TomTom-Verkehrsanalyse Stuttgart verteidigt den Titel Stauhauptstadt

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Es ist ein zweifelhafter Titel, den Stuttgart seit Jahren inne hat – nämlich den der Stadt mit den meisten Staus in Deutschland. Nach einer Analyse des Navigationsgeräteherstellers TomTom liegt Stuttgart auch im Jahr 2016 vorn. Das ist aber nicht das einzige interessante Ergebnis.

In und um   Stuttgart  stehen  Autofahrer häufig im Stau Foto: Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttg
In und um Stuttgart stehen Autofahrer häufig im Stau Foto: Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttg

Stuttgart - Es gibt Spitzenplätze, die hätte man gerne los. Dazu zählt der Titel der Stauhauptstadt, den Stuttgart seit einigen Jahren verliehen bekommt – und auch 2016 verteidigt hat. Das ist zumindest das Ergebnis einer Erhebung des Navigationsgeräteherstellers und Verkehrslage-Dienstleister TomTom, der an diesem Dienstag seinen weltweiten Verkehrsindex veröffentlicht, der dieser Zeitung exklusiv vorliegt. Danach rangiert Stuttgart im bundesweiten Ranking weiter ganz vorne, Köln und Hamburg sind nun aber fast gleichauf.

Was sagt die Erhebung aus?

TomTom verwendet für die Analyse Daten, die automatisch aus den Navigationsgeräten an die Zentrale gesendet werden. Daraus wird die Zeit ermittelt, die der Autofahrer länger unterwegs ist im Vergleich zu einer staufreien Verkehrslage. Daraus ergibt sich die Extrafahrtzeit. Im Ballungsraum Stuttgart sind das durchschnittlich 34 Prozent – für eine Fahrstrecke, für die Autofahrer ohne Stau 30 Minuten unterwegs wäre, brauchen sie also durchschnittlich 40,2 Minuten. Im morgendlichen und abendlichen Berufsverkehr liegt die Zusatzfahrzeit bei 49 und 64 Prozent. Statt einer Normalfahrtzeit von 30 Minuten ergibt sich dann also eine Fahrtdauer von fast 45 und fast 50 Minuten.

Wie ist die Lage im Berufsverkehr?

Im Berufsverkehr ist die größte Belastung von Montag bis Donnerstag in der Zeit von 8 bis 9 Uhr, die zusätzliche Fahrtzeit liegt zwischen 51 und 54 Prozent (siehe Grafik). Abends variiert dies deutlicher: Von 49 Prozent Extrafahrzeit am Montag steigt der Wert bis Donnerstag auf 75 Prozent an, jeweils zwischen 17 und 18 Uhr. „Das ist ein Spitzenwert, der ungewöhnlich hoch ist“, sagt Thomas Hüffer von TomTom. Anders ist die Lage am Freitag: Die Spitzenstunde liegt morgens zwischen 7 und 8 Uhr und abends zwischen 16 und 17 Uhr, die Werte sind mit 37 und 57 Prozent vergleichsweise gering. Hüffer erklärt die geringeren Werte damit, dass viele Beschäftigte eine Vier-Tage-Bürowoche machen und am Freitag von zuhause arbeiten. Die Verschiebung um eine Stunde resultiere daraus, dass die Leute früher ins Wochenende wollten.

Was bedeutet das?

Statistisch betrachtet verliert jeder Fahrer durchschnittlich 34 Minuten Fahrtzeit pro Tag auf der Straße durch Staus. Übers Jahr hinweg bedeutet das für Berufspendler 132 Stunden. „Das sind mehr als drei Arbeitswochen“, sagt Hüffer.

Wo sind die Schwerpunkte?

Die meisten Staus verortet TomTom auf den bekannten Strecken: die A 8 rund ums Leonberger Dreieck, der Heilbronner, der Hauptstätter und der Pragstraße sowie der B 10/Neckartalstraße. Der stauträchtigste Tag im vergangenen Jahr war der 19. Juli: ein Auffahrunfall mit vier Lastwagen auf der A 8 bei Leonberg sorgte für kilometerlange Staus auf den Autobahnen 8 und 81, in Stuttgart blockierte ein Unfall auf der Karl-Kloß-Straße den Verkehr auf der B 27 bis zum Echterdinger Ei, und in der Innenstadt fielen gegen 15 Uhr Ampeln aus.

Wie liegt Stuttgart bundesweit?

Mit der durchschnittlichen zusätzlichen Fahrtzeit von 34 Prozent liegt die Landeshauptstadt weiter an der Spitze. Dahinter folgen Köln (34 Prozent), wobei die Domstadt etwas geringere Spitzenwerte aufweist, und Hamburg (33 Prozent). Während in Stuttgart der Wert gegenüber dem Vorjahr aber nur um einen Prozentpunkt anstieg, legte er in Köln um drei und in Hamburg um vier Prozentpunkte zu. „Auch wenn in Stuttgart die Situation objektiv nicht besser wird“, sagt Hüffer, „wird der Abstand geringer.“ Dahinter folgen Nürnberg und München mit 30, Berlin und Hannover mit 29 Prozent. Erstmals betrachtet wurden Karlsruhe (25 Prozent), Mannheim (24 Prozent) und Freiburg (23 Prozent). Sie liegen im Mittelfeld.

Und wie sieht es weltweit aus?

Spitzenreiter ist erneut Mexico-City (66 Prozent) vor Bangkok (61) und Jakarta (58). Als erste europäische Stadt rangiert Bukarest (50) auf Rang fünf. Es folgen Städte in China, im übrigen Asien und in Südamerika. Nach Moskau (44), London (40) und Paris (38) liegt Köln als erste deutsche Stadt auf Platz 56. In diesem Bereich läge auch Stuttgart, das in dem Ranking wegen der zu geringen Größe aber nicht auftaucht.

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