Automatisiertes Fahren in Waiblingen Fahrerloser Bus pendelt zwischen zwei Stopps
Von kommenden Montag an können Fahrgäste in Waiblingen den ersten autonom fahrenden Bus im Landkreis testen. Bis zu sechs Passagiere passen in das Minifahrzeug.
Von kommenden Montag an können Fahrgäste in Waiblingen den ersten autonom fahrenden Bus im Landkreis testen. Bis zu sechs Passagiere passen in das Minifahrzeug.
In Rudersberg wieselt seit vielen Jahren das Wiesel, in Waiblingen krabbelt von Montag der kommenden Woche an die Ameise, und zwar mit durchschnittlich rund 16 Stundenkilometern: Am 1. August geht der elektrisch betriebene Kleinbus, der seine Passagiere irgendwann in der Zukunft ohne einen Fahrer von A nach B bringen soll, offiziell in Betrieb. Eine Fahrzeug- und Straßenzulassung für das Forschungsprojekt im öffentlichen Raum liegen vor, allerdings darf der Minibus mit Platz für bis zu sechs Fahrgäste bis auf Weiteres nur fahren, wenn auch einer der dafür geschulten Operatoren an Bord ist, der im Bedarfsfall die Steuerung übernehmen kann.
Bislang hat das Waiblinger Busunternehmen Ruoff vier seiner Busfahrer zu Operatoren ausbilden lassen. Sie überwachen den Bus auf seiner zunächst rund zwei Kilometer langen Teststrecke mit insgesamt zwei Haltestellen, an denen Fahrgäste zu- und aussteigen können. Eine befindet sich unweit des Waiblinger Bahnhofs auf dem Gelände der früheren Ziegelei Hess, den nächsten Stopp legt die Ameise, die ihren Namen wegen ihres Einsatzgebiets, dem Gewerbegebiet Ameisenbühl, trägt, am Berufsbildungswerk Waiblingen in der Steinbeisstraße ein.
Der Bus fährt mit etwa 16 Stundenkilometern. Vor Zebrastreifen, an Kreuzungen und an Stellen, wo die Straße wegen Gegenverkehr oder parkender Fahrzeuge verengt ist, stoppt der elektrisch betriebene Kleinbus und überprüft eigenständig die Lage, bevor er vorsichtig im Schritttempo weiterfährt. Der Operator verfolgt das Prozedere genau.
Wohin sie fahren muss, weiß die Ameise dank einprogrammierter virtueller Schienen, sogenannter Trajektorien. Zur weiteren Orientierung dienen ausgewählte Punkte im Umfeld, beispielsweise Straßenschilder, deren Geokoordinaten mit einer Präzision von unter einem Zentimeter auf der digitalen Karte des Fahrzeuges abgespeichert sind. Ihr Umfeld erkennt die Ameise dank Sensortechnik, Radarmessung und Kameras. Damit die Anonymität gewährleistet ist, werden ausschließlich Hüllkonturen erfasst, mit denen die Ameise Fußgänger und Radfahrer unterscheiden kann – identifiziert werden können diese nicht. Darüber hinaus erhält der Bus Informationen von Sendern, Straßenschildern und Ampeln in der Nähe, etwa im Hinblick auf den Verkehrsfluss oder Hindernisse auf dem Fahrweg.
Fahrplan
Von 1. August an dürfen Fahrgäste die Ameise montags und dienstags nutzen. Sie fährt ungefähr alle 45 Minuten, erste Abfahrt an der Haltestelle Ameisenbühl beim Bahnhof ist um 7.09 Uhr, Ankunft am Berufsbildungswerk ist um 7.21 Uhr. Der letzte Minibus fährt um 17.54 Uhr ab Ameisenbühl und erreicht das Berufsbildungswerk Waiblingen um 18.06 Uhr. Nutzerinnen und Nutzer können demnächst ein Feedback auf der Projekthomepage geben.
Idee
Das Projekt „Ameise“ wird vom Landesverkehrsministerium und dem Verband Region Stuttgart gefördert. Langfristig könnte das Fahrzeug als „Bus on demand“ unterwegs sein, den der Fahrgast individuell zeit- und punktgenau bestellen kann.