Bundesstraße 14 in Stuttgart Chemieunfall macht B 14 zur Baustelle

Von Wolf-Dieter Obst 

Böse Überraschung für Autofahrer – und für das städtische Tiefbauamt: Die Hauptstätter Straße braucht auf 300 Meter Länge einen neuen Fahrbahnbelag. Wie schnell geht das?

Problemzone Hauptstätter Straße: Verlorene Chemikalien haben den Fahrbahnbelag teilweise aufgelöst. Foto: asche
Problemzone Hauptstätter Straße: Verlorene Chemikalien haben den Fahrbahnbelag teilweise aufgelöst. Foto: asche

Stuttgart - Das Waschmittel, das normalerweise Druckmaschinen der grafischen Industrie „mit hoher Lösekraft“ von überflüssiger Farbe reinigt, hat ganze Arbeit geleistet. Der Fahrbahnbelag der Hauptstätter Straße ist löchrig wie Schweizer Käse. „Der benzinähnliche Stoff hat den Bitumen aufgelöst“, sagt Jürgen Mutz vom Tiefbauamt, „und jetzt ist der ganze Belag weich geworden.“ Das klebt nicht nur an den Schuhen – das sorgt für ein großes Verkehrsproblem auf einer Hauptachse in Stuttgart.

Ein scheinbar harmloser Chemieunfall, bei dem am Mittwochmorgen Hunderte Liter eines Reinigungsmittels von einem Lkw auf die Fahrbahn getropft waren, erweist sich nun als böse Überraschung. Die B 14 hält stadteinwärts zwischen Österreichischem Platz und Wilhelmsplatz die Belastung durch mehrere Tausend Autos täglich nicht mehr aus. Den ganzen Tag über hatten Reinigungsmaschinen die schmierige Substanz von der Straßen zu waschen versucht – doch mit einer Reinigung der Rutschfalle war es nicht getan. Das Waschmittel war tief in die Poren eingedrungen.

Wie tief geht der Schaden?

Noch am Donnerstagnachmittag waren die Fachleute des Tiefbauamts zusammen mit einem Gutachter damit beschäftigt, das genaue Ausmaß des Schadens im Fahrbahnbelag zu ermitteln. „Wir untersuchen mit Bohrungen, bis in welche Tiefe die Fahrbahn erneuert werden muss“, sagt Jürgen Mutz.

Der Chemieunfall hatte am Mittwoch ein Verkehrschaos ausgelöst. Eine Polizeistreife hatte in der Hauptstätter Straße einen Lkw mit einem Leck in einem 500-Liter-Behälter auf der Ladefläche gestoppt. Weil der morgendliche Berufsverkehr in die Stadt drängte, musste der Heslacher Tunnel für Stunden gesperrt werden, die Autofahrer wurden von der Polizei am Schattenring umgeleitet. Dennoch bildeten sich auf allen Ausweichstrecken lange Staukolonnen.

Die Zeit drängt – doch es gibt Probleme

Die Sperrung der zwei Fahrspuren auf Höhe der Sophienstraße bleibt bis auf Weiteres bestehen. „Mit einem einspurigen Bypass versuchen wir seither den größten Druck herauszunehmen“, so Mutz. Wie lange noch, das weiß auch er nicht. Denn das hängt nicht nur vom städtischen Tiefbauamt und von den Erkenntnissen des Gutachters ab. Immerhin hatten die Autofahrer am Donnerstag den Engpass weitgehend gemieden – die Staus dort hielten sich diesmal in Grenzen. Doch die Beeinträchtigungen werden in den nächsten Tagen erheblich sein.

Auf 300 Meter wird die Fahrbahn erneuert werden müssen. „Wir rechnen mit etwa 2000 Quadratmeter Fläche“, sagt Mutz. Der Aufwand steigt, wenn auch noch Unterschichten erneuert werden müssen. Das Problem ist nur: Welche Baufirma hat kurzfristig noch Kapazitäten? „Die Auftragsbücher für die Sommerferien sind voll, die Baumaschinen längst verplant“, sagt der Mann von der Bauabteilung Mitte/Nord. Und selbst wenn die Firma gleich gefunden würde – „für die Arbeiten selbst muss man knapp eine Woche rechnen“, sagt Jürgen Mutz. Der Zeitdruck ist groß – und die Autofahrer bekanntlich gnadenlos ungeduldig. Mutz weiß: „Das wird ein echter Kraftakt.“

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