Azubis im Kreis Böblingen Wirtschaftsflaute und kein Bock auf Ausbildung
Erneut verzeichnet die IHK im Kreis Böblingen einen Rückgang bei den neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen. Der Sinkflug hängt auch mit mangelnder Qualifikation zusammen.
Erneut verzeichnet die IHK im Kreis Böblingen einen Rückgang bei den neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen. Der Sinkflug hängt auch mit mangelnder Qualifikation zusammen.
Die Wirtschaft lahmt, und so auch der Ausbildungsmarkt im Kreis Böblingen. Das zweite Jahr in Folge ist ein Rückgang bei den neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen zu verzeichnen. Zum Stichtag 31. Dezember 2025 registrierte die IHK in Böblingen 1095 Ausbildungsverträge. Dies entspricht einem Rückgang gegenüber 2024 um 4,5 Prozent. Das steckt hinter dieser Entwicklung.
Die Wirtschaft in Deutschland steckt insgesamt in der Krise. Die Wachstumsaussichten sind durch die Kriege in der Ukraine und im Iran eingetrübt, und die zunehmende Konkurrenz aus Fernost, vor allem China, macht Unternehmen hierzulande zu schaffen. In dieser Gemengelage haben zahlreiche Ausbildungsbetriebe „ihr Engagement in der Ausbildung heruntergefahren oder teilweise ganz eingestellt“, schreibt die IHK in ihrem Bericht.
Nicht nur die Konjunktur spielt hier eine Rolle. So vollzieht sich gerade im industriellen Bereich, der Kernbranche im Kreis Böblingen, überdies ein struktureller Wandel. Produktionskapazitäten werden ins Ausland verlagert oder heruntergefahren. Hier spiele der Wandel zur Elektromobilität eine Rolle, aber auch der enorme Kostendruck und die stärkere ausländische Konkurrenz. Die Folge lässt sich auch an den Ausbildungsverhältnissen ablesen. Denn besonders stark fiel der Rückgang in den gewerblich-technischen Berufen mit einem Minus von 8,8 Prozent aus. Bei den kaufmännischen Berufen hingegen fiel das Minus schwächer aus und lag bei vergleichsweise moderaten 1,1 Prozent.
Hinter den Zahlen erkennt die Industrie- und Handelskammer einen weiteren, längerfristigen Trend – hin zu Bildungsabschlüssen an Hochschulen. Dies und der Umstand, dass dem Ausbildungsmarkt durch die demografische Entwicklung immer weniger Bewerberinnen und Bewerber zur Verfügung stehen, „setzen der dualen Ausbildung seit einigen Jahren zu und hat die Zahl der neu eingetragenen Ausbildungsverhältnisse allein in den letzten zehn Jahren im Kreis Böblingen um 15 Prozent schrumpfen lassen“, stellt die IHK in ihrem Bericht „Blitzlicht Ausbildung 2026“ fest.
Um für junge Menschen interessant zu sein, müssen sich Firmen anders als früher viel mehr einfallen lassen. Ausbildung ist kein Selbstläufer mehr. „Es reicht heute nicht mehr aus, allein ein Angebot an Ausbildungsplätzen bereitzustellen. Dieses Angebot muss attraktiv für Jugendliche sein und intensiv vermarktet werden“, gibt die IHK Firmen mit auf den Weg.
Der Kammer zufolge ist es aber auch so, dass Bewerberinnen und Bewerber häufig nicht die Anforderungen der angebotenen Ausbildung erfüllen. Neben mangelnder Ausbildungsreife „hapert es bei vielen Jugendlichen leider immer noch in der beruflichen Orientierung“. Die Kombination aus geringer Bewerberzahl und Passungsproblemen habe in den letzten Jahren „zu viel Frustration bei Betrieben geführt, die sich infolgedessen oft von der Ausbildung im eigenen Betrieb abgewandt haben“. So bildeten im Kreis Böblingen im Jahr 2015 noch 744 IHK-Betriebe aus, im Jahr 2025 waren es noch 620 Unternehmen. Dies entspricht einem Rückgang von knapp 17 Prozent.
Insgesamt kam der Kreis Böblingen in der Region Stuttgart im Jahresvergleich laut der IHK „noch mit einem blauen Auge davon“. Regionsweit gab der Ausbildungsmarkt der IHK-Berufe um sieben Prozent nach. Nur der Kreis Ludwigsburg konnte mit einem Minus von 3,3 Prozent ein etwas „besseres“ Ergebnis als der Kreis Böblingen mit seinen minus 4,5 Prozent vermelden.