Automatisierung im Reinigungs- und Servicebereich Mit Robotern gegen den Fachkräftemangel
Die Kornwestheimer Firma Offterdinger und Sailer vertreibt auch Roboter, die im Reinigungs- und Servicebereich zum Einsatz kommen.
Die Kornwestheimer Firma Offterdinger und Sailer vertreibt auch Roboter, die im Reinigungs- und Servicebereich zum Einsatz kommen.
Nur wenige Tasten muss Experte Robin Mayer-Walcher drücken. Dann zieht die Maschine im Foyer leise ihre Bahnen. Mit seinen blauen Leuchten macht das Gerät blickend auf sich aufmerksam. Seit rund einem Jahr widmet sich die in Kornwestheim ansässige Firma Offterdinger und Sailer einem Wachstumsmarkt: Sie vertreiben und betreuen Roboter, die dem Fachkräftemangel entgegenwirken sollen.
In Asien sind die automatisierten Helfer längst ein gewohntes Bild. Dort werden die mobilen Roboter wie selbstverständlich im Alltag integriert. In Deutschland überwiegt momentan noch die Skepsis, hat Mayer-Walcher, der Robotics-Fachmann bei Offterdinger und Sailer, festgestellt. Sein Arbeitgeber hat neuerdings Reinigungs- und Serviceroboter im Repertoire. Sie saugen und wischen Bodenflächen oder transportieren Geschirr und Essenstabletts zwischen Küche und Gastraum. Vor allem in der Pflege, also in Kliniken und Heimen, sieht der Experte hohen Bedarf an Entlastung des Personals wird. Trotzdem seien viele Firmen noch nicht bereit, in die Roboter zu investieren, die je nach Modell 20 000 bis 40 000 Euro kosten.
Ein Grund für die überwiegend ablehnende Haltung in Deutschland ist der Verdacht, dass die elektronischen Helfer menschliche Arbeitsplätze ersetzen sollen. Das ist jedoch nicht die Intention. Das betont unter anderem Sascha Bickert, der bei der Firma den regionalen Vertrieb leitet. „Wir sehen die Robotik als Chance, um dem Fachkräftemangel gegenzusteuern“, sagt er. Die Maschinen könnten dabei helfen, dem Pflege- und Servicepersonal monotone, oft körperlich anstrengende Arbeiten abzunehmen. So können die Fachkräfte mehr Zeit und Energie auf ihre übrigen Aufgaben verwenden. So können die Reinigungsroboter etwa in einem Senioren- oder Pflegeheim große Bodenflächen wie den Eingangsbereich, Flure und Gemeinschaftsräume saugen und wischen. Mayer-Walcher testet die Geräte mit den Kunden an Ort und Stelle vorab und erstellt ein Reinigungskonzept. Er weiß, dass die Maschinen, wenn sie einmal im Einsatz sind, von den meisten positiv angenommen werden. „Manche Bewohner begrüßen sie sogar, wenn sie ihnen begegnen“, sagt er.
In einigen Branchen, zum Beispiel in der Automobilindustrie, werden Roboter schon jetzt in Deutschland verstärkt eingesetzt. Bei Offterdinger und Sailer ist man sich sicher: Auch in der Gebäudereinigung, in der Gastronomie und Hotellerie werden sich die komplexen Maschinen ihren Platz erobern. Vor etwa zwei Jahren hat das Unternehmen deshalb den Einstieg in diesen Bereich gewagt. Seit einem Jahr ist es im aktiven Geschäft – und dabei, Überzeugungsarbeit zu leisten. Unter anderem stellt der Großhändler auf Fachmessen die Maschinen vor. Von kleinen Modellen bis hin zu großen Industrierobotern ist die Spannbreite gewachsen. Offterdinger und Sailer vertreiben diverse Geräte dreier Hersteller, mit denen ein enger Austausch stattfindet, um Wünsche und Fragen von Kunden weiterzugeben. Mayer-Walcher und seine Kollegen beraten die Kunden, welche Maschinen im jeweiligen Anwendungsbereich am besten geeignet sind. Unter anderem spielen der Bodenbelag, die Flächengrößen und spezielle Anforderungen eine Rolle. Ein Patentrezept gibt es nicht. Für jeden Kunden wird ein eigenes Konzept erarbeitet, betont der Robotikexperte. Er erstellt mit ihnen Raum- und Zeitpläne, damit die Maschinen wissen, wann und wie sie ihre Arbeit verrichten sollen.
Neben der Entlastung des Personals haben die komplexen Reinigungsroboter einen weiteren Vorteil: Sie säubern in der Regel gründlicher als der Mensch – und das mit weniger Wasser und Reinigungsmitteln. „Der Boden ist nicht nur viel sauberer, sondern auch sofort wieder trocken“, sagt Niederlassungsleiter Jürgen Brandt.
Niederlassung
Seit 2013 ist die Firma Offterdinger und Sailer in Kornwestheim ansässig. Dort werden 103 Mitarbeiter beschäftigt. Angesiedelt sind auf dem 16 000 Quadratmeter großen Gelände an der Heinkelstraße die Bereiche Vertrieb, Lager, Logistik, Einkauf, Verwaltung und IT.
Geschäftsfeld
Das Unternehmen ist im Bereich Großhandel tätig. Es gibt vier Kernkompetenzen: Industrie, Gebäudereinigung, Hotellerie/Gastronomie und medizinischer Bedarf. Das Spektrum der angebotenen Produkte ist groß. Nach eigenen Angaben führt die Firma mehr als 100 000 Artikel.