /dpa 

So wie jetzt im italienischen Genua hat es weltweit schon etliche Brückeneinstürze mit vielen Todesopfern gegeben. Wie sicher sind die Brücken in Deutschland? Ein Blick in die Statistik.

Zwei Prüfer von Straßen NRW überprüfen von einem Hubsteiger aus eine Autobahnbrücke der A42 in Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen). Foto: dpa 5 Bilder
Zwei Prüfer von Straßen NRW überprüfen von einem Hubsteiger aus eine Autobahnbrücke der A42 in Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen). Foto: dpa

Berlin/Stuttgart - Nach dem Einsturz einer Autobahnbrücke im italienischen Genua mit mindestens 35 Toten stellt sich zwangsläufig die Frage nach dem Zustand der Brücken in Deutschland.

Nach den jüngsten Zahlen der Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST) gibt es hierzulande fast 40 000 Brücken an Bundesfernstraßen – das heißt Autobahnbrücken und Brücken an Bundesstraßen mit Ortsdurchfahrten. Exakt sind es nach den neuesten Zahlen der Bundesbehörde in Bergisch-Gladbach bei Köln 39 621 Bauwerke.

Jede achte Brücke in Deutschland ist marode

Nach Angaben der BAST ist der Zustand der „Brückenflächen“ bei über zwölf Prozent „sehr gut“ oder „gut“, bei etwa 75 Prozent „befriedigend“ oder „ausreichend“. Bei fast elf Prozent ist der Zustand demnach „nicht ausreichend“, bei knapp zwei Prozent sogar „ungenügend“.

Das bedeutet: „Die Standsicherheit oder Verkehrssicherheit ist nicht mehr gegeben“, erklärt die Bundesbehörde.

Die Zustandsnote bildet nach BAST-Angaben die Grundlage für die weitere Erhaltungsplanung der jeweiligen Brücken. Eine Zustandsnote „nicht ausreichend“ bedeute aber nicht zwangsläufig eine Nutzungseinschränkung des Bauwerkes, sondern sei vielmehr ein „Indikator“ dafür, dass „in näherer Zukunft eine Instandsetzungsmaßnahme“ notwendig werden würde.

Leichte bis schwere Schäden an Brücken

Ein „ungenügender“ Zustand weist zwar auf eine beeinträchtigte oder nicht mehr gegebene Stand- oder Verkehrssicherheit einer Brücke hin, kann aber auch auf geringere Schäden zurückzuführen sein. So können zum Beispiel fehlende Gitterstäbe im Geländer oder schadhafte Abdichtungen am Asphaltbelag der Brücke Gründe für eine schlechte Beurteilung des Bauwerks durch die Prüfer sein.

Trotzdem herrscht der Bundesbehörde zufolge auch in solchen Fällen dringender Handlungsbedarf, um eine Sperrung zu verhindern. Wenn bei einer routinemäßigen Bauwerksprüfung Mängel festgestellt werden, so würden sofort entsprechende Maßnahmen getroffen, um die erforderliche Sicherheit für den Verkehr auch weiterhin zu gewährleisten.

40 bis 50 Jahre alte Bauwerke

Die meisten der rund 140 000 Straßenbrücken sowie rund 40 000 Fernstraßenbrücken in Deutschland stammen noch aus den 1960er und 1970er Jahren.

Mittlerweile ist das Problem der maroden Brücken-Infrastruktur erkannt und Bund und Länder investieren jetzt mehr Geld, um Fahrbahnen und kaputte Brücken auf Vordermann zu bringen.

Flossen 2010 insgesamt 5,1 Milliarden Euro in die deutsche Fernstraßen-Infrastruktur, waren es 2016 bereits 6,2 Milliarden und im vergangenen Jahr rund 7,2 Milliarden Euro.