Autozulieferer in Uhingen Der Fall Allgaier taugt zum Fanal
Die chinesischen Eigner machen bei der Insolvenz des bekannten Autozulieferers keine gute Figur. Die Sorge vor einer Deindustrialisierung Deutschlands wächst, meint Matthias Schmidt.
Die chinesischen Eigner machen bei der Insolvenz des bekannten Autozulieferers keine gute Figur. Die Sorge vor einer Deindustrialisierung Deutschlands wächst, meint Matthias Schmidt.
„Wir hoffen, dass unsere guten Geschäftsbeziehungen zu den Kunden weiterhin tragen, es kann ein Neuanfang werden“, sagt der Betriebsratschef von Allgaier, Stilianos Barembas. Ob die Hoffnung trägt oder erneut enttäuscht wird, muss sich noch weisen. Den Zweckoptimismus angesichts von 1600 bedrohten Jobs wird ihm sicherlich niemand verdenken. Am bitteren Befund der Stunde aber ändert er nichts: Die erhoffte Rettung von Allgaier durch den chinesischen Eigner Westron ist gescheitert.
Die Insolvenz in Uhingen wird höhere Wellen schlagen als manch andere Pleite in der gebeutelten Branche der Autozulieferer. Der frühere Eigentümer Dieter Hundt hat den Betrieb bundesweit bekannt gemacht – und als Arbeitgeberchef gern darauf verwiesen, wie die gelebte Tarifpartnerschaft (und der Boom der Autoindustrie) die Firma im Filstal in bis dahin ungekannte Umsatzhöhen geführt hat.
Seinen Nachfolgern aber hat er zahlreiche Probleme vererbt, als ihm 2022 der Verkauf an Westron als einziger Ausweg erschien. Mit ihrem wenig partnerschaftlichen Auftreten haben die neuen Eigentümer die Probleme jedoch verschärft. Von einer drohenden Zahlungsunfähigkeit erfuhren die Mitarbeiter per Grußvideo beim Allgaier-Seniorentreffen. Benötigtes Know-how früherer Führungskräfte wurde offenbar in den Wind geschlagen. Öffentlichkeitsarbeit fand keine mehr statt. Anders als bei Kuka (Roboter) und Putzmeister (Betonpumpen), wo es nach der Übernahme weitgehend ruhig blieb, rumorte es bei Allgaier nach dem Einstieg der Chinesen unaufhörlich.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Allgaier mit neuen Investoren noch eine Überlebenschance erhält. In einer Branche, die mit massiven Investitionen in die Transformation, stagnierenden Absätzen und hohen Energiepreisen kämpft, könnte ein endgültiges Aus von Allgaier zum Fanal werden – und die Sorgen vor einer Deindustrialisierung Deutschlands vergrößern.