Die wenigsten Anwohner rund ums Marienhospital finden abends einen Parkplatz. Sie setzen sich für Anwohnerparkplätze – ähnlich wie im Westen – ein.

Stuttgart-Süd - „Ich würde liebend gerne 30,70 Euro im Jahr bezahlen, wenn ich dann sicher einen Parkplatz finde“, sagt Susanne Nerz. Als Bewohnerin der Eierstraße kennt sie den morgendlichen und abendlichen Parkplatzsuchverkehr in ihrer unmittelbaren Umgebung nur zu gut. Deshalb empfände sie es auch nicht als Abzocke, wenn der Bezirksbeirat Süd sich für ein Parkraummanagementkonzept ähnlich dem der Weststadt aussprechen würde. Im Gegenteil, Susanne Nerz hofft darauf. Gemeinsam mit ihrem Mann Michael und anderen Anwohnern der Eierstraße will sie deshalb am 5. Februar eine Bürgerinitiative gründen.

 

In den Straßen rund um das Eiernest überlegten sich die Bewohner jede Fahrt mit dem Auto zweimal, so Nerz. Wer unter der Woche einen Parkplatz suche, müsse bis zu fünf Mal um den Block fahren. Einzig in der Eiernest-Siedlung direkt gibt es das Problem nicht, weil dort bereits jetzt nur Anwohner parken dürfen. In der Schreiber-, der Dornhalden- und der Eierstraße jedoch suchten nicht nur die Anwohner nach Parkplätzen. „Wir vermuten, dass viele Besucher, Mitarbeiter und Patienten des Marienhospitals hier parken“, sagt Michael Nerz. Das kann Rainer Kruse, Sprecher des Marienhospitals nicht ausschließen.

Im Bezirksrat herrscht Uneinigkeit

Das Krankenhaus beschäftigt fast 2000 Mitarbeiter. Von diesen kämen die meisten jedoch mit öffentlichen Verkehrsmitteln, so Kruse. „Wir setzen mit den Firmentickets dazu bewusst einen Anreiz.“ Zudem habe das Hospital ein eigenes Mitarbeiter-Parkhaus mit 100 Stellplätzen, in dem die Mitarbeiter von weiter weg bevorzugt einen Stellplatz erhielten. „Auf der Warteliste stehen jedoch um die 200 Leute“, sagt der Sprecher des Marienhospitals. Darüber hinaus hätten 200 Mitarbeiter im Schichtbetrieb Parkkarten für die beiden Besucherparkhäuser, so dass diese Häuser ebenfalls ausgelastet seien.

Für die Initiative der Anwohner zeigt Kruse Verständnis und spricht sich auch nicht gegen die Einführung von Anwohnerparkplätzen aus. „Ich gehe davon aus, dass dadurch nur für die wenigsten unserer Mitarbeiter ein Problem entstünde.“ Er plädiert allerdings für mehr Park-and-Ride-Parkhäuser in den Außenbezirken Stuttgarts, um die Anfahrt für Pendler zu erleichtern. Für die Anwohner, so Kruse, biete das Marienhospital die Möglichkeit für 30 Euro im Monat von 17 bis 9 Uhr in einem der Parkhäuser ihr Auto zumindest nachts abzustellen.

Im Bezirksbeirat herrscht über die Einführung eines Parkraummanagements im Süden unterdessen Uneinigkeit. „Wir waren verwundert, wie kontrovers die jüngste Debatte geführt wurde“, sagen Susanne und Michael Nerz. CDU und Liberale hatten sich im November gegen weitere Anwohnerparkplätze ausgesprochen. „Die Resonanz auf unseren Wunsch nach mehr Bürgerbeteiligung war jedoch bei allen Fraktionen positiv, was uns hoffen lässt“, sagt Susanne Nerz. Nun gehe es darum, viele Mitstreiter zu finden. Unterstützer könnten die Bewohner rund um das Marienhospital in vielen anderen Teilen des Bezirks finden. Vom Heusteigviertel bis zum Kaltental erhalte er Beschwerden von Anwohnern und Geschäftsleuten, sagt Bezirksvorsteher Rupert Kellermann. „Viele Bürger haben sich bei mir beklagt, dass die Situation schlimmer als bekannt ist.“

Am Sonntag, 5. Februar, können sich alle an einer Bürgerinitiative interessierten um 15 Uhr im Generationenhaus Heslach, Gebrüder-Schmid-Weg 13, treffen, um über die Gründung einer Initiative zu sprechen. Kontakt: anwohnerparken2012@googlemail.com.