Autofreie Wilhelmsbrücke in Stuttgart-Bad Cannstatt Verkehrsversuch verzögert sich wegen Rosensteintunnel
Weil der Rosensteintunnel erst im kommenden Jahr eröffnet wird, bleibt auch die Wilhelmsbrücke vorerst für Kraftfahrzeuge geöffnet.
Weil der Rosensteintunnel erst im kommenden Jahr eröffnet wird, bleibt auch die Wilhelmsbrücke vorerst für Kraftfahrzeuge geöffnet.
Bad Cannstatt - Der Rosensteintunnel wird nicht wie geplant nach den Herbstferien eröffnet. Die Einweihung des Tunnels verzögert sich auf noch unbestimmte Zeit, zumindest aber bis Anfang 2022. Der Grund für die Verzögerung bei der Eröffnung des Rosensteintunnels sind, wie berichtet, Lieferengpässe bei Edelstahl, Kabeln und elektronischen Bauteilen. Dies hat auch Auswirkungen für den Verkehrsversuch autofreie Wilhelmsbrücke. Denn gesperrt werden soll die Neckarquerung erst nach der Inbetriebnahme der Rosensteintunnels. Verkehrstechnisch ist die Sperrung der Wilhelmsbrücke möglich, weil genau dieser Bereich durch die Eröffnung der Rosensteintunnels stark entlastet werden wird.
Um die Maßnahme umzusetzen, muss die Verkehrsführung im Bereich der Wilhelmsbrücke geändert werden. Beispielsweise wird die Geradeausspur in der Brückenstraße, die in Richtung Altstadt über die Brücke führt, künftig zu einem Radweg. Auch auf der anderen Seite wird es Veränderungen geben: So können Autofahrerinnen und Autofahrer während des Verkehrsversuchs – vorgesehen ist die Dauer von einem Jahr – nicht mehr von der Überkinger Straße kommend in Richtung Neckarvorstadt über die Wilhelmsbrücke gelangen. Denn die Querung ist dann nur noch für den Fußgänger- und Radverkehr freigegeben.
Die Sperrung bleibt für das Verkehrsaufkommen im Stadtbezirk nicht folgenlos, wie Andreas Hemmerich vom Amt für Stadtplanung und Wohnen im Bezirksbeirat Bad Cannstatt erläuterte. Die Stadtplaner rechnen mit einer Mehrbelastung für die Bereiche Halden-, Prag- und Wilhelmastraße, sagte Hemmerich. Vom Kfz-Verkehr entlastet werden dagegen die Überkinger und die Wilhelmstraße sowie auf der anderen Seite des Neckars die Brückenstraße in der Neckarvorstadt.
Die Sperrung der Wilhelmsbrückewurde im Gremium in den vergangenen Jahren immer wieder diskutiert. Sowohl im Bezirksbeirat als auch im Gemeinderat wurde das Vorhaben vom bürgerlichen Lager abgelehnt. Trotzdem wurde der Maßnahme bereits 2018 im Ausschuss für Umwelt und Technik und schließlich in diesem Jahr im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik zugestimmt. Dennoch wurde im Bezirksbeirat erneut Kritik am Vorhaben laut: Man solle erst einmal abwarten, wie sich der Verkehr nach der Eröffnung des Rosensteintunnels entwickele, und dann könne in einem nächsten Schritt über solche Verkehrsversuche nachgedacht werden, sagte Roland Schmid (CDU). Aus Sicht der Christdemokraten stellt die Wilhelmsbrücke eine wichtige Verbindung zwischen der Neckarvorstadt, dem Hallschlag und der Altstadt dar.
Auch vom Einzelhandel wurden in der Vergangenheit immer wieder Befürchtungen geäußert, dass die Sperrung sich negativ auswirken wird: Weil die Altstadt dann nicht mehr so leicht mit dem Auto zu erreichen sei, würden Kundinnen und Kunden verprellt, so die Sorge. Die Grünen-Fraktion indes sieht in der Sperrung „eine Chance, Bad Cannstatt vom Durchgangsverkehr zu entlasten“, sagt Thomas Baur. Um den Kfz-Verkehr – insbesondere im Bereich der Haldenstraße – weiter zu reduzieren, schlägt die Fraktion im Bereich Am Wolfersberg vor, eine Pförtnerampel zu installieren.