Die Anliegerkommunen der A 8 im Kreis Esslingen fordern weiterhin Tempo 120. Das Ziel zu erreichen, wird nicht einfach. Nun hat die Autobahn GmbH eine kleine positive Botschaft.
Die Kommunen entlang der A 8 im Kreis Esslingen wollen den Schulterschluss herstellen, um endlich ein Tempolimit von 120 Kilometern je Stunde zu erreichen. Das wird einen langen Atem erfordern, ist den Rathauschefs in Wendlingen, Köngen und Kirchheim bewusst. Immerhin hat die Autobahngesellschaft nun eine kleine positive Botschaft: Allzu schnelle Autos könnten in absehbarer Zeit auch zwischen Wendlingen und Aichelberg ausgebremst werden. Dennoch sind die Kommunen nicht zufrieden.
Vor rund zwei Jahren gab es bereits ein ähnliches Ansinnen, das jedoch aus mehreren Gründen scheiterte. Basis des Vorstoßes, seinerzeit wie jetzt, ist es, eine Lärmminderung zu erreichen. 2024 scheiterte man nicht zuletzt, weil sich ein formelles Verfahren aufgrund unterschiedlicher Bearbeitungsstände in der Lärmaktionsplanung nicht durchführen ließ.
„Regelungslücke“: Zwischen Wendlingen und Aichelberg gibt es kein Tempolimit
In der nun anstehenden fünften Runde soll das anders werden, darin sind sich die Städte Kirchheim und Wendlingen sowie die Gemeinde Köngen jedenfalls einig. Nachvollziehbar ist der neuerliche Vorstoß, denn der 17 Kilometer Streckenabschnitt zwischen dem Kreuz Wendlingen und dem Aichelberg bildet eine „Regelungslücke“. Zwischen Stuttgart und Wendlingen gibt es wenigstens temporäre Regulierungsmöglichkeiten und vom Albaufstieg an gilt ohnehin schon maximal Tempo 120.
Was hinzukommt: Gerade der Bereich, in dem die Autobahn den Neckar quert, ist aufgrund seiner Tallage, in dem die Schallemissionen gewissermaßen kanalisiert werden, besonders lärmintensiv. Wendlingens Bürgermeister Steffen Weigel lässt an seiner Entschlossenheit keinen Zweifel aufkommen: „Wir lassen bei diesem für unsere Bevölkerung wichtigen Thema nicht locker“, stellt er klar und verweist auf die Belastung durch tagtäglich rund 95 000 Fahrzeuge auf diesem Streckenabschnitt.
Gegenwind für Vorstoß aus dem Kreis Esslingen zu Tempo 120
Dass es dennoch nicht so einfach werden wird, Tempo 120 durchzusetzen, stellt Köngens Rathauschef Ronald Scholz klar. Die Zuständigkeit liege beim Bund. „Deshalb müssen wir unser Vorgehen sorgfältig abstimmen und in einem kommunalen Konvoi handeln.“ Erster Ansprechpartner ist daher auch nicht das Stuttgarter Regierungspräsidium als Landesbehörde, sondern die Autobahn GmbH – und von dort waren die Reaktionen bislang stets ablehnend.
Daran hat sich nichts geändert, wie Linda Mayer, die Sprecherin der Niederlassung Südwest wissen lässt: „Eine Geschwindigkeitsbeschränkung aus Lärmschutzgründen kommt nur in Betracht, wenn bestimmte Richtwerte im Mittel überschritten werden.“ Eine Auswertung im Jahr 2023 habe aber nur punktuelle Spitzen ergeben, fügt sie hinzu.
Autobahngesellschaft kündigt temporäre Regulierung auf A-8-Abschnitt an
Eine positive Botschaft hat Mayer dennoch: „Die Autobahn GmbH beginnt Ende 2026/Anfang 2027 damit, die sogenannten Streckenbeeinflussungsanlagen, die es zwischen Leonberg und Wendlingen bereits gibt, bis Gruibingen zu verlängern.“ Situationsabhängige Tempolimits könnten damit angeordnet werden und den Lärm mindern.
Zufrieden stellt dieser Schritt die Kommunen entlang der A8 aber nicht und so lautet die Devise: „Geschlossen auftreten, gemeinsam vorgehen und den politischen Druck erhöhen.“ Zumindest bei den Grünen ist die Botschaft angekommen, wie aus einer Pressemitteilung des Kirchheimer Landtagsabgeordneten Andreas Schwarz hervorgeht: „Ich unterstütze die Initiative der Kommunen ausdrücklich. Ein Tempolimit auf diesem Abschnitt der A8 stärkt die Sicherheit, schützt die Anwohnerinnen und Anwohner und leistet einen Beitrag zum Klimaschutz.“