Autozulieferer aus Uhingen Allgaier-Belegschaft zwischen Hoffen und Bangen

Positive Signale eines Investors: Der potenzielle Käufer aus Deutschland hat Interesse an Allgaier im Gesamten, aber die Autobauer sind skeptisch. Foto: Giacinto Carlucci

Der insolvente Autozulieferer Allgaier führt einmal mehr Gespräche mit einem Interessenten. Das Problem: Die Autobauer sind zögerlich. Die Nerven der Mitarbeiter liegen inzwischen blank.

Am Montag sorgte der Göppinger Pressenbauer Schuler für eine Hiobsbotschaft: Durch die weltweite Strukturkrise der Autoindustrie müsse sich der Konzern in Deutschland neu aufstellen, knapp 500 Stellen sollen wegfallen. Ebenfalls in dieser Woche rief Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) einen Auto-Gipfel ein und sicherte der Branche Unterstützung zu. Grund ist die Krise bei den Herstellern. Viele Autobauer melden schwache Absatzzahlen bei hohen Kosten durch den Umstieg auf den E-Antrieb.

 

In diesen Zeiten hat der Sanierer Michael Pluta die Aufgabe, die noch verbliebenen Betriebsteile des insolventen Uhinger Autozulieferers Allgaier zu verkaufen. „Die Krise schlägt natürlich auf alle Zulieferer durch, viele andere stehen auch nicht besser da“, sagt der Insolvenzverwalter. Allgaier arbeite bestehende Aufträge ab, „hier sind wir gut ausgelastet, aber es gibt keine neuen Aufträge und irgendwann ist es eben zu Ende, wenn kein Investor angenommen wird“, sagt Michael Pluta.

Die Autohersteller haben ein Wörtchen mitzureden

Etwas Luft verschafft den Uhingern die Fortführungsvereinbarung, die alle Autohersteller unterzeichnet haben und die einen Planungshorizont bis Ende 2025 ermöglicht. Dennoch: Zwischen den Zeilen klingt durch, dass Michael Pluta nach einem guten Jahr Insolvenz lieber heute als morgen verkaufen würde. Derzeit gebe es auch einen Interessenten, mit dem gute Gespräche geführt werden. Aber: Die OEMs, also die Autohersteller, entscheiden hier mit, und nicht alle überzeugten die Konzepte der vorherigen Interessenten – oder sie hätten schlechte Erfahrungen mit ihnen gemacht.

„Der Interessent muss von allen anerkannt werden, die haben ja auch alle ihre berechtigten Interessen“, verdeutlicht der Sanierungsexperte die Krux an der Sache. „Wir sind da voll abhängig.“In dieser Frage sind sich Michael Pluta und Stilianos Barembas hundertprozentig einig: „Es gab schon einige Interessenten, die die OEMs abgelehnt haben. Das stört mich“, macht der Betriebsratsvorsitzende deutlich, wie sehr ihn die Abers der Autohersteller wurmen und die Beschäftigten enttäuschen. Mit dem aktuellen potenziellen Investor führe man gute Gespräche, die in die richtige Richtung führten. Der mögliche Käufer würde Uhingen plus die Satellitenwerke in Mühlhausen und Laichingen nehmen – „und Frankreich, was für uns dazu gehört“, sagt Stilianos Barembas.

Die Nerven bei den Beschäftigten liegen inzwischen blank

Der Betriebsrat hat seit jeher für einen Gesamtverkauf plädiert, die Teilzerschlagung sei aus dessen Sicht immer nur der Notnagel beim Scheitern von Plan A gewesen. Allmählich ist die Geduld des Betriebsratsvorsitzenden am Ende: „Ich hoffe, dass sich was bewegt. Die Autohersteller müssen endlich Farbe bekennen pro Allgaier. Wir sind ein wichtiger und ein guter Lieferant.“ Der Arbeitnehmervertreter spricht auch im Sinne der Belegschaft, denn auch hier lägen die Nerven nach einer fünf Jahre dauernden Restrukturierung mit Entlassungen und vielen Opfern der Mitarbeiter blank. „Wenn die OEMs fast täglich mit einem möglichen Konkurrenten ins Haus kommen, sich an unseren Daten bedienen, Anlagen ausmessen und dann Bauteile abziehen, ist der psychische Druck immens. Zwei größere Aufträge sind bereits verlagert worden“, sagt Stilianos Barembas und fügt hinzu. „Das Wichtigste in einem Unternehmen ist doch der Mensch. Und die Mitarbeiter halten Allgaier noch die Treue.“

Der Insolvenzverwalter kann da nur zustimmen. In der Verwaltung hätten einige Mitarbeiter die Segel gestrichen und seien gegangen - und mit ihnen jede Menge Know-how. „Aber wir geben nie auf, wir haben noch ein Eisen im Feuer“, will Pluta Zuversicht versprühen. Er blicke „mit Sorge, aber hoffnungsvoll“ in die Zukunft.

Es geht um das Schicksal von mehr als 700 Mitarbeitern

Investoren
 Für vier andere Gesellschaften der Allgaier-Gruppe gibt es bereits Lösungen. Die Allgaier Process Technology GmbH wurde an die Siebtechnik GmbH verkauft. Für die Mogensen GmbH & Co. KG gab es ebenfalls eine Nachfolgelösung: Die Joest Group übernahm den Betrieb sowie die Tochtergesellschaften in Schweden und Spanien.

Mexiko
Die mexikanische Allgaier-Automotive-Tochter ging an die italienische Proma Group. Die Martin-Gruppe mit Hauptsitz im bayerischen Ebersdorf übernimmt den Geschäftsbetrieb der Allgaier Sachsen GmbH. Die Allgaier Automotive in Uhingen, eine Tochter der Holding Allgaier Werke, führt Pluta unverändert fort. Im Automotivebereich in Deutschland geht es um das Schicksal von mehr als 700 Mitarbeitern. 

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