Autozulieferer aus Uhingen Hoffnung für Firma Allgaier

Der Allgaier-Hauptsitz in Uhingen. Für die Standorte Mühlhausen und Laichingen zeichnet sich eine Lösung ab, beim Tankbau geht Sanierer Pluta einen Sonderweg. Foto: Giacinto Carlucci

Der Sanierer des Uhinger Automobilzulieferers Allgaier, Michael Pluta, verrät, dass es für Mühlhausen und Laichingen konkrete Interessenten gibt. Der Betriebsrat hofft noch auf einen Gesamt-Verkauf und pocht auf mehr Zeit.

Wir planen ohne Entlassungen. Ich will die Fähigkeiten der Mitarbeiter bei Allgaier halten.“ Das ist wohl die Hauptbotschaft von Insolvenzverwalter Michael Pluta an die Belegschaft. Diese hatte zur jüngsten Betriebsversammlung Plakate an die Uhinger Werkstore gehängt mit der Aufschrift: „Wir Allgaier-Mitarbeiter kämpfen für jeden Arbeitsplatz.“ Die Sorge ist groß, dass die verbliebenen Betriebsteile des insolventen Unternehmens in einzelne Teile gesplittet und nicht als Ganzes verkauft werden. Es geht ohne den Standort in Frankreich um 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die den bangen Blick in die Zukunft als sehr belastend empfinden. Paradox: „Ich kämpfe darum, dass alle bleiben. Die Mitarbeiter haben Angst, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren“, fasst der Sanierer zusammen.

 

Ein Gesamt-Verkauf der einzelnen Standorte ist offenbar vom Tisch

Pluta kann den Frust jedoch verstehen. Und er glaubt auch zu wissen, woher dieser rührt. „In Mühlhausen und Laichingen ist der Hauptverlust entstanden. Daher haben wir zugestimmt, dass bestimmte Anlagen herausgeholt und an bestimmte Interessenten vergeben werden“, erklärt der Sanierungsexperte. Es sei darum gegangen, die beiden Standorte finanziell zu entlasten. „Wir arbeiten nach einem Jahr Insolvenz auch ein bisschen gegen die Zeit. Denn solange wir im Insolvenzverfahren sind, gibt es kaum neue Aufträge“, verdeutlicht Pluta. „Gott sei Dank sind viele da.“ Doch für Laichingen und Mühlhausen scheint eine Lösung in Sicht zu sein: „Es gibt einen konkreten Interessenten, es fehlt ganz wenig am Abschluss.“

Damit scheint klar zu sein, dass ein Gesamt-Verkauf der Standorte Uhingen, Mühlhausen, Laichingen und Frankreich vom Tisch ist. „Es gibt nicht den weißen Reiter, der alles nimmt“, sagt Pluta. „Wir wollen so viel wie möglich am Stück verkaufen, aber wir müssen uns der Wirklichkeit anpassen.“ Ein Jahr zu warten und zu hoffen, sei ihm zu unsicher. Dennoch ist es ihm wichtig zu betonen, dass es keinen Druck gebe: „Wir arbeiten sehr gut mit den OEMs (Autobauer, Anmerkung der Redaktion) zusammen. Alle Hersteller haben die Fortführungsvereinbarung unterzeichnet, die Zusage steht. Damit haben wir einen Planungshorizont bis Ende 2025“, sagt Pluta und fügt hinzu: „Ich dachte, dass das die Menschen beruhigt.“ Genau diesen Druck empfindet aber der Betriebsrat: „Die Autohersteller und auch das Bankenkonsortium setzen uns die Pistole auf die Brust und sagen, wir brauchen eine schnelle Lösung“, sagt Betriebsratschef Stilianos Barembas. „Das fühlt sich an, als ob man uns die Luft zum Atmen nimmt. Unser größter Feind ist die Zeit.“ Die IG Metall habe daher in der Betriebsversammlung vorgeschlagen, dass alle Beteiligten – Autobauer, Insolvenzverwalter, Allgaier – sich an einen Tisch setzen, „um hier eine saubere Lösung zu finden“. Eine Antwort auf den Vorstoß habe es aber nicht gegeben, sagt Barembas und fragt sich: „Warum gibt man Allgaier nicht mehr Zeit?“

Der Betriebsratschef kann die Eile und die Tendenz Richtung Teilverkauf nicht verstehen, weil es Investoren gebe, die an einer Gesamtlösung interessiert seien. Sollte letztere nicht funktionieren, „dann muss man zu Plan B greifen“, räumt er ein, „aber nicht vorher“. Barembas kann auch nicht nachvollziehen, „dass man in einer Phase, in der Lösungen greifbar sind, Aufträge von Allgaier abzieht und sie dem Konkurrenten gibt“. Kein Verständnis zeigt er auch dafür, dass die Autohersteller seiner Ansicht nach zu viel bei dem Verkauf mitreden und potenzielle Investoren ablehnen können. Für Barembas passt der „unheimliche Druck“ und die Fortführungsvereinbarung bis 2025, die den Hauptstandort Uhingen im laufenden Insolvenzverfahren und damit auch die Gehälter sichern soll, nicht zusammen. Das erklärte Ziel des Betriebsrats laute: „Wir wollen alle Arbeitsplätze retten.“

In dem Unternehmen herrscht laut dem Sanierer Aufbruchstimmung

Pluta erinnert daran, dass seit dem Insolvenzantrag vor etwa einem Jahr viel passiert sei. Beispielsweise sei die Allgaier-Prozesstechnik in gute Hände übergehen worden, alle Arbeitsplätze blieben erhalten, in dem Unternehmen herrscht jetzt Aufbruchstimmung. Für Allgaier in Sachsen zeichne sich auch eine Lösung ab, „da ist alles ausgehandelt“, sagt der Sanierungsexperte und rechnet mit einem Verkauf in den nächsten ein bis zwei Monaten. Auch hier will der Investor alle Mitarbeiter übernehmen.

Beim Tankbau in Uhingen – hier arbeiten 60 Beschäftigte – plant Pluta einen besonderen Schachzug: „Wir wollen hier eine neue Gesellschaft gründen, die nicht mehr insolvent ist. Sie gehört lediglich zu einem insolventen Unternehmen.“ Damit sollen wieder Aufträge generiert und Allgaier Luft verschafft werden.

Drei Allgaier-Gesellschaften sind bereits verkauft

Investoren
Für drei Gesellschaften der Gruppe erzielte das Pluta-Team bereits Lösungen. Die Allgaier Process Technology GmbH wurde an die Siebtechnik GmbH verkauft. Für die Mogensen GmbH & Co. KG gab es ebenfalls eine Nachfolgelösung: Die Joest Group übernahm den Betrieb sowie die Tochtergesellschaften in Schweden und Spanien. Die mexikanische Allgaier-Automotive-Tochter ging an die italienische Proma Group.

Verwaltung
Die Allgaier Automotive in Uhingen, eine Tochtergesellschaft der Holding Allgaier Werke, führt Rechtsanwalt und Sanierer Michael Pluta mit allen Mitarbeitern unverändert fort.

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