Autor aus Waldenbuch Ein digitales Gedächtnis für Stadtgeschichte

Von Claudia Barner 

Das Bewahren von Erinnerungen ist Wolfgang Härtels Ziel. Nun hat der Hobby-Historiker aus Waldenbuch ein neues Projekt rund um Firmengeschichten gestartet. Der Anlass war ein außergewöhnliches Zusammentreffen...

Der Hobby-Historiker Wolfgang Härtel hat zur Firmengeschichte der Glaserei Burkhardt und des ehemaligen Sägewerks Baumann geforscht. Foto: Claudia Barner
Der Hobby-Historiker Wolfgang Härtel hat zur Firmengeschichte der Glaserei Burkhardt und des ehemaligen Sägewerks Baumann geforscht. Foto: Claudia Barner

Waldenbuch - Er hat wieder Witterung aufgenommen. Mit seinem ausgeprägten Spürsinn für Waldenbucher Geschichte und Geschichten hat der Hobby-Historiker Wolfgang Härtel schon so manches verschollene Dokument ausgegraben. Er hat alte Fotos gesammelt, sie digitalisiert und Zeitzeugen zum Erzählen gebracht. Auch sein neuestes Projekt dient dem Bewahren von Erinnerungen und gibt Einblicke in ein Stück Stadtgeschichte. Der 72-Jährige zeichnet die Geschichte von Waldenbucher Unternehmen und Handwerksbetrieben auf.

Manchmal genügt ein kleiner Impuls, damit etwas Großes in Gang kommt. Als Wolfgang Härtel den Waldenbucher Glasermeister Paul Burkhardt um Informationen zu einem alten Foto bat, ahnte er nicht, dass sich aus der Begegnung ein fortgesetzter Dialog entwickeln sollte. Denn der 89-jährige Seniorchef des Handwerkbetriebs kam ins Erzählen. Er berichtete von seinem Urgroßvater, der die Glaserei um 1840 gegründet hatte, tauchte ein in die Familien- und Firmengeschichte während der beiden Weltkriege und schlug den Bogen zu den Herausforderungen für die junge Generation.

Gemeinsames Blättern in der Familienbibel

„Das war so spannend, dass ich beschlossen habe, die Erinnerungen aufzuzeichnen“, berichtet Wolfgang Härtel. Ein halbes Jahr lang haben sich der Unternehmer und sein Zuhörer getroffen. Beim Blättern in der alten Familienbibel aus dem Jahr 1897 stießen sie auf Informationen über das Schicksal der Vorfahren, die im Ersten Weltkrieg gefallen waren. Sie trugen Dokumente wie das Wanderbuch des Urgroßvaters oder den Meisterbrief des Vaters zusammen und zeichneten die Entwicklung der Werkstatt nach.

„Am Beispiel des Betriebs und der Familie treten historische Ereignisse in einen Zusammenhang“, sagt Härtel. Der Chronist hat die Erinnerungen miteinander verknüpft, um aktuelle Fotos und Informationen ergänzt und das Ergebnis auf seiner Internetseite „Alt-Waldenbuch“ der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Eine ausführlichere und mit persönlichen Details angereicherte Version der Unternehmensgeschichte hat er für die Familie in einem Fotobuch festgehalten.

Mit den Veröffentlichungen auf seiner Homepage hat Wolfgang Härtel mittlerweile einen festen Platz im digitalen Gedächtnis der Stadt. Inzwischen finden sich dort auch Erinnerungen an ein Unternehmen, das das optische Erscheinungsbild von Waldenbuch lange geprägt hat: das Sägewerk Baumann. „Fragt man heute nach dem Betrieb, erntet man meist unverständliches Schulterzucken“, sagt der Autor. Erst beim Hinweis auf den Firmensitz auf dem Auch-Areal fällt der Groschen, und es wird – zumindest bei älteren Waldenbuchern – die Erinnerung an den 20 Meter hohen Schornstein des Betriebs und das Geräusch der Gattersäge wach.

Wechselvolle Episoden rund um die Unternehmerfamilie

Ute Bierbach kann dazu noch mehr erzählen. Wolfgang Härtel hat die Urenkelin von Ernst Baumann in Kirchheim/Teck besucht und mit ihr der Firmengeschichte nachgespürt. „Ernst Baumann hat den Betrieb 1908 von den Gebrüdern Stroh erworben. Im Gegensatz zu den 13 Mühlen, die es damals in Waldenbuch gab, war dieses Sägewerk das einzige, das keine Wasserkonzession besaß und die elektrische Energie mit einer Dampfmaschine erzeugen musste“, hat Härtel festgehalten.

Wie Amalie Baumann gemeinsam mit den Söhnen nach dem frühen Tod ihres Mannes im Jahr 1928 das Sägewerk zu halten versuchte und später dann doch an den Lebensmittelhändler Erwin Bauer verpachten musste, gehört mit zu den wechselvollen Episoden rund um die Unternehmerfamilie. Begleitet wird auch diese Geschichte von historischen Bildern, wie etwa von der Sprengung des Kamins, der 1935 dem Bau der alten B 27 weichen musste. 1966 wurde das Grundstück an den Waldenbucher Flaschner Heinrich Auch verkauft. Heute befindet sich dort ein öffentlicher Parkplatz.




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