Autor Markus Hengstschläger in Fellbach Genetik-Comedy und ein statistisch toter Hirsch

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Mit dem Auftritt von Bestseller-Autor Markus Hengstschläger trifft die Volksbank am Württemberg den Nerv des Publikums. Am Mittwochabend hat er im Hölderlinsaal der Fellbacher Schwabenlandhalle 900 treue Kunden der Volksbank am Württemberg in Bann gezogen.

Markus Hengstschläger ist ein begnadeter Redner. Foto: FZ
Markus Hengstschläger ist ein begnadeter Redner. Foto: FZ

Fellbach - Ob Markus Hengstschläger ein begnadeter Wissenschaftler ist, lässt sich aus lokalem Blickwinkel nur schwer beurteilen. Immerhin promovierte er bereits mit 24 Lenzen mit Auszeichnung zum Doktor der Genetik – das schüttelt man nicht eben mal so aus dem Ärmel. Und im zarten Alter von 35 Jahren werden auch die wenigsten Zeitgenossen zum Professor einer Universität berufen. Seine Karriere also kann sich durchaus sehen lassen – zumal der Österreicher neben Forschung und Lehre auch noch einen Bestseller nach dem anderen aus der Tastatur haut.

Markus Hengstschläger begeistert gleich an zwei Abenden

Ein begnadeter Redner ist der Professor aber ohne jeden Zweifel. Mit dem Charme einer ganzen Alpenrepublik hat er am Mittwochabend im Hölderlinsaal der Fellbacher Schwabenlandhalle 900 treue Kunden der Volksbank am Württemberg in Bann gezogen. Am Donnerstag gab es am selben Ort eine Zweitauflage des Vortrags für 800 weitere Mitglieder der aus Fellbach und Untertürkheim fusionierten Lokalbank. Und die waren – das lässt sich ohne Übertreibung sagen – restlos begeistert vom fulminanten Auftritt des 49-Jährigen.

Hengstschläger redet frei, zeitweise ohne Punkt und Komma und schafft es, hochkomplizierte Fragen auf einen beneidenswert einfachen Nenner zu bringen. Wirtschaft, Gesellschaft, Bildungspolitik und Globalisierungsfragen – es ist ein Parforceritt durch die Themen der Zeit. Das Mikro wie ein gelernter Entertainer locker in der Hand macht der Biologe sein Fachgebiet jedem im Saal verständlich, streut hier ein Witzchen und da eine Anekdote ein, erzählt als Vater von zwei Kindern vom Mobilfunk-Verhalten der Tochter und bringt den Saal mit Kalauern über gebotene Vorsicht bei statistischen Auswertungen („Schießt ein Jäger einmal links und einmal rechts am Hirsch vorbei ist das Tier statistisch gesehen tot“) herzhaft zum Lachen. Hier hat einer nicht nur das Talent zur wissenschaftlichen Akribie, sondern trifft den publikumsnahen Ton. Die Volksbank-Kunden jedenfalls sind fasziniert von der gelungenen Mischung aus Wissenschaftskabarett und einer Art „Genetik-Comedy“.

Kreative Köpfe müssen gefördert werden, um in ihrem Job herausragende Arbeit leisten zu können

Dabei ist die Botschaft, die Markus Hengstschläger zu erzählen hat, inhaltlich vergleichsweise überschaubar: Ohne Öl oder Arbeit auf Billiglohnniveau ist Europa letztlich auf gute Ideen angewiesen, lautet der erste Kernsatz. Kreative Köpfe freilich müssen gefördert werden, um in ihrem Job auch wirklich herausragende Arbeit leisten zu können, heißt die zweite Basisthese. Das bringt Hengstschläger auf den nicht neuen, aber deshalb ja nicht falschen Gedanken, dass bei Leistungsträgern der Zukunft viel mehr auf den Ausbau spezieller Stärken geachtet werden muss, als an Schwächen herumzudoktern. „Wenn ein Kind einen Einser und vier Vierer im Zeugnis hat, werden Eltern und Lehrer drängen, seine Leistungen in den Sorgenfächern zu verbessern – und weniger, sein besonderes Talent auszubauen. Das ist ein großer Fehler“ bringt es der Österreicher auf den Punkt. Was das für die Bildungspolitik heißen müsste, lässt der Autor dann allerdings ziemlich offen.




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