B B Kings Gitarre und Sebastian Vettels Auto Geschichten von Lucille und Lucilla

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Der Wert von Rennwagen und Gitarren ist subjektiv sehr unterschiedlich. Gerade in Zeiten häuslicher Quarantäne.

BB King mit Lucille, seiner Gitarre Foto: dpa/Gustavo Cuevas
BB King mit Lucille, seiner Gitarre Foto: dpa/Gustavo Cuevas

Melbourne - Der Ohrwurm „Lucille“ ist schwer aus dem Kopf zu bekommen, wenn man den Song bei einem Nachruf auf den Countrysänger Kenny Rogers erst einmal angeklickt hat. Es ist die traurige Geschichte eines verlassenen Farmers, und der Text gräbt sich tief ins Gedächtnis. Man kann deshalb wohl ausschließen, dass diese Lucille eine Rolle gespielt hat, als Sebastian Vettel neulich mit seinen Mechanikern zusammensaß, um einen Namen für das neue Ferrari-Chassis zu suchen. Was dabei diskutiert wurde, wollte der viermalige Formel-1-Weltmeister nicht verraten. Frühere Versionen hießen schon Luscious Liz und Hungry Heidi, da fragt man lieber nicht nach. Das neue Auto heißt jedenfalls, bedeutend geschmackvoller, Lucilla.

Die dramatische Geburtsstunde von Lucille

Von einer anderen Lucille dagegen ist die Geburtslegende überliefert. BB King, der 2015 gestorbene „King of Blues“, wusste sie effektvoll zu erzählen. Es war ein gewöhnlicher Tanzabend im Städtchen Twist in Arkansas, wo es 1949 noch üblich war, mit einem brennenden Fass Kerosin auf der Tanzfläche die Halle zu heizen. An jenem Abend gerieten zwei Männer in Streit, warfen das Fass um, und das Kerosin breitete sich in einer brennenden Lache aus. BB King floh zunächst, hastete dann aber in die einstürzende Halle zurück, um seine Gitarre zu retten. Als er am nächsten Tag vom Tod der beiden Raufbolde hörte, die sich wegen einer Frau gestritten hatten, benannte er seine Gitarre nach ihr. „Das sollte mich daran erinnern, so etwas nie mehr zu tun.“ Lucille hießen fortan alle Gitarren, die er im Lauf seiner langen Karriere noch spielen sollte – auch jene, die im vergangenen September für 280 000 Dollar versteigert worden ist.

Das ist viel Geld, allerdings weniger, als ein Formel-1-Auto kostet (mehrere Millionen). Günstigere Versionen der halbakustischen Gibson-E-Gitarre gibt es für 2000 Euro, spielbare Nachbauten für weniger als 200. Im Gegensatz zum Ferrari kann man sich damit auch in Corona-Zeiten stundenlang beschäftigen – vor allem, wenn man von BB Kings legendärem Vibrato noch ein paar hundert Übungseinheiten entfernt ist. Zur Schonung von Familie und Nachbarn, die auch in häuslicher Quarantäne sind, sind aber Kopfhörer zu empfehlen.