B 27 in Ludwigsburg Fallen Fahrspuren auf Bundesstraße weg?

Tempo 40 und Busspur an der Bundesstraße (rechts) sind bereits umgesetzt. Die Stadt möchte aber noch mehr tun, um die Luft- und Lebensqualität zu verbessern. Foto: Simon Granville/ (Archiv)

Der Entwurf des Luftreinhalteplans für Ludwigsburg sieht vor zu prüfen, ob eine Spur der B 27 zu einem Radweg werden könnte. Gibt es dafür überhaupt eine Chance?

Ludwigsburg: Andreas Hennings (hen)

Ludwigsburg - Im 37-seitigen Dokument des neuen Planentwurfs für den fortzuschreibenden Luftreinhalteplan vom Regierungspräsidium Stuttgart für die Stadt Ludwigsburg ist es ein recht unscheinbarer Satz. Einer, der für die Entwicklung entlang der B 27 in Ludwigsburg aber eine gewichtige Rolle spielen könnte – und damit auch für die rund 62 000 Autos und Lastwagen, die täglich auf der Hauptverkehrsstraße unterwegs sind. Gemeint ist die Passage, dass „die Stadt in Abstimmung mit den zuständigen Behörden des Landes prüft, inwieweit die B 27 baulich reduziert werden kann, auch um Straßenflächen gegebenenfalls für nachhaltige Verkehrskonzepte zur Verfügung zu stellen“. Zum Beispiel für Fahrradspuren.

 

Heißt: Es darf nun zumindest die Überlegung angestellt werden, Spuren an B 27 in der Stadt zur verengen. Das ist kein Tabu mehr, wenn es um das Ziel geht, die Luftqualität zu verbessern. Von einem „wichtigen Signal“ spricht Matthias Knobloch, der bei der Stadt den Fachbereich Nachhaltige Mobilität leitet. Es werde deutlich, dass die B 27 „in ihrer jetzigen Form nicht zementiert ist“. Klar sei aber, betont er, dass die Aussage „sehr dezent“ formuliert sei und es sich nur um einen Prüfauftrag handle.

Spuren für Autos könnten neu organisiert werden

Erste Gedankenspiele, inwieweit Veränderungen einmal eine Rolle spielen könnten, gibt es dennoch. Und zwar mit Blick auf den Radschnellweg, der von Bietigheim-Bissingen bis Stuttgart führen und auf den 15 Kilometern auch Ludwigsburg und Kornwestheim anbinden soll. Für den Radweg könnte die B 27 in Ludwigsburg verengt werden – mithilfe einer reduzierten Zahl von Fahrspuren. „Wie das aussehen könnte, ist aber noch vage“, sagt Knobloch. Eine Machbarkeitsstudie für den Radweg gibt es bereits. Derzeit wird laut Regierungspräsidium abgestimmt, welche der vielen möglichen Trassen in die engere Auswahl kommen.

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Sollte das entlang der B 27 sein, sagt Matthias Knobloch, sei es denkbar, die dann verringerte Anzahl der Auto-Fahrspuren neben der Fahrradspur neu zu organisieren. „So, dass morgens eine Spur mehr in eine Richtung, abends eine Spur mehr in die andere Richtung führt.“ Je nach Bedarf. Der Mittelstreifen müsste dafür wohl weichen. In anderen Ländern sind solche Spuren, auf denen sich je nach Tageszeit die Fahrtrichtung ändert, etabliert. Auch in Berlin habe er das beobachtet, sagt der Fachbereichsleiter.

Für durchfahrende Autos soll A 81 attraktiver sein

Die Stadt könnte damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Denn das würde dazu beitragen, den Radschnellweg attraktiv zu gestalten. Und gleichzeitig würde die B 27 für Autofahrer unattraktiver werden, die durch die Stadt durchfahren – was von der Stadtverwaltung durchaus gewünscht ist, um der schlechten Luft und der Lautstärke zusätzlich entgegenzuwirken und mehr Lebensqualität zu schaffen. Geht es nach dem Rathaus, nehmen Autofahrer aus Richtung Bietigheim-Bissingen, die nach Stuttgart möchten, bestenfalls die Strecke über die Autobahn und die B 10. „Auf der A 81 gibt es mit der Freigabe für den Standstreifen zusätzliche Kapazität. Und die B 10 ist deutlich weniger bebaut“, sagt Matthias Knobloch.

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Seit Montag liegt der Planentwurf für den aktualisierten Luftreinhalteplan bei der Stadt und beim Regierungspräsidium aus und kann bis 21. März auch online eingesehen werden. Die fünf Maßnahmen, die darin verankert sind, um die Luftqualität im Stadtgebiet zu verbessern, sind ansonsten nicht neu. Im Gegenteil: Sie sind zum Großteil bereits umgesetzt. Ob das Tempo 40 und die Busspur gegenüber vom Schloss sind oder die dort installierten Stickstoffdioxid-Filtersäulen. Dass die Maßnahmen bereits umgesetzt sind, ist darauf zurückzuführen, dass das Bundesverwaltungsgericht entschieden hatte, dass die in der Fortschreibung von 2019 vorgesehenen Maßnahmen nicht ausreichend sind. Weshalb bereits die nächste erfolgt, mit ähnlichem Inhalt – abgesehen etwa vom Prüfauftrag, inwieweit die B 27 baulich reduziert werden kann.

Pförtnerampeln gehen bald in Betrieb

Eine Maßnahme steht dazu aus: Die neue Schaltung der Pförtnerampeln an den Stadteingängen, dank derer der Verkehr durch Ludwigsburg flüssig fließen soll. „Eine grüne Welle ist nur machbar, wenn es keinen Stau gibt“, sagt Matthias Knobloch. Die Ampeln beispielsweise am B 27-Abzweig bei Eglosheim nach Freiberg werden also künftig so geschaltet, dass keine unbegrenzte Zahl an Autos mehr in die Stadt fahren kann. Sondern nur so viele, wie eine grüne Welle verkraftet. Den Fahrzeugen wird schubweise grünes Licht erteilt, so dass sie in einem Schwung durch Ludwigsburg kommen. An den Stadteingängen drohen entsprechend längere Rückstaus, die aber gering gehalten werden sollen. Knobloch zum Stand der Dinge: „Mit der Ampelschaltung befindet sich der Tiefbau gerade in der Testphase.“

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