Autor Patrick Bauer bei „Stadtkind live“ Lesung im Familienkreis

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Vermutlich passiert es selten, dass eine Romanfigur persönlich zur Lesung erscheint. Die 73-jährige Mary-Anne aus Leonberg hat es sich aber nicht nehmen lassen, sich die Stadtkind-Lesung über ihre Lebensgeschichte anzuhören.

Patrick Bauer (rechts) hat im Gespräch mit StZ-Redakteur Ingmar Volkmann verraten, wie er bei seinen Recherchen in die  eigene Familiengeschichte eingetaucht ist. Foto: Lg/ Horst Rudel
Patrick Bauer (rechts) hat im Gespräch mit StZ-Redakteur Ingmar Volkmann verraten, wie er bei seinen Recherchen in die eigene Familiengeschichte eingetaucht ist. Foto: Lg/ Horst Rudel

Stuttgart - Vermutlich passiert es selten, dass eine Romanfigur persönlich zur Lesung erscheint. Die 73-jährige Mary-Anne aus Leonberg war wohl auch noch nie zuvor in der Bar White Noise in der Stuttgarter Innenstadt. Am Mittwoch hatte es sich die eingemeindete Schwäbin, die in Trinidad und Tobago geboren und aufgewachsen ist, jedoch nicht nehmen lassen, die Bar aufzusuchen und die Lesung über ihre Lebensgeschichte anzuhören.

Ihr Enkel Patrick Bauer, Autor beim „Süddeutsche Zeitung Magazin“ in München, hat die Liebesgeschichte seiner Großeltern als Vorlage für sein Romandebüt „Der Anfang am Ende der Welt“ verwendet. Der Protagonist Wilhelm flieht in den 1950ern vor der Tristesse im Nachkriegsdeutschland, seinen unzähligen Frauengeschichten und vor seiner einengenden Mutter in die Karibik und wird dort Kühlschrankvertreter für Bosch. Dort lernt er Louise kennen und lieben und nimmt sie 15 Jahre später mit nach Deutschland, nach Leonberg. Seine Oma Mary-Ann ist die Vorlage für die literarische Figur Louise.

Bauer: Die wahren Stellen kennt nur meine Oma

Im Rahmen der Reihe „Stadtkind live“ hat Patrick Bauer erstmals Auszüge aus seinem kürzlich erschienen Roman gelesen. Im Gespräch mit StZ-Redakteur Ingmar Volkmann verriet Bauer zudem, wie er während seiner Recherchen tief in die eigene Familiengeschichte eingetaucht ist. Im Buch ist dennoch aber vieles frei erfunden. „Einiges hätte ich mir aber wirklich nicht ausdenken könnten“, sagte Bauer vor ungefähr sechzig Zuhörern. „Die wahren Stellen kennt aber natürlich nur meine Oma.“

Und die hat dann für die Lesung gleich noch drei Fässchen Rum Punch und einen Bananenkuchen nach karibischem Rezept gespendet. Auch musikalisch blieb es familiär: Robin Bauer, in Stuttgart besser bekannt als DJ Reverend Reichsstadt, sorgte für die passende Schallplattenunterhaltung. Er ist der Onkel von Patrick Bauer und der Sohn von Mary-Anne.

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