Lupus, die rätselhafte "Schmetterlingskrankheit", wird in Deutschland immer häufiger diagnostiziert. Allein in zehn Jahren stiegen die Fälle um 22 Prozent – aber was steckt wirklich dahinter? Wie die Autoimmunerkrankung entsteht und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.
In den letzten Jahren ist Lupus (Lupus erythematodes oder Schmetterlingskrankheit) auch hierzulande immer mehr in das öffentliche Bewusstsein gerückt. Die Erkrankung beziehungsweise der Erkrankungskomplex werden ebenso wie andere rheumatologische Autoimmunerkrankungen immer stärker beachtet und auch häufiger diagnostiziert.
Ärztliche Abrechnungsdaten in Deutschland zeigen zwischen 2012 und 2022 einen relevanten Anstieg der Lupus-Diagnosen um 22 Prozent. Im Klinikum Stuttgart wird derzeit der Fachbereich Rheumatologie, der unter anderem für Lupus-Patienten zuständig ist, weiter ausgebaut. Doch was genau ist Lupus, wie entsteht er und wie wird er behandelt?
Was ist Lupus?
Lupus ist eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem des Körpers eigene Zellen und Gewebe angreift. Das kann den ganzen Körper betreffen.
Normalerweise schützt unser Immunsystem den Körper vor Krankheitserregern wie Viren und Bakterien. „Bei Lupus jedoch erkennt der Körper gesunde Zellen als fremd und greift sie an. Da es sich um eine Autoimmunreaktion gegen das eigene Binde- und Stützgewebe handelt, können alle Organe betroffen sein.“, erklärt Dr. Yella Rottländer, Ärztliche Leiterin der Rheumatologie im Klinikum Stuttgart. „Diese Fehlreaktion führt zu Entzündungen im ganzen Körper. Besonders häufig betroffen sind Haut, Gelenke, Nieren und das Herz.“
Diese Symptome kann eine Lupus-Erkrankung hervorrufen
Die Symptome sind vielfältig und können plötzlich auftreten oder schleichend beginnen, was die Diagnose oft schwierig macht. Zu den häufigsten Symptomen gehören Fieber, ein starkes Krankheitsgefühl, Sonnenempfindlichkeit mit Hautausschlägen, offene Stellen in der Mundschleimhaut, Gelenkschmerzen und Abgeschlagenheit.
Wie entsteht Lupus?
Die genaue Ursache von Lupus ist noch nicht vollständig verstanden. „Wir gehen davon aus, dass genetische Faktoren, Umweltfaktoren und der Hormonhaushalt eine Rolle spielen“, erläutert Dr. Rottländer. Frauen sind besonders häufig betroffen, vor allem im gebärfähigen Alter zwischen 15 und 45. Männer können aber auch erkranken. Rauchen, bestimmte Virusinfektionen oder eine familiäre Vorbelastung können das Risiko erhöhen, an Lupus zu erkranken.
„Typisch für die Erkrankung ist ein starkes Krankheitsgefühl mit Fieber. Dieses kann in den heißen Sommertagen verstärkt auftreten. Dann kommt es manchmal auch zu Hautrötungen bis hin zu wunden Stellen an sonnenexponierter Haut. Typisch sind Hautrötungen an den Wangen, die wie Schmetterlingsflügel aussehen. Die Mundwinkel und das Kinn sind dabei ausgespart. Im Volksmund heißt der Lupus deshalb auch „Schmetterlingskrankheit“, so Dr. Rottländer.
Da die Beschwerden häufig unspezifisch sind und einem grippalen Infekt gleichen, ist die Erkrankung anfangs häufig schwer zu diagnostizieren. Bei wiederholt auftretenden Beschwerden mit Fieber und einem starken Krankheitsgefühl können für den Lupus typische Laborwerte bestimmt werden.
Wie wird Lupus behandelt?
Eine Heilung für Lupus gibt es bisher leider nicht, aber die Krankheit ist behandelbar. Ziel der Therapie ist es, die Symptome zu lindern, Schübe zu vermeiden und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Die Behandlung im Klinikum Stuttgart erfolgt individuell und in enger Abstimmung mit dem Patienten, da Lupus bei jedem Patienten anders verlaufen kann. In der Regel kommen entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz, wie zum Beispiel Kortikosteroide im Falle einer akut-entzündlichen Krankheitsaktivität, aber hauptsächlich immunmodulierende Basistherapeutika, die das überaktive Immunsystem bremsen.
Zudem spielt die Lebensführung eine wichtige Rolle. Eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung mit einer guten körperlichen Fitness sowie der Verzicht auf Rauchen können helfen, die Krankheit günstig zu beeinflussen.
Lupus im Klinikum Stuttgart: Ein wachsender Fachbereich
Der Fachbereich Rheumatologie im Klinikum Stuttgart, der derzeit noch stationären rheumatologischen Patienten vorbehalten ist, ist in die Klinik für Nieren-, Hochdruck- und Autoimmunerkrankungen im Klinikum Stuttgart eingegliedert. Patienten profitieren von einer umfassenden Diagnostik und Therapie. Besonders hervorzuheben ist das interdisziplinäre Behandlungsteam, das aus erfahrenen Rheumatologen, Pflegekräften, Physiotherapeuten und Ernährungsberatern besteht.
Aber auch andere Fachbereiche wie die Augenklinik, Neurologie, Dermatologie, Orthopädie oder Kinder Rheumatologie können unkompliziert hinzugezogen werden. „Das alle Fachdisziplinen zur erfolgreichen Behandlung von Lupus unter einem Dach vertreten sind ist ein großer Vorteil“, so Dr. Rottländer. „Dadurch wird eine ganzheitliche Betreuung sichergestellt, die den Patienten nicht nur medizinisch, sondern auch in psychosozialer Hinsicht unterstützt.“
Im Klinikum Stuttgart wird besonderer Wert auf eine frühe Diagnose gelegt. Mithilfe moderner Diagnosetechniken und einem engen Austausch zwischen den verschiedenen Fachabteilungen können die Ärzte den Lupus frühzeitig erkennen und individuell angepasste Behandlungspläne erstellen. Dies ist wichtig, um mögliche Organschäden zu vermeiden und die Lebensqualität der Patienten langfristig zu erhalten. Darüber hinaus werden Patienten im Klinikum Stuttgart kontinuierlich über den aktuellen Stand der Forschung informiert und können von innovativen Therapien profitieren.
Die Betreuung ambulanter Patienten in der Rheumatologie im Klinikum Stuttgart ist derzeit nur eingeschränkt und zum größten Teil Patienten nach stationärem Aufenthalt vorbehalten. In dringenden Notfällen kann sich die betreuende Hausärztin/der betreuende Hausarzt jedoch an das Sekretariat der Rheumatologie wenden.
Weitere Informationen finden Interessierte und Betroffene auf der Webseite des Klinikum Stuttgart.


