Immer breitere Autos verdrängen Radfahrer und Fußgänger und verhindern so ein faires Miteinander, kommentiert Autorin Chiara Sterk.

Digital Desk: Chiara Sterk (chi)

Immer größer, immer breiter – unsere Autos beanspruchen immer mehr Raum. In Stuttgart zeigt sich das längst nicht nur beim verzweifelten Suchen nach einem Parkplatz. Es geht um mehr als ein paar fehlende Zentimeter am Bordstein: Es geht um die Frage, wie viel Platz das Auto in einer Stadt noch bekommen darf – und wem dieser Platz dann fehlt.

 

Immer mehr Autos überragen die noch vor zehn Jahren mittlere Breite von 1,80 Metern – doch die Straßen wachsen nicht mit. Der Platz fehlt dort, wo ohnehin kaum welcher ist: auf Radwegen, Gehsteigen und in engen Stadtteilen. Die zusätzlichen zehn oder 20 Zentimeter verschwinden nicht einfach. Damit schränken die sich immer breiter machenden Autos die Bewegungsfreiheit anderer Verkehrsteilnehmender weiter ein.

Gleichzeitig will die Stadt Stuttgart mehr Menschen aufs Rad bringen – mit neuen Radwegen, Fahrradstraßen und einem Fokus auf nachhaltige Mobilität. Das klappt auch, wie städtische Messdaten zeigen. Doch viele dieser Wege verlaufen auf bestehenden Straßen, wo SUVs mit zwei Metern Breite Radfahrer regelrecht an den Rand drängen. Es wird eng – für alle, die sich den Raum teilen müssen.

Dabei stehen auch die Autohersteller in der Verantwortung. Sie können nicht glaubwürdig von Nachhaltigkeit sprechen und gleichzeitig Jahr für Jahr noch größere Autos auf den Markt bringen. Wer an einer zukunftsfähigen Mobilität interessiert ist, sollte beim Fahrzeugdesign nicht nur an PS und Prestige denken.

Autohersteller in der Pflicht – aber ebenso auch die Käufer

Denn die Lösung kann nicht sein, immer breitere Straßen zu bauen. Wer sich die Dauerbaustellen in den deutschen Städten anschaut, weiß: Das wäre ein Albtraum. Und schließlich ist der Platz dafür gerade in Innenstädten endlich. Es muss vielmehr darum gehen, den öffentlichen Raum gerechter zu verteilen. Und das bedeutet auch: die immer größer werdenden Straßenpanzer kritisch zu hinterfragen – auch ganz individuell beim nächsten Autokauf.