Autozulieferer Allgaier streicht hundert Stellen in Uhingen

Nicht nur die Werkzeuge beispielsweise für Kotflügel, sondern die Kotflügel selbst hat Allgaier im Werkzeugbau gefertigt. Foto: dpa/A3537 Marijan Murat

Der Autozulieferer Allgaier sichert 1100 Arbeitsplätze am Firmensitz Uhingen bis Ende 2022. Allerdings wird das Urlaubs- und Weihnachtsgeld bis dahin gestrichen. Zuvor wurden aber 100 Stellen gestrichen.

Stuttgart - Der Autozulieferer Allgaier baut in Uhingen (Kreis Göppingen) gut hundert Arbeitsplätze ab. Einen weiteren Stellenabbau am Firmensitz soll es bis Ende 2022 aber nicht geben. Das wurde mit Betriebsrat und IG Metall in einem Ergänzungstarifvertrag vereinbart, erklärt der Autozulieferer. Darüber wurden die Beschäftigten am Freitag auf einer Betriebsversammlung informiert. Die verbleibenden Mitarbeiter müssen den Gürtel allerdings enger schnallen. Vereinbart wurde, dass sie in den nächsten beiden Jahren weder Urlaubs- noch Weihnachtsgeld erhalten. Sie können dafür auf eine Gewinnbeteiligung für die Jahre 2023 und 2024 hoffen; dafür müssen dann allerdings gewisse Voraussetzungen erfüllt sein. In Uhingen werden künftig noch 1100 Mitarbeiter tätig sein. „Das ist ein wichtiger Schritt für den Fortbestand des Unternehmens“, sagt Allgaier-Chef Helmar Aßfalg über die erzielte Vereinbarung.

 

Dass eine Umstrukturierung anstand, hat der Zulieferer, der dem früheren Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt gehört, bereits im Oktober 2019 angekündigt. Fest stand damals bereits, dass es vor allem den Bereich des Werkzeugbaus treffen wird. Unklar war allerdings, wie viele Arbeitsplätze dem Rotstift zum Opfer fallen. Nun ist klar: Mehr als 30 Mitarbeiter haben das Angebot zur Frühverrentung angenommen und das Unternehmen bereits verlassen. Weitere 74 Beschäftigte sollen Anfang April in eine Transfergesellschaft wechseln, die für ein Jahr eingerichtet wird. Ziel dieser Gesellschaft ist es, die betroffenen Beschäftigten zu unterstützen, einen neuen Arbeitgeber zu finden. Mitarbeiter, die den Wechsel in die Transfergesellschaft ablehnen, droht Ende März die Kündigung. Künftig sind noch 60 Beschäftigte im Werkzeugbau tätig.

Weniger Aufträge im Werkzeugbau

Grund für die Umstrukturierung sei die anhaltend rückläufige Entwicklung des Auftragseingangs im Werkzeugbau, sagt Aßfalg unserer Zeitung. In diesem Bereich werden die Werkzeuge erstellt, um Karosserieteile wie etwa Kotflügel zu pressen. Allgaier hat dabei nicht nur die Werkzeuge gefertigt, sondern auch gleich die Teile gepresst. Doch die Autohersteller übernehmen diese Aufgaben zunehmend wieder selbst, erläutert Aßfalg. Deshalb ist es bei Allgaier in diesem Bereich zur Unterauslastung gekommen. Andere Strukturteile, die von außen nicht sichtbar seien – wie etwa Bodenbleche – würden dagegen aus Asien kommen, so Aßfalg.

Im vergangenen Jahr hat Allgaier nach Angaben des Firmenchefs einen stabilen Umsatz erzielt (2018 waren es 480 Millionen Euro). Wegen der Unterauslastung im Werkzeugbau sowie dem Personalabbau sei aber ein Verlust angefallen. Zuversichtlich zeigt sich Aßfalg bei den Erwartungen für 2020. Das Unternehmen habe „relativ viele neue Aufträge“, auch im Bereich Elektromobilität. Aßfalg rechnet deshalb mit einem Umsatzzuwachs. Zudem werde wieder Gewinn angestrebt.

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