Automesse Elektromobilität auf Erfolgsspur in China

Von Finn Mayer-Kuckuk 

Der Markt für Elektroautos wächst in China sehr schnell. Über eine halbe Million Batteriefahrzeuge wurden 2016 dort verkauft – 50 Prozent mehr als 2015. Die deutschen Autobauer wollen an dem Erfolg teilhaben.

Auf der Automesse wirft China den E-Motor an. Foto: dpa-tmn
Auf der Automesse wirft China den E-Motor an. Foto: dpa-tmn

Shanghai - In diesem Jahr sollen 800 000 Elektroautos in China verkauft werden, 2018 bereits deutlich über eine Million. Der Trend wird sich den Regierungsplänen zufolge fortsetzen, bis eine Mehrheit der verkauften Autos keine Abgase mehr ausstoßen. „Während die Herstellungskosten sinken, wird die Beliebtheit steigen“, sagt Xu Yanhua, Vizechef der China Association of Automobile Manufacturers (CAAM). Am Freitag beginnt in Shanghai die wichtigste Fahrzeugmesse des Landes.

Grund genug für die deutschen Anbieter, am Ball zu bleiben. Bisher hinken sie deutlich hinterher. Doch eine ganze Reihe von neuen Verordnungen zwingen die Branche, China zum Zentrum der Entwicklung neuer Antriebsformen zu machen. Volkswagen will dazu im kommenden Jahr erstmals ein reines Elektroauto in dem asiatischen Land anbieten. Kooperationspartner für das Projekt ist der örtliche Anbieter Jianghui. „Es handelt sich dabei um eine neue Zusammenarbeit speziell für Elektroautos“, sagt Jochem Heizmann, Vorstandsmitglied und China-Chef des Konzerns.

China ist fest entschlossen, dem Elektroauto einen Schub zu geben

Andere Anbieter sind da bereits weiter. BMW bietet seine Elektro-Serie, vor allem den i3, in China an. Daimler stellt mit dem lokalen Partner BYD das Elektroauto Denza her. Alle Anbieter zeigen auf der Automesse neue Ideen für rein elektrische Modelle. Auch wenn der Absatz nur schleppend anläuft, dürfte sich die Mühe schon bald lohnen: Die kommunistische Regierung ist fest entschlossen, dem Elektroauto einen Schub zu geben.

Vertretern der deutschen Autobranche gehen die Regierungsplänen zur Förderung von Elektro- und Hybridfahrzeugen sogar zu weit. Sigmar Gabriel sprach in seiner Zeit als Wirtschaftsminister gar von „Diskriminierung“ der deutschen Anbieter angesichts eines Plans, eine Mindestquote von mehreren Prozent Elektroautos vorzuschreiben. Die Städte versinken weiterhin im Smog, während Abnehmer für den Überschuss an alternativer Energie wie Sonne und Wind fehlen – Batterieautos sind dafür bestens geeignet.

Das Industrieministerium in Peking hat zur weiteren Absatzförderung einen typisch chinesischen Ansatz mit einer Mischung aus planerischen und marktwirtschaftlichen Elementen gewählt. Wer die Quote nicht erfüllt, kann sie von anderen Herstellern einkaufen. In der Praxis könnte dies beispielsweise darauf hinauslaufen, dass Volkswagen E-Auto-Punkte vom chinesischen Konkurrenten BYD kaufen muss, der mehrere rein elektrische Produktlinien im Markt hat. Auf der Automesse war auch erstmals der neue Stadtgeländewagen der jungen Firma NextEV/Nio zu sehen. Gründer William Li will damit Tesla, die BMW i-Linie und andere Premiummitglieder angreifen.

Die Deutschen haben eine wichtige Entwicklung verpasst

Zu den „Fahrzeugen mit neuer Antriebsform“ gehören in China reine Elektroautos, Steckdosen-Hybride und konventionelle Hybridautos, die ihre Batterien über den Benzinmotor laden. Der Gesetzentwurf bevorzugt damit nicht nur die einheimischen Hersteller, sondern auch die japanischen Konkurrenten wie Toyota. Diese sind nicht nur in der Batterietechnik sehr weit, wie haben auch besonders viel Erfahrung mit Hybridtechnik.

Aus deutschen Umweltschutzkreisen in Peking ist die Ansicht zu hören, dass die radikale Absatzförderung über Pflichtquoten das richtige Instrument sei, um den Markt in Schwung zu bringen. Es sei das Problem der deutschen Autohersteller, zu lange an teuren Autos mit Verbrennungsmotor festgehalten zu haben. In Kalifornien gelte zudem bereits ein ähnliches Punktesystem zur Förderung von Niedrigemissionsautos – hier zeichne sich eine Entwicklung ab, die die Deutschen verpasst haben.

Deutsche Industrievertreter beklagen indessen, dass die chinesische Verwaltung sie nicht in die Formulierung der Pläne eingebunden hat – daher auch der Hilferuf an die deutsche Politik. Nachdem die deutsche Autowirtschaft in China Hunderttausende von Arbeitsplätzen geschaffen habe, stehe ihr ein Mitspracherecht zu. Schließlich gehörten Modelle deutscher Marken zu den beliebtesten Autos in China.