Mit 70 Jahren ist das Leben noch lange nicht vorbei: Was jüngere von älteren Menschen lernen können, hat die Cannstatter Autorin Melanie Schölzke in einem Buch zusammengefasst.

Bad Cannstatt - Falten, chronische Krankheiten oder Einsamkeit sind nur einige Dinge, die viele Menschen am Alter fürchten. Das geht Melanie Schölzke nicht anders. Doch die 43-jährige Cannstatterin hat eine Mission: „Ich möchte die mittlere Generation befreien.“ Zu diesem Zweck hat sie ein Buch geschrieben. „Die Lebenskunst der Älteren – Was wir uns von ihnen abschauen können“, heißt der Erstling der Soziologin, die zurzeit ein berufsbegleitendes Gerontologie-Studiums abschließt.

 

Dieses Zweitstudium hat sie auch zu ihrem Buch inspiriert: „Das Studium ist wie eine Lebensschule. Und es ist sehr interessant, wie die Menschen auf das Thema Alter reagieren.“ Die Furcht davor – das hat sie in vielen Gesprächen und durch das Studium von Untersuchungen herausgefunden – ist eigentlich unbegründet: „Ältere haben im Wohlbefindensvergleich die Nase vorn. Trotz körperlicher Abbauprozesse legen Menschen in der zweiten Lebenshälfte zu.“ Am unzufriedensten seien Menschen im Alter zwischen 35 und 50 Jahre.

Ältere Menschen konzentrieren sich auf das Wesentliche

Die Zufriedenheit beruht nach den Worten von Schölzke im Wesentlichen darauf, dass sich ältere Menschen – auch und wegen der nachlassenden körperlichen Fitness – mehr aufs die wirklich wichtigen Dinge konzentrierten: „Viele Ältere reduzieren ihre sozialen Kontakte, um bewusst die unerquicklichen wegzulassen“, sagt die Autorin, die seit 15 Jahren in Bad Cannstatt lebt. Nicht zuletzt lassen die meisten Menschen erst im Alter zu, auch einmal unperfekt zu sein. Und das wiederum führe zu mehr Zufriedenheit im Alltag. „Es ist die Tiefe, die Zufriedenheit bringt, nicht die Breite“, sagt Schölzke.

Ein knappes Jahr hat sich Schölzke schwerpunktmäßig um ihr Buch gekümmert; seit vergangenem November ist es im Buchhandel. „Es war sehr intensiv, sich so lange und so tief mit einem Thema zu beschäftigen“, sagt die gebürtige Würzburgerin. Vor allem die Interviews, die sie mit Bekannten und Freunden zum Thema geführt hat, haben sie bewegt. Diese Erfahrungen, das Wissen aus ihrem Studium und das eigene Erleben bringt sie in ihrem ersten Buch zusammen: „Ich bin bei meinen Großeltern aufgewachsen und habe Schönes und weniger Schönes erlebt, das zum Altwerden dazu gehört.“

Mit 70 Jahren ist das Leben noch lange nicht vorbei

Schölzke ist aber sicher, dass sich das Älterwerden mit der Zeit verändert hat: „Während das Alter früher oft eine Art Wartezeit auf den Tod bedeutete, ist man heutzutage mit 70 Jahren noch nicht unbedingt alt.“ Auch mit 80 Jahren sei das Leben nicht vorbei: „Studien mit Hochaltrigen zeigen, dass die meisten noch Lust auf das Leben und Ziele haben“, sagt Schölzke.

Eine heile Welt will die Autorin trotzdem niemandem vorgaukeln, aber Schölzke gibt ein paar Tipps, mit denen sich das Leben auch in jüngeren Jahren entspannter angehen lässt. „Man muss sich eine Umwelt schaffen, in der man sich wohlfühlt.“ Dazu gehörten unter anderem Wohnung, Beruf und das soziale Umfeld.

Schölzke selbst ist auf einem guten Weg: Bald wird sie ihr zweites Studium abschließen und möchte ihren Beruf als Lektorin mit dem neuen Wissen verknüpfen und sich auf Gesundheitskommunikation spezialisieren. Und in ihrer Wohnung unweit des Cannstatter Kurparks fühlt sie sich rundum wohl: „Ich mag die ungezwungene, multikulturelle Atmosphäre und die gleichzeitige Nähe zu Stadt und Park.“