Autobauer in der Krise So schnell geht die Branche nicht unter

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Mercedes und Porsche brechen ein – und zeigen zugleich Stärke, meint unser Autor.

Automobilwirtschaft/Maschinenbau : Klaus Köster (kö)

Würden die Autohersteller der Region Stuttgart von einem Cockpit aus gesteuert, kämen die Alarmsirenen gar nicht mehr zum Stillstand. Wohin man auch blickt, geht es nach unten – bei Mercedes ebenso wie bei Porsche.

 
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Der Gewinn von Mercedes ist im ersten Halbjahr um mehr als die Hälfte eingebrochen, der von Porsche sogar um fast drei Viertel. Im zweiten Quartal näherte sich der Stuttgarter Sportwagenhersteller sogar der Nulllinie.

Kann Entwicklung einfach fortgeschrieben werden?

Es fällt schwer, angesichts all der deprimierenden Zahlen nicht in eine Endzeitstimmung zu verfallen. Doch sind die Hersteller und die Arbeitsplätze wirklich dem Untergang geweiht? Muss der Sinkflug, auf dem sich die Unternehmen befinden, so lange fortgeschrieben werden, bis es zum zwangsläufigen Absturz kommt?

Die Lage ist sehr ernst – doch diese Erkenntnis darf nicht dazu führen, nur noch Trübsal zu blasen. Denn aus den Zahlen lassen sich auch ermutigende Erkenntnisse ableiten. Seit Jahren sind die Autobauer einer Krise nach der anderen ausgesetzt: Corona, die Gaspreiskrise, die Schließung des russischen Markts nach dem kriegerischen Überfall auf die Ukraine, der Markteinbruch in China und jetzt die Zölle in den USA: Atempausen gibt es keine mehr, vielmehr überlagern und verstärken sich die Krisen gegenseitig. Doch nach wie vor erzielen beide Unternehmen Gewinne: Mercedes einen Milliardenbetrag, Porsche etliche Hundert Millionen Euro. Eine Selbstverständlichkeit ist das nicht. Es zeugt vielmehr von einer hohen Widerstandskraft gegen schwierigste Verhältnisse.

Mehr als nur Zweckoptimismus

Trotz nachhaltig schrumpfender Märkte gibt es bei den großen Herstellern auch keine Massenentlassungen. Vielmehr bauen beide Konzerne die Beschäftigung durch Programme ab, die mit den Betriebsräten bis ins Detail ausgehandelt sind und vielen Beschäftigten sechsstellige Summen fürs Ausscheiden zusprechen. Wie wetterfest die beiden Unternehmen heute aufgestellt sind, nimmt man kaum wahr, weil es trotz all der Krisen noch erstaunlich viel Normalität gibt.

Natürlich gehört es zu den Aufgaben von Konzernchefs, Zuversicht zu verbreiten – doch es ist mehr als nur Zweckoptimismus, wenn Porsche-Chef Oliver Blume darauf hinweist, wie ertragsstark Porsche nach wie vor dasteht, wenn man auch nur die Kosten für den Personalabbau und für die US-Zölle einmal außer Acht lässt.

Natürlich spiegelt die satte Rendite, die sich dann ergibt, nicht die gesamte Realität wieder – ebenso wenig wie die schlechten Zahlen des ersten Halbjahres. Denn diese sind so stark von den geopolitischen Rahmenbedingungen geprägt, dass sie den Blick auf die nach wie vor starke Substanz der Unternehmen fast völlig verdecken.

Sowohl Porsche als auch Mercedes investieren massiv in neue Modelle mit höchstem technologischem Anspruch. Mit dem CLA oder dem vollelektrischen GLC geht Mercedes in volumenstarken Marktsegmenten in die Offensive und räumt ganz nebenbei die frühere Strategie ab, allzu einseitig auf die größten Fahrzeuge zu setzen. Porsche wie auch Mercedes haben überdies längst ihre allzu optimistische Einschätzung des Markts der vollelektrischen Autos korrigiert und pragmatisch umgesteuert.

All das übersetzt sich in der Welt der Zahlen als Belastung. Doch es sind auch Kosten, die zeigen, dass die Unternehmen investieren. Ein Teil dessen, was sich heute so desaströs darstellt, dient auch dazu, die Substanz der beiden Unternehmen weiter zu stärken – und sie auf eine Zukunft vorzubereiten, aus der sie sich auch durch widrigste Bedingungen nicht verdrängen lassen wollen.

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