Ayla Cataltepe tritt für die Grünen in Göppingen an Knatsch bei der Kandidatenkür

Mit sozialen Themen hat Ayla Cataltepe eine knappe Mehrheit der Grünen hinter sich gebracht. Foto: Giacinto Carlucci

Ayla Cataltepe setzt sich knapp durch und kandidiert bei der Landtagswahl im Wahlkreis Göppingen für die Grünen. Der Streit wegen zahlreicher neuer Mitgliedsanträge schwelt jedoch in der Partei weiter.

Wäschenbeuren - Vor der Wahl kommt die Gratulation zur Wahl: Der Landtagsabgeordnete und künftige Oberbürgermeister Alex Maier nimmt die Glückwünsche für seinen Erfolg bei der Wahl in Göppingen entgegen. Dann wählen die Grünen in Wäschenbeuren in der Bürenhalle seine Nachfolgerin als Landtagskandidatin im Wahlkreis Göppingen: Ayla Cataltepe setzt sich knapp durch.

 

Bevor sich die Bewerberinnen Cataltepe und Christine Lipp-Wahl sowie der Bewerber David Catenazzo vorstellen, muss Maier ran, der sein Landtagsmandat aufgibt. Er dankt der Kreisvorsitzenden Fatime Ercik für die Unterstützung im Wahlkampf. Maier sagt: „Wir brauchen ein Miteinander in der Partei, es geht um die Sache.“ Das mit dem neuen Miteinander war sein Slogan im Göppinger OB-Wahlkampf, innerparteilich klappt das bei den Kreis-Grünen im Moment nicht so gut. Vor dem Streit um Neumitglieder sind aber erst mal die Kandidaten dran, die im März den Grünen das Direktmandat sichern wollen. Sie haben jeweils 15 Minuten Redezeit.

Den beiden Kandidaten liegt die Bildungspolitik am Herzen

Lipp-Wahl aus Göppingen-Jebenhausen war zehn Jahre lang Stadträtin und ist seit 2019 Kreisrätin. Die 57 Jahre alte Apothekerin und dreifache Mutter hält die Demokratie für verletzlich, vom rechten politischen Rand drohe Gefahr. Diese Rechte in die Politik einzubinden hält sie für falsch, vielmehr müsse der Kampf gegen rechts zum Staatsziel erklärt werden. Sie plädiert für mehr Bürgerbeteiligung, in der Klimakrise müsse die Windkraft weiter gefördert werden. „Seit über zehn Jahren leiste ich Widerstand gegen die Ortsumgehung Jebenhausen“, sagt sie, sie will das Radwegenetz fördern und eine bessere Bildungspolitik.

Catenazzo ist seit der Kommunalwahl 2019 Fraktionschef der Grünen im Gemeinderat Wäschenbeuren. Der 21-jährige ist Erzieher, absolviert zurzeit sein Anerkennungspraktikum und ist seit 2019 neben Fatime Ercik Kreisvorsitzender der Grünen. Den öffentlichen Nahverkehr will er ausbauen, stillgelegte Bahnstrecken reaktivieren. Als Erzieher liegt ihm auch die Bildungspolitik nahe, „die Schulpolitik braucht einen Umbau“, die Kinder sollen lernen, „selbst zu denken“. Er fordert das Wahlrecht ab 16 Jahren und will zwischen den Generationen Brücken bauen.

Vor allem die Kinderarmut will die Kandidatin bekämpfen

Cataltepe ist Vorsitzende der Eislinger Grünen, sie war auch schon Kreisvorsitzende. Die 48-jährige alleinerziehende Mutter arbeitet seit zehn Jahren im Stuttgarter Landtag, derzeit als Referentin zweier Abgeordneter der Grünen. Für Menschen mit Behinderung will sie sich stark machen, „gesellschaftliche Teilhabe darf kein Luxus sein“. Vor dem Hintergrund der älter werdenden Gesellschaft will sie die Pflegeberufe stärken, fordert mehr Mehrgenerationenhäuser und Pflegekräfte. Auch die Armut, von der Kinder besonders betroffen seien, will sie bekämpfen. Die Bildung müsse alle Kinder erreichen, damit es mehr starke Kinder wie Greta Thunberg gebe.

In der Fragerunde dreht sich vieles um den länger schwelenden, erst am Freitag durch einen Bericht in dieser Zeitung an die breite Öffentlichkeit gelangten Streit um 29 neue Mitgliedsanträge. Die 29 sollen, so der Verdacht, von Cataltepe angeworben worden sein, damit sie auf der Nominierungsveranstaltung für sie stimmen. Der Kreisvorstand hatte schließlich den Neubewerbern eine Probemitgliedschaft angeboten. Damit waren 15 nicht einverstanden. Sie sind zu einem Gespräch eingeladen worden, zu dem acht kamen. Sie wurden als ordentliche Mitglieder akzeptiert – mit Stimmrecht.

Einzelne sprechen von einer Kampagne gegen die Kandidatin

„Ich bin schockiert, wie der Kreisvorstand reagiert hat“, sagt eine Grüne im Saal. Sie kenne niemanden, der so viele Neumitglieder werbe wie Cataltepe, aufgrund von Vorurteilen habe der gesamte Vorstand „eine diffuse Kampagne“ gegen die Kandidatin gefahren, mit dem Staatsanwalt gedroht. „Nie hätte ich mir träumen lassen, dass ich so was in dieser Partei erleben muss.“ Warum sei sie nicht an die Öffentlichkeit gegangen, fragt sie dann Cataltepe. „Ich bin Grüne“, sagt Cataltepe, sie habe den Konflikt innerhalb der Partei besprechen wollen, um Schaden von der Partei abzuwenden. Immerhin lief zu der Zeit auch der Wahlkampf um den OB-Posten in Göppingen auf Hochtouren. Das alles ist „unglücklich verlaufen, mehr möchte ich dazu nicht sagen“.

Das macht sie später, auf erneute Nachfrage, doch: „Ich rede gerne mit Menschen“, das sei ein Teil ihrer politischen Arbeit. Und wenn es ihr gelinge, die Menschen von den Grünen und von sich zu überzeugen, „dann finde ich das geil“. Andere Fragesteller werfen dem Kandidaten David Catenazzo vor, die Entscheidungen im Kreisvorstand mitgetragen zu haben, mit Blick auf den Vorstand fällt das Wort „Partei-Establishment“.

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