Öffentlichkeitsarbeit, Vernetzung und Austausch von Informationen über soziale Medien oder der Rechtsweg in Zivil- und Strafverfahren – die von der Insolvenz des Salacher Autohauses Enes Betroffenen versuchen auf verschiedenen Wegen, den Schaden zu minimieren und zu ihrem Recht zu kommen. Das Autohaus hatte im vergangenen November Insolvenz angemeldet, seit Anfang März läuft das Insolvenzverfahren.
Die Anstrengungen der Geschädigten ist aller Mühen wert, denn bei vielen geht es um mittlere bis hohe fünfstellige Beträge. Die Betroffenen verteilen sich über halb Europa, von der Nordsee bis zum Mittelmeer sind Fälle bekannt. Manche Geschädigte haben immerhin das Auto, können es aber seit Monaten nicht anmelden, weil die Stuttgarter Bank Credit Plus eigene Verluste minimieren und den Fahrzeugbrief erst herausrücken will, wenn die Käufer Geld nachschieben. So ging es der Familie Kosel aus Kissing (Landkreis Aichach-Friedberg). Über deren Fall wollen inzwischen mehrere Medien berichten, teilt Kathrin Kosel mit.
Einige haben nicht einmal das Auto
Andere Käufer haben nicht einmal das Auto. So berichtet ein Mann aus Ostfriesland, dass er einen Ford Ranger, Baujahr 2022, gekauft habe. „Ich habe mein gesamtes Erspartes der Ausbildung (29 000 Euro) in ein Auto gesteckt“, schreibt der 23-Jährige unserer Zeitung. Es sei zusammen mit seinem Vater am 21. September vergangenen Jahres aus dem westlich von Wilhelmshaven gelegenen Wittmund nach Salach gefahren und habe den Ranger getestet. „Das Fahrzeug hatte zu dem Zeitpunkt keinen Tüv und sollte noch eine Reparatur am rechten Kotflügel erhalten“, schreibt der Käufer. Sie hätten nur den Kaufvertrag mitgenommen, das Auto sollte drei Wochen später abgeholt werden. Danach sei er von wechselnden Ansprechpartnern des Autohauses immer wieder vertröstet worden. Irgendwann sei vom Autohaus ihre Telefonnummer blockiert worden: „Zu dem Zeitpunkt waren wir bei Ende Oktober.“
Sie hätten dann einen Anwalt eingeschaltet, der Druck gemacht habe. Daraufhin sei ihm versprochen worden, er könne das Auto in drei Wochen abholen und erhalte einen Nachlass von 2500 Euro. „Deswegen habe ich vom Rücktritt des Kaufvertrages abgesehen.“ Nach drei Wochen sei er um eine weitere Woche vertröstet worden und „dann haben sie Insolvenz beantragt“. Das war am 26. November. Nun habe er „keine finanziellen Reserven, kein Auto, kein Vertrauen in Menschen und weitere Anwaltskosten am Hals.“
Mittlerweile mehr als 50 Anzeigen
Die Justiz bemühen auch andere Geschädigte. Ayfer Kaplan-Pirl, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Ulm, berichtet von „mehr als 50 Anzeigen“. Auch der 23-Jährige aus Ostfriesland hat Anzeige erstattet. Hinderlich sei, dass es über Bundesländer hinweg geht. Seit dem Insolvenzantrag habe er nichts mehr von der Polizei gehört. Er habe das Vertrauen ins System verloren und das Gefühl, er sei „ja nur ein kleiner Fisch“.
Inzwischen stehen auch einige Gerichtstermine an. Da geht es einerseits um Zivilklagen gegen Banken, die den Fahrzeugbrief nicht herausgeben. Andererseits laufen auch Verfahren gegen den Insolvenzverwalter. Davon berichtet Steffen Latzel aus Uhingen. Er sei an einem Samstag im November nach Salach gekommen: „Da war die Hölle los.“ Das Autohaus Enes habe die Preise drastisch gesenkt, vermutet Latzel als Grund. Der 45-Jährige und seine Frau leisteten eine Anzahlung für einen Volvo-Hybrid, der etwa 40 000 Kilometer auf dem Tacho gehabt habe. Der Wagen sollte das Auto werden, mit dem die vierköpfige Familie in Urlaub fährt. Das Autohaus sollte noch Inspektion machen und den Wagen zulassen. Die Familie aus Uhingen zahlte den Restbetrag, der Preis von 20 000 Euro sei günstig gewesen.
Geschädigte Familie: „Kunden tragen das volle Risiko.“
Er habe den Volvo allerdings nie abholen können, berichtet Latzel. Als der Insolvenzantrag kam, geriet der Wagen in die Insolvenzmasse. Latzel wird von einem Anwalt beraten, er klagt gegen den Insolvenzverwalter Michael Wahl. Es geht ihm um das Auto, das er „rausklagen“ möchte. Ein erster Termin sei im Juni. Für die Uhinger Familie ist die Lage ernüchternd, weil sie das Gefühl hat, dass die geprellten Kunden „das volle Risiko tragen“ müssen, während sich die Banken abgesichert hätten. „Ich verstehe nicht, wieso die Banken das Autohaus nicht früher und stärker unter die Lupe genommen haben“, sagt Steffen Latzel.
Betroffene teilen ihre Informationen und helfen sich
Austausch
Die durch die Insolvenz des Salacher Autohauses Enes Geschädigten haben sich vernetzt und informieren sich gegenseitig in Foren. Sie berichten, was sie von ihren Anwälten und Gerichten, vom Insolvenzverwalter oder von der Bank gehört haben. Auch Informationen über den ehemaligen Geschäftsführer des Autohauses und sein Umfeld werden geteilt. Ein wichtiges Thema ist, welche Forderungen beim Insolvenzverwalter angemeldet werden können.
International
Weil auch Käufer im Ausland betroffen sind, findet ein Teil des Austauschs auf Englisch statt. Es macht sich auch Enttäuschung über geringe Hilfe durch Behörden breit. Käufer sind enttäuscht über die „german police“.