Kreis Esslingen Menschen genießen autofreien Tag im Nürtinger Tiefenbachtal

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Tausende von Besuchern nutzten die Gelegenheit, zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auf Inlinern das idyllische Tiefenbachtal aus ganz anderer Persepktive – von dem für den motorisierten Verkehr gesperrten Asphaltband der Straße aus – zu erkunden.

Wir dürfen hier nicht rein: autofreier Sonntag im Tiefenbachtal. Foto: Michael Steinert 6 Bilder
Wir dürfen hier nicht rein: autofreier Sonntag im Tiefenbachtal. Foto: Michael Steinert

Nürtingen - Auch nach 20 Jahren hat der Aktionstag Mobil ohne Auto nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Tausende Teilnehmer nutzen am Sonntag die Gelegenheit, das Tiefenbachtal in Nürtingen ohne Motorenlärm zu genießen. Das Jubiläum ist mit einem Nachhaltigkeitsfest auf dem Gelände der Alten Seegrasspinnerei ausgeklungen, bei dem praktischerweise auch die Jubiläen des Nürtinger Weltladens und der Solarstadtinitiative Nürtingen gefeiert wurden. Beide Einrichtungen gibt es ebenfalls seit 20 Jahren.

Punkt 10 Uhr waren die Autos am Ortsende Nürtingen auf der einen Seite und am Abzweig nach Owen und Beuren auf der anderen Seite ausgesperrt worden. Die freie Bahn auf der knapp zehn Kilometer langen Strecke haben zuerst die Sportler genutzt. Kältefeste Rennradler kurbelten mit einem Lächeln im Gesicht der Sonne und dem Albtrauf entgegen und holten sich ihre Sauerstoffdusche in dem idyllischen Tal ab.

Inline-Pionierin der ersten Stunde

Die Allerersten unter ihnen sind Annette Haußmann begegnet. Die 49-Jährige aus Beuren, die noch keinen Aktionstag ausgelassen hat, war auch jetzt wieder – auf dem E-Bike begleitet von ihrem 77 Jahre alten Vater– auf Rollen unterwegs gewesen. „Ich war damals die erste, die auf Inlinern durch das Tiefenbachtal gefahren ist“, sagt sie. Weil es das Fortbewegungsmittel in Deutschland noch nicht zu kaufen gab, hatte ihre Schwester ihr ein Paar aus der Schweiz mitgebracht. Damals, so erinnert sich Annette Haußmann, hatte sie sich den Weg noch durch mehr Fußgänger bahnen müssen. „Jetzt geht kaum noch jemand zu Fuß. Die meisten sind inzwischen mit Fahrrad und Inlinern unterwegs“, sagt sie.

Familienfreundlich, umweltbewusst, autofrei – so hat im Vorfeld das Veranstalterteam rund um den Stadtjugendring Nürtingen für den Aktionstag geworben. Das ungestörte Naturerlebnis vor den Toren der Stadt ist traditionell gesäumt worden von Informations- und Aktionsständen entlang der Strecke. So nutzten die Hundefreunde, die Jägervereinigung und die Pfadfinder das Forum, um auf sich aufmerksam zu machen. Die Stadtwerke Nürtingen machten sich in entspannter Atmosphäre für den Klimaschutz stark, Fahrradhändler präsentierten ihre Angebotspalette entlang des Wegs und Umweltverbände stellten sich und ihre Arbeit vor.

Während mit steigendem Sonnenstand immer mehr Familien mit Kindern das Asphaltband zum motorfreien Sonntagsausflug nutzten, kamen um 14 Uhr noch einmal die Sportler zu ihrem Recht. Das Bergzeitfahren am Talschluss – 110 Höhenmeter auf drei Kilometer Strecke verteilt – ist zum ersten Mal über die Bühne gegangen. Nach 17 Uhr klang die Stille nur noch in der Erinnerung nach. Der Lärm der Autos und der Motorräder hatte sie wieder abgelöst.