Im Porsche-Werk Zuffenhausen gilt bald die 34-Stunden-Woche, damit sollen Mehrbelastungen ausgeglichen werden. Die Ingenieure in Weissach sollen dagegen 40 Stunden arbeiten.
Stuttgart - Porsche verkürzt die wöchentliche Arbeitszeit im Stammwerk Zuffenhausen auf 34 Stunden. Im Entwicklungszentrum in Weissach können dagegen künftig mehr Ingenieure als im Tarifvertrag vereinbart 40 Stunden in der Woche arbeiten. Dies sind zwei Kernpunkte eines umfangreichen Pakets von Vereinbarungen zur Flexibilisierung der Arbeitszeit, auf die sich der Vorstand und der Gesamtbetriebsrat nach einjährigen Verhandlungen geeinigt haben. Die Regelungen gelten nicht für den Standort Leipzig, der einen eigenen Haustarifvertrag hat.
Mit den neuen Vereinbarungen mache sich Porsche fit für den Arbeitsmarkt der Zukunft, sagte Vorstandschef Matthias Müller. Der Porsche-Chef wies auf den demografischen Wandel hin, durch den es zunehmend schwieriger werde, talentierte und engagierte Fachkräfte zu finden. Porsche sichere nun seine Wettbewerbsfähigkeit und bleibe ein attraktiver Arbeitgeber, sagte Müller.
Betriebsratschef Uwe Hück sagte, dass die Produktivität gesteigert werden müsse, damit das Stammwerk den Zuschlag für die Fertigung zusätzlicher Modelle erhalte. Durch die immer weiter steigende Produktivität entstehe jedoch ein erheblicher Druck auf die Mitarbeiter.
Ausgleich für gestiegene Belastungen
Auch weiterhin soll die Produktivität nach Angaben von Personalvorstand Thomas Edig um jährlich mindestens sechs Prozent gesteigert werden. Mit der gleichen Mannschaft kann also immer mehr produziert werden. Als Ausgleich für die gestiegenen Belastungen soll die Arbeitszeit in der Produktion bis Mitte nächsten Jahres schrittweise auf 34 Stunden verringert werden. Die Mitarbeiter arbeiten dann für das gleiche Geld eine Stunde weniger. Auf der Betriebsversammlung in Zuffenhausen habe es dafür „intergalaktischen Applaus gegeben“, berichtete Hück. Diese Verkürzung der Arbeitszeit gilt nach Angaben Hücks für 3300 Mitarbeiter.
Personalvorstand Edig wies darauf hin, dass im Entwicklungsbereich deutlich mehr Mitarbeiter, die 40 Stunden in der Woche arbeiten, benötigt würden als im Tarifvertrag vereinbart. Sonst ließen sich viele Projekte nicht verwirklichen. Nach dem Tarifvertrag dürfen höchstens 18 Prozent der Mitarbeiter 40 statt die generell geltenden 35 Stunden arbeiten. Gerade junge Ingenieure, so Edig, bevorzugten die 40 Stunden, weil sie damit auch ein höheres Einkommen erhalten. Künftig können bis zu 90 Prozent der Mitarbeiter im Entwicklungsbereich 40 Stunden in der Woche arbeiten. Für den Verwaltungsbereich gilt eine Höchstgrenze von 30 Prozent.
Vereinbarkeit von Beruf und Familie soll verbessert werden
Mehr Flexibilität haben Mitarbeiter künftig, wenn sie eine Zeit lang die Arbeitszeit zurückfahren wollen, weil sie sich weiterbilden, sich um die Kinder kümmern oder ein Familienmitglied pflegen. In diesen Fällen kann für höchstens zwei Jahre eine Arbeitszeit zwischen 20 und 35 Stunden in der Woche vereinbart oder auch eine Auszeit genommen werden. Vorstand und Betriebsrat haben vereinbart, dass zunächst bis zu 2,5 Prozent der Belegschaft solche Möglichkeiten nutzen können. „Immer häufiger sind beide Elternteile berufstätig. Darauf muss man als Arbeitgeber reagieren und stärker unterstützen“, erläuterte Personalvorstand Edig. Um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern, will das Unternehmen in Zuffenhausen und Weissach auch Kitaplätze bereitstellen.
Der Vorstand hat mit dem Betriebsrat zudem vereinbart, dass bei der Zeitarbeit der Grundsatz gleiches Geld für gleiche Arbeit gilt. Leiharbeiter sollen gleich bezahlt werden wie die Stammbelegschaft. Zudem dürfen höchstens acht Prozent der Mitarbeiter Leiharbeiter sein oder einen befristeten Vertrag haben. Leiharbeiter in der Produktion werden nach fünf Monaten übernommen, wenn es einen weiteren Bedarf gibt. Im Entwicklungsbereich können sie bis zu 48 Monate beschäftigt werden.