Regulierung für Plug-In-Hybride Lademuffel sollen bestraft werden

Von Markus Grabitz 

EU-Gesetzgebung
Plug-In-Hybride sind der Verkaufsschlager unter den alternativen Antrieben. Ihnen droht eine strengere Regulierung, wenn demnächst die Daten zum individuellen CO2-Ausstoß auslesbar sind.

Nur wer wirklich lädt soll in den Genuss der Privilegien kommen. Foto: factum/Weise/Andreas Weise/factum
Nur wer wirklich lädt soll in den Genuss der Privilegien kommen. Foto: factum/Weise/Andreas Weise/factum

Brüssel - Der Verkaufsschlager bei den alternativen Antrieben, Fahrzeuge mit Verbrenner- und per Kabel aufladbarem Elektro-Aggregat, könnten strenger vom EU-Gesetzgeber reguliert werden. Wer die sogenannten Plug-In-Hybrid-Autos, deren Kaufprämie im Zuge des Corona-Pakets noch aufgestockt wurde, künftig nicht an die Ladesäule anschließt und überwiegend im Verbrennermodus unterwegs ist, soll dafür bestraft werden.

Das fordern Grüne und Umweltverbände. Das SPD-geführte Bundesumweltministerium verweist an den EU-Gesetzgeber und fordert: „Der Anreiz, möglichst viel elektrisch zu fahren, muss höher werden.“ Cem Özdemir (Grüne), Chef des Verkehrsausschusses im Bundestag, sagte gegenüber unserer Zeitung: „Ein Plug-In-Hybrid, der nicht elektrisch unterwegs ist, ist ein schwerer fossiler Verbrenner, der Steuergeld geschenkt bekommt und dem Klima schadet.“ Özdemir nennt es „staatlich subventionierten Klimabetrug“, wenn weiter Autos gefördert werden, die „nur auf dem Papier einen Klimavorteil haben“. Die Bundesregierung müsse zeigen, dass sie aus dem Abgasskandal gelernt hat: „Förderung und Prämien für Plug-Ins darf es erst dann geben, wenn der Großteil der Fahrleistung elektrisch erbracht wird.“

Daten sind ab Januar erhältlich

Hintergrund der Forderungen ist: Ab Januar müssen alle Neuwagen mit einem geeichten Messgerät ausgestattet sein, das die Daten zum individuellen Kraftstoffverbrauchs des Fahrzeugs aufzeichnet und das sich beim TÜV auslesen lässt. Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums sagte: „Sollte sich herausstellen, dass Plug-In-Hybride in der Praxis deutlich weniger elektrisch bewegt werden als angenommen, dürften auf EU-Ebene Anpassungen in der Gesetzgebung folgen.“ Die EU-Kommission hat angekündigt, im Zuge des Green Deal die CO2-Gesetzgebung im Laufe des Jahres 2021 zu überprüfen, die zwischen 2020 und 2030 eine Absenkung des CO2-Ausstoßes bei Pkw um 37,5 Prozent vorsieht. Der EU-Umweltverband T+E spricht bei Plug-In-Hybrids, die nicht geladen werden von „Fake“-E-Autos“: „Diese Technologie hat keine Zukunft.“

Hersteller in Sorge

Autohersteller sind in Sorge, dass die EU mit weiteren Regulierungsschritten Plug-In-Hybrid-Fahrzeuge unattraktiver macht. Ismail Ertug (SPD), Fraktionsvize im Europa-Parlament, zeigt sich abwartend: „Es ist gut, dass wir künftig eine genauere Datenlage haben.“ Nur so seien zuverlässige Aussagen über den Beitrag von Plug-In-Hybriden zum Klimaschutz möglich. Der Verkehrsexperte der größten Fraktion im Europa-Parlament, Jens Gieseke (CDU), tritt auf die Bremse: „Es darf keinen gläsernen Autofahrer geben.“ Daten dürften nur zeitlich begrenzt erhoben werden. „Ein solches System darf nicht dazu führen, dass ein bestimmtes Fahrprofil steuerlich bestraft wird.“ Die geringe Reichweite und lückenhafte Ladeinfrastruktur könnten auch ein Grund sein, warum der E-Betrieb gering ausfällt.