Autotreffen auf Breuni-Parkplatz Stadt Ludwigsburg geht mit Verbot gegen Poser-Szene vor

Die Parkplätze beim Breuningerland haben sich zum Treffpunkt der Tuning- und Poserszene entwickelt. Foto: Werner Kuhnle

Die Tuning-Szene hat den Parkplatz des Ludwigsburger Breuningerlands für sich entdeckt. Die Treffen sind legal, aber es hagelte Beschwerden. Jetzt reagieren die Behörden.

Ludwigsburg: Oliver von Schaewen (ole)

Mehrere große Autotreffen auf dem Parkplatz von Breuningerland in Ludwigsburg sorgen für Argwohn – und das schon seit Wochen. Die Nachbarn im Tammer Wohngebiet Hohenstange laufen Sturm. Sie beklagen sich über nächtlichen Lärm, aufheulende Motoren und gefährliche Fahrmanöver. Die Stadt Ludwigsburg will die Treffen nun verbieten.

 

Die Ludwigsburger Verwaltung bereitet derzeit eine sogenannte straßen- und ordnungsrechtliche Allgemeinverfügung gegen Auto-Poser- und Tuningtreffen vor, teilt die Pressesprecherin der Stadt, Susanne Jenne, am Freitag mit. Geplant sei ein zeitlich befristetes Verbot im Stadtgebiet bis Ende Oktober 2026. Dieses umfasse insbesondere auch szenetypische Verhaltensweisen wie Burnouts, Drifts, vermeidbaren Motorenlärm sowie die gezielte Nutzung von Straßen und Parkflächen als „Schaustrecken“.

Ziel ist es laut Jenne, „frühzeitig gegen die sich dynamisch entwickelnde Szene vorzugehen“. Damit sollen weitere erhebliche Belastungen für Anwohner, Verkehr und öffentliche Sicherheit verhindert werden. Die Stadt befinde sich im engen Austausch mit der Polizei sowie dem Breuningerland und habe auch bereits die von den Treffen unmittelbar betroffene Stadt Tamm über die geplanten Maßnahmen informiert.

„Wir wollen verhindern, dass sich gefährliche und hochproblematische Szenetreffs in Ludwigsburg weiter etablieren.“

Matthias Knecht, Oberbürgermeister der Stadt Ludwigsburg

Auch vor dem Hintergrund des Raserunglücks auf der Schwieberdinger Straße vor einem Jahr erklärt der Oberbürgermeister Matthias Knecht: „Wir wollen verhindern, dass sich gefährliche und hochproblematische Szenetreffs in Ludwigsburg weiter etablieren. Die Sicherheit der Menschen, der Schutz der Anwohner und ein geordneter Verkehrsablauf haben für uns klare Priorität.“

Die Polizei hatte bisher einzelne Gesetzesverstöße festgestellt, konnte aber gegen solche Events nach eigenen Angaben nur begrenzt vorgehen. Die Treffen waren offiziell nicht angemeldet, teilt Yvonne Schächtele, Sprecherin des Polizeipräsidiums Ludwigsburg, mit. Stattdessen gaben die Veranstalter die Happenings kurzfristig dort in den sozialen Netzwerken bekannt, wo sich die Poserszene regelmäßig informiert. So habe die Polizei erst spät von den Autotreffen erfahren. „Wir beobachten die Entwicklung mit verstärktem Augenmerk“, sagt Schächtele.

Massiver Lärm bis tief in die Nacht hinein

Beunruhigt sind Beobachter über die zunehmende Dimension. Zu den Treffen kommen inzwischen rund 2000 Personen – deutlich mehr als bei früheren Events auf dem Parkplatz. Die Folgen sind massive Lärmbelästigungen bis tief in die Nacht hinein. Bewohner aus Hohenstange berichten von quietschenden Reifen, stark beschleunigenden Fahrzeugen und lautem Motorenlärm, der selbst bei geschlossenen Fenstern deutlich hörbar sei. Die Polizei stellte einzelne Raser auf der B27, die zum Teil mit Tempo 200 unterwegs waren.

Die Polizei geht bisher mit Kontrollen vor - Behörden könnten ein flächendeckendes Verbot erlassen. Foto: Matthias Bein/dpa

Ganz neu ist das Phänomen „Autotreffen“ auf dem Breuninger-Parkplatz nicht. Bereits zwei Wochen zuvor hatte es ein ähnliches Treffen auf dem Gelände gegeben. Noch weiter zurück liegt der „Car-Friday“ an Karfreitag, der in der Tuning-Szene als inoffizieller Saisonauftakt gilt. Er sei, so Yvonne Schächtele, vergleichsweise geordnet verlaufen.

Tammer Bürgermeister begrüßt das Einschreiten

Für ein vollständiges Verbot solcher Treffen fehlte der Polizei bisher die Rechtsgrundlage. Das bloße Treffen von Autofans auf einem frei zugänglichen Parkplatz ließ sich nicht verhindern. Erst wenn es zu Ruhestörungen, Verkehrsverstößen oder illegalen Rennen kommt, können die Behörden einschreiten.

Auch die E. Breuninger GmbH äußerte sich inzwischen zu den Vorfällen. Unternehmenssprecher Felix Haußmann erklärte, man nehme die aktuellen Entwicklungen „sehr ernst“. Die beschriebenen Vorfälle bisher stünden im Zusammenhang mit der Nutzung der frei zugänglichen Infrastruktur durch Dritte. Das Verhalten entspreche „nicht unserem Anspruch an ein verantwortungsvolles Miteinander“.

Das Unternehmen befinde sich im engen Austausch mit den Behörden, sagt Haußmann. Gemeinsam arbeite man an tragfähigen Lösungen. Damit wolle man die Sicherheit, aber auch die Bedürfnisse der Anwohner berücksichtigen.

Handlungsbedarf erkennt auf jeden Fall der Tammer Bürgermeister Martin Bernhard. „Die Hohenstanger haben recht, wenn sie die Belastungen um ein Vielfaches überschritten sehen im Vergleich zu dem, was geduldet werden kann.“ Bernhard bestätigt, dass es Gespräche darüber gegeben habe, ob eine Kommune per Erlass solche Treffen verbieten könne. Der Rathauschef begrüßt das angekündigte Vorgehen der Ludwigsburger Verwaltung. Ein möglichst flächendeckendes Verbot sei wichtig, damit ein Autotreffen nicht an anderer Stelle wieder aufflammen könne.

Weitere Themen