Autofahren in Böblingen Böblingen will Anwohnerparken einführen
Als Pilotfläche fürs Anwohnerparken soll die Friedrich-List-Straße dienen. Und: Die Stadt macht einen neuen Aufschlag für ein modernes Parkleitsystem.
Als Pilotfläche fürs Anwohnerparken soll die Friedrich-List-Straße dienen. Und: Die Stadt macht einen neuen Aufschlag für ein modernes Parkleitsystem.
Die Stadt Böblingen hat sich in diesem Jahr das Thema Parken auf die Agenda gesetzt. Keine leichte Aufgabe, gilt es doch, unterschiedlichsten Interessen, Ansprüchen und Wahrnehmungen gerecht zu werden. Seit Mai ist im Stadtzentrum das Parken teurer – dafür dürfen Autos in allen städtischen Parkhäusern die erste Stunde kostenlos abgestellt werden.
Nun steht ein weiterer Schritt an, der für Böblingen ein Novum wäre: Die Stadt will Anwohnerparken einführen. Als Pilotfläche soll die Friedrich-List-Straße dienen. Die Stadt greift damit zwei Anträge aus dem Gemeinderat auf. Die CDU-Fraktion hatte allgemein Anwohnerparken in Böblingen gefordert, die Freien Wählern speziell für die Friedrich-List-Straße.
In der Vergangenheit gab es immer wieder Diskussionen um diese Straße. Sie ist stark befahren, trotz Lkw-Durchfahrtsverbot rollen Laster hindurch, die dort mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts verloren haben, und: Mit der Erhöhung der Parkgebühren im Mai entstand die Sorge, dass Autofahrer auf Parkplatzsuche in die Friedrich-List-Straße ausweichen und die dort weiterhin kostenlosen Stellflächen nutzen könnten.
Doch das ist nicht der einzige Grund, weshalb die Stadtverwaltung das Thema Anwohnerparken gerade jetzt angeht – immerhin stammt der CDU-Antrag schon aus dem Jahr 2020. „Bis letztes Jahr war es nicht möglich, zu prüfen, ob Anwohnerparken in Böblingen möglich wäre“, erklärte Azeem Raja vom Amt für Stadtentwicklung in der Sitzung des Technischen Ausschusses am Mittwoch.
Dann wurde 2024 die Straßenverkehrsordnung überarbeitet. Inzwischen muss nicht mehr nachgewiesen werden, dass ein Mangel an Parkplätzen besteht, um Anwohnerparken einzuführen. Es reicht ein städtebauliches Konzept. „Dadurch haben wir deutlich mehr Freiheiten“, sagte Raja.
Wie die Stadtverwaltung im Detail diese neue Freiheit nutzen will, steht allerdings noch nicht fest. Grundsätzlich gilt laut Raja: Eine Anwohnerparkzone darf sich maximal auf eine Länge von einem Kilometer erstrecken. Zwischen 9 und 18 Uhr dürfen höchstens die Hälfte der vorhandenen Parkplätze als Anwohnerparkplätze ausgewiesen werden, nachts 75 Prozent.
Bei den Gebühren für einen Anwohnerparkausweis gibt es „nach oben keine Grenzen“, so Raja. Er wisse von Städten, die im Jahr 30 Euro verlangten, und Städten wie Stuttgart, die in der Innenstadt 400 Euro ansetzten. Allerdings sei es häufig „ein Geben und Nehmen“. So bezuschusse beispielsweise Tübingen mit den Einnahmen das Deutschlandticket, Stuttgart sammele das Geld in einer „Parkraumrücklage“, um damit neue Stellplätze zu schaffen.
Pro Haushalt, der im ausgewiesenen Bereich liegt, gibt es demnach maximal einen Ausweis. Hätte eine Familie drei Autos, könnte sie also nicht für jedes einen Ausweis beantragen. Es bestünde aber laut Raja die Option, mehrere Fahrzeuge in einem Ausweis zu hinterlegen, sodass sie im Wechsel auf einem Anwohnerparkplatz stehen könnten. Auch Dauerparkscheine könnten Raja zufolge eine Ergänzung oder Alternative zum Anwohnerparken sein.
Überhaupt scheint es zahlreiche Möglichkeiten zu geben, das Anwohnerparken zu justieren – immer mit dem Hintergedanken, so betont es Raja, wie sich das auf umliegende Quartiere auswirken könnte. „Was wollen wir mit dem Anwohnerparken erreichen?“ sollte beim Pilotprojekt Friedrich-List-Straße die zentrale Frag lauten, sagte Raja. Dieser Frage nachzugehen und ein Konzept zu entwickeln – dafür gab es vom Ausschuss am Mittwoch grünes Licht, das der Gemeinderat noch bestätigen muss.
Aber was sind alle Überlegungen und Ansätze rund ums Parken in der Stadt wert, wenn niemand weiß, wo überhaupt Parkmöglichkeiten vorhanden sind? „Wir haben ein Problem“, konstatierte Oberbürgermeister Stefan Belz (Grüne) deshalb am Mittwoch. Zu viele Parkgaragen seien zu unbekannt. Abhilfe könnte ein funktionierendes Parkleitsystem schaffen – das anzeigt, welche Parkhäuser es gibt und wie viele Plätze dort jeweils noch frei sind.
Im Jahr 2017 war die Stadt offenbar kurz davor gewesen, ein neues Leitsystem umzusetzen, die Pläne lagen schon in der Schublade, wurden aber wohl als zu teuer verworfen und sind inzwischen überholt. Jetzt erfolgt ein neuer Aufschlag. Wie er aussehen soll? Das ist noch offen. Die kritische Nachfrage, ob angesichts von Navigations-Apps ein solches System überhaupt noch zeitgemäß sei, beantwortete eine Mehrheit der Räte mit Ja und empfahl damit dem Gemeinderat, dem Grundsatzbeschluss für ein Parkleitsystem zuzustimmen.