AVL-Projekt in Poppenweiler Ein dicker Deckel für die Deponie-Gifte

Die Deponiekuppe wurde schon 2005 abgedeckt, nicht aber der Außenkranz. Foto: AVL
Die Deponiekuppe wurde schon 2005 abgedeckt, nicht aber der Außenkranz. Foto: AVL

Die Abfallverwertungs-GmbH AVL dichtet die Oberfläche der alten Deponie Am Lemberg in Poppenweiler ab. Der Schutz des Grundwassers ist das Ziel.

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Kreis Ludwigsburg - Noch weiß Ralf Mergenthaler nicht, was auf den Gartenbaubetrieb Lemberghof auf Erdmannhäuser Seite des Lembergs genau zukommt. Doch die kreiseigene Abfallverwertungsgesellschaft Ludwigsburg (AVL) habe ihn bereits schriftlich grob informiert. Voraussichtlich im November beginnen die zehnjährigen Arbeiten auf dem Gelände der seit 1989 geschlossenen Deponie Am Lemberg in Poppenweiler.

Insgesamt werden rund 10,1 Hektar Wald in vier Bauabschnitten gerodet. Anschließend wird die Oberfläche wasserdicht umgestaltet. Damit wird verhindert, dass wie bisher jährlich bis zu 14 000 Kubikmeter Regenwasser eindringt. Verschmutzt wird das Wasser, weil es durch eine Schicht sickert, in der seit den 1960er-Jahren immer noch etwa 6,6  Millionen Tonnen Abfall, darunter zum Teil ungenehmigter Industriemüll, lagert. Das Schadwasser reinigt die AVL bislang aufwendig für jährlich 300  000 Euro, bevor es in die Kläranlage gelangt.

Später soll ein verbessertes Naherholungsgebiet entstehen

Das Großprojekt findet der Erdmannhäuser Anlieger Ralf Mergenthaler berechtigt. „Wenn das Grundwasser geschützt wird, hat das oberste Priorität – da müssen auch zehn oder zwanzig Jahre alte Bäume weichen.“ Schließlich rode die AVL ja nur den Außenkranz der Deponie und dichte sie neu ab, unter anderem mit Schichten aus Kunststoff, Asphalt und drei Meter hoher Erde. „Es wird ja nur ein Teil der Bäume auf dem Berg gerodet“, sagt Mergenthaler. Die AVL habe zugesagt, das Gebiet nach der Sanierung mit höherwertigen Bäumen zu einem ökologischen Mischwald aufzuforsten.

Die AVL will die Bäume nur außerhalb der Vegetations- und Brutperiode fällen, teilt die GmbH mit. Die bereits im Jahr 2005 abgedichtete Deponiekuppe diene unter anderem als Rückzugsgebiet für Zauneidechsen. Dessen Fläche soll verdoppelt werden. Für Vögel bringt das Unternehmen im umliegenden Wald zusätzliche Nisthilfen an. Molche und Frösche bekommen in Abstimmung mit den Behörden ein neues Laichhabitat. Später soll ein verbessertes Naherholungsgebiet entstehen. Dann werde auch der bisher gesperrte Kernbereich für die Bürger geöffnet.

Es soll auch kein Methan mehr in die Umgebung entweichen

Wichtig ist der AVL auch, dass kein schädliches Gas mehr aus dem Untergrund der alten Deponie nach außen dringt. „Die neue Abdichtung verhindert, dass das Gas Methan entweichen kann – es ist 20-mal klimaschädlicher als Kohlendioxid“, erklärt Frank Wittmer, Pressesprecher des Landkreises Ludwigsburg. Die AVL habe seit Anfang der 1980er Jahre das Deponiegas zu Heizzwecken via Fernleitung an die Gärtnerei Lemberghof verkauft. Ralf Mergenthaler geht davon aus, dass sein Betrieb auch künftig mit dem Methan weiterheizen kann.

Keine Gefahr habe für das Trinkwasser im Gebiet rund um den Lemberg bestanden, versichert der Kreis-Sprecher Wittmer. Der Bodensee diene flächendeckend der Versorgung und ersetze schon lange das Trinkwasser aus Eigenquellen. Die Überwachungsbehörden hätten keinen unmittelbaren Anlass für ein Einschreiten gesehen. Auch hätten die Verantwortlichen gehofft, durch das Abdecken der Kuppe Anfang der 2000er-Jahre die Grundwasserverschmutzung zu stoppen. Verschärfte Gesetze duldeten inzwischen keinen Aufschub mehr.

Die Kosten könnten sich noch um die Hälfte reduzieren

Kosten wird das Projekt voraussichtlich 37,1 Millionen Euro, teilt die AVL mit. Der Betrag könnte sich allerdings um mehr als die Hälfte reduzieren, voraussichtlich auf rund 15,5 Millionen Euro. Das werde gelingen, wenn die AVL nicht neuwertige Baustoffe hinzukaufen müsse, sondern vorhandene Böden und Erde nutze. „Diese Materialien würden sonst auf Deponien oder in Lärmschutzwällen eingebaut“, informiert die Abfall-GmbH. Das Abholzen und Verwerten der Bäume zu Brennholz übernehme das Oberriexinger Unternehmen Armin Schmid.

Täglich werden laut AVL 20 bis 30 Lastwagen am Lemberg unterwegs sein, doch wolle man den Transport entzerren. Der Verkehr soll so verträglich wie möglich auf den breiten Feldwegen an der früheren Deponie-Anlieferung östlich von Poppenweiler fließen. Spazieren zu gehen oder zu joggen soll weiter möglich sein. Auch bleibe der Parkplatz vor der alten Deponie erhalten.




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