Axel Prahl in Bestform: „Kafkas Der Bau“ Hinter der Mauer des Wahns

Von Laura Buschhaus 

Wer Axel Prahl nur aus Fernsehkrimis kennt, sollte sich den großen Schauspieler einmal in dieser Verfilmung einer Kafka-Erzählung anschauen. Die hat allerdings noch mehr zu bieten als ihre faszinierende Hauptfigur, die von einer umfassenden Paranoia gepackt wird.

Axel Prahl brilliert als Mann voller Ängste und Sorgen. Foto: Neue Visionen
Axel Prahl brilliert als Mann voller Ängste und Sorgen. Foto: Neue Visionen

Stuttgart - Wie eine Festung ragt er in den Himmel, massiv und mit Fenstern wie Schießscharten: Der Bau. Ein Mehrfamilienhaus, in dem Franz (sehr überzeugend: Axel Prahl) sich und seiner Familie eine Wohnung gekauft hat. Der titelgebende Klotz in „Kafkas Der Bau“ ist knallrot, während auf fast allen anderen Elementen im Film ein grün-grauer Filter liegt. Franz‘ Welt ist rau, seine Umgebung eine Bedrohung. Der Bau soll ihn schützen. Seine (männlichen) Mitmenschen sind angst­einflößend, rücksichtslos, unverschämt. Sofort nach dem Einzug beginnt Franz, seine Wohnung zur Festung auszubauen.

Kameras sind in Franz‘ Leben allgegenwärtig. Er dokumentiert damit seinen Gemütszustand, aus der Vogelperspektive zeigt eine weitere das Geschehen wie eine Überwachungsanlage. Mit fortschreitender Handlung fällt es uns schwer, zwischen Realität und Wahn zu unterscheiden. Wird Franz wirklich überwacht? Ist jemand in die Wohnung eingebrochen? Der Film von Jochen Alexander Freydank basiert auf einer unvollendeten Erzählung von Franz Kafka, und wie oft bei diesem Autor gerät das Leben des Protagonisten zunehmend aus den Fugen.

Eine komplette Demontage

Parallel zum Verfall seines bisherigen Lebens wird Franz‘ Paranoia für den Zuschauer unerträglich. Kamerafahrten, quietschende Geräusche und Lichtblitze machen seine Angst etwas verständlicher. Wenn Franz am Ende zwischen den von ihm gefürchteten Obdachlosen herumirrt und sich nicht mehr von ihnen unterscheidet, ist die Demontage seines eigenen Lebens komplett. Zerbricht die Welt nur in seinem Wahn oder zerbricht er an der gefühlskalten Welt? Kafka hätte die Frage wohl mit Letzterem beantwortet.

Der Bau. Deutschland 2014. Regie: Jochen Alexander Freydank. Mit Axel Prahl, Josef Hader, Kristina Klebe. 114 Minuten. Ab 12 Jahren.