„Jetzt macht mal ordentlich Lärm, dass euch die Geschäftsführung auch hört!“, ruft Selcuk Yüksel von der IG Metall – seine Stimme wird verstärkt durch ein Megafon. Die versammelten Angestellten des Automobilzulieferers Brose kommen seiner Aufforderung nach und machen ihrem Ärger lautstark Luft.
Nach intensiven Verhandlungen und „dem enttäuschenden Verlauf“ der letzten Verhandlungsrunde am 8. April, hat die IG Metall Stuttgart die Brose-Beschäftigten am Freitag zu einem Warnstreik aufgerufen. Mehrere Beschäftigte in der Nacht- und Frühschicht legten für zwei Stunden ihre Arbeit nieder.
Das Entgelt liegt rund zehnt Prozent unter dem Tarifvertrag
Es ist noch gar nicht so lange her, dass man sich in der Max-Brose-Straße des Gewerbeparks Sol an genau der gleichen Stelle zum letzten Streik versammelt hat. Damals ging es vor allem um die Aufnahme in den Tarifvertrag der IG Metall – schlussendlich einigte man sich auf einen Haustarifvertrag. Seit ein paar Monaten setzen sich die Beschäftigten am Standort Weil im Schönbuch nun aber verstärkt für eine Anpassung ihres Haustarifvertrags ein, da das derzeitige Entgelt noch immer etwa zehn Prozent unter dem Flächentarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie liegt.
Verhandlungen bisher ohne Fortschritt
Vier Verhandlungsrunden gab es inzwischen, sagt Yüksel, der die Verhandlung führt, und bisher sei man kein Stück weitergekommen. Das Management habe zwar ein vages Statement abgegeben, aber kein konkretes und akzeptables Angebot vorgelegt, das die Forderungen nach fairer Entlohnung und besseren Arbeitsbedingungen erfüllt. Yüksel spricht im Gegenteil eher von einem „Negativangebot“, offenbar sei sogar eine Kürzung des Urlaubs- und Weihnachtsgeld im Gespräch gewesen.
Andernorts in Deutschland, etwa an den fränkischen Standorten des Unternehmens, steht ein solcher Schritt laut Medienberichten offenbar bereits zur Debatte. Dem Bamberger „Fränkischen Tag“ zufolge will der Konzernchef Michael Stoschek das Urlaubs- und Weihnachtsgeld streichen; es gebe hinter den Kulissen dazu bereits konkrete Verhandlungen, schreibt das Blatt. Weltweit streicht Brose gerade 1100 Stellen – in Deutschland sollen rund 700 Arbeitsplätze wegfallen. Wie Geschäftsführer Stefan Krug gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ erklärte, seien dafür neben stagnierenden Umsätzen auch frühere Managementfehler verantwortlich.
Forderung: Ein konkretes und akzeptables Angebot
Zurück nach Weil im Schönbuch. Hier setzt sich die IG Metall im Namen der Beschäftigten für die Anerkennung der Tarifverträge der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg ein. Gleichzeitig betont sie, dass im aktuellen Angebot des Unternehmens zentrale tarifliche Regelungen fehlen – darunter Sonderzahlungen, die in Freizeit umgewandelt werden können.
„Wir fordern das Unternehmen auf, endlich ein konkretes und akzeptables Angebot vorzulegen, das die berechtigten Anliegen der Beschäftigten berücksichtigt“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Vehbi Istrefi. Um ihre Forderungen zu untermauern, organisierten die Beschäftigten nun einen Warnstreik. Dieser solle ihre Entschlossenheit verdeutlichen, sagt Yüksel, und den Druck auf die Verhandlungen erhöhen.
Nächste Verhandlungsrunde steht an
Ob die Aktion zum Erfolg führt, wird sich am kommenden Montag zeigen, dann werden die Gespräche fortgesetzt. Yüksel jedenfalls zeigt sich entschlossen: „Der Arbeitgeber muss in der nächsten Verhandlungsrunde ein echtes Angebot vorlegen, ansonsten werden wir den Druck weiter erhöhen.“ Dass die Beschäftigten bereit seien, für ihre Interessen einzustehen, würde der Warnstreik deutlich zeigen.
Brose gehört zu den größten Automobilzulieferern in Familienbesitz und ist weltweit an über 60 Standorten tätig. Das Unternehmen mit Sitz in Coburg entwickelt und fertig mechatronische Komponenten für Fahrzeugtüren, –sitze und die Karosserie.
Das Brose Werk in Weil im Schönbuch ist seit 2006 in Betrieb. Dort werden von den rund 170 Mitarbeitern unter anderem Türsysteme für das Mercedes-Werk in Sindelfingen gefertigt.