Maren Möst ist Fotografin und hat sich auf Neugeborene spezialisiert. Dafür braucht die 47-Jährige Nerven und Schnelligkeit. Oft müssen erst die Eltern, dann das Baby beruhigt werden. Doch wenn der Säugling dann in die Kamera schaut, werden alle belohnt.
Maren Möst wartet auf den einen Augenblick, den magischen Moment – wenn das Baby die Augen aufmacht, dann drückt die 47-Jährige ab. „Auch wenn die Neugeborenen noch nicht viel wahrnehmen und die Augen oft geschlossen sind, können sie schon mit wachem Blick schauen. Darauf warte ich, denn das will ich festhalten“, sagt die Fotografin. In ihrem Waiblinger Fotostudio hat sie sich auf Babybäuche, Babys und Familien spezialisiert, aber die Shootings mit den frischgeborenen Säuglingen und ihren teils noch ziemlich überforderten Eltern stellen ganz klar den Schwerpunkt dar. Das wird schon beim Betreten des kleinen Fotostudios mit seinen Natursteinwänden, den Sitzgelegenheiten und den Bildern an den Wänden in der Waiblinger Innenstadt, unweit der Galerie Stihl, deutlich.
Kissen und ein kuscheliges Schaffell liegen bereit
Da, wo die Bilder entstehen, liegen Kissen und ein weiches, kuscheliges Schaffell bereit. Daneben steht ein Wickeltisch, unmittelbar neben dem kleinen Toilettenraum. Auch ein Föhn liegt griffbereit: „Das Geräusch beruhigt die Kleinen. Außerdem lässt sich damit ganz wunderbar das Fell warm föhnen, da fühlen sich die Babys in ihren Windeln dann pudelwohl und kuscheln sich gemütlich rein.“ Aber nicht nur für die Babys ist alles vorbereitet, Maren Möst hat beim Einrichten ihres Studios auch an eine Spielecke mit Kuscheltieren für die Geschwisterkinder gedacht, schließlich kann das Babyshooting eine ganze Weile dauern und die Brüder und Schwestern müssen derweil bei Laune gehalten werden – nur wenn die Eltern entspannt sind, können besondere Fotos gelingen.
Das Babyshooting ist oft der erste Ausflug nach der Klinikentlassung
Apropos: Maren Möst, die mit ihrer Familie in Waiblingen wohnt, ist sich darüber bewusst, dass der Ausflug zum Babyshooting in ihr Fotostudio oft der erste Ausflug nach der Entlassung aus der Klinik ist. „Die Eltern sind noch unsicher, erschöpft von der Geburt und müde. Ich habe noch keine Eltern von Neugeborenen erlebt, die nicht übernächtigt zum Termin erschienen sind.“ Die 47-Jährige nimmt dann erst mal Druck raus und macht den frischgebackenen Mamas und Papas klar, dass keinerlei Zeitdruck besteht, sie in Ruhe ankommen, jederzeit eine Pause machen und durchschnaufen können. „Die sind oft sehr angespannt. Sie wollen die perfekten Babybilder, haben aber das Gefühl, gerade heute schreit das Baby nur. Deshalb blockiere ich den gesamten Vormittag für so ein Shooting und dann kommen tolle Bilder raus, denn auch ein Schreibaby holt mal Luft, und den Moment muss ich erwischen.“
Innige Momente werden festgehalten. Foto: privat
Damit nimmt die zweifache Mutter auch bei sich selbst Druck raus. Denn Maren Möst möchte den perfekten Augenblick festhalten. Bilder, die einen wachen Blick, eine innige Beziehung, ein erstes Lachen oder einen besonderen Moment zeigen. Da wäre Zeitdruck kontraproduktiv. „Ich brauche gute Nerven, muss warten bis das Schreien aufhört oder das Nickerchen vorbei ist. Manchmal muss eine Still- oder Wickelpause eingebaut werden. Nach der ganzen Warterei habe ich oft nur wenige Minuten.“ Sie habe hohe Ansprüche an sich selbst, sei ziemlich perfektionistisch, sagt die Fotografin.
Dafür, dass ihr schlussendlich trotz der schwierigen Bedingungen das besondere Bild gelingt, kann die 47-Jährige auf 15 Jahre Erfahrung zurückgreifen. Denn nach der Ausbildung zur Fotografin an der Johannes-Gutenberg-Schule in Stuttgart, der Ausbildung an der Media Akademie in Stuttgart mit Abschluss Mediengestalterin und dem Bachelor of Arts im Studiengang Medienwirtschaft an der Hochschule der Medien machte sich die gebürtige Fellbacherin direkt als Baby- und Kinderfotografin selbstständig. „Mir war klar, dass das mein Gebiet ist. Das war natürlich schwer, sich was aufzubauen, wenn man bei Hochzeiten, Schul- und Kindergartenfotos ablehnt, aber ich habe durchgehalten, und mein Mann war eine große Stütze.“
Maren Möst nimmt sich viel Zeit für ihre Bilder. Foto: Gottfried Stoppel
Mittlerweile ist der Kundenkreis groß
Das hat sich ausgezahlt: Mittlerweile hat Maren Möst, die auch in einer Praxis und in einer Klinik ausstellt, einen großen Kundenkreis. Sowohl aus dem Rems-Murr-Kreis, als auch aus dem Großraum Stuttgart kommen die Leute zu ihr. Manche erst mit Babybauch, dann zum Säuglings-Shooting und später für die Familienfotos. „Viele kommen auch, weil sie woanders unzufrieden waren und nicht das Bild herauskam, das sie sich vorgestellt haben. Dann versuchen wir es mit mehr Zeit und Ausdauer, bis wir die perfekten Bilder haben.“ Diesen Prozess zu begleiten und den frischgebackenen Eltern dann verschiedene Motive übergeben zu können, füllt die 47-Jährige aus. „Das ist meine große Leidenschaft, und es lohnt sich einfach, da ganz viel Einfühlungsvermögen reinzustecken.“ Im Alltag macht sie genau wie alle auch mal Schnappschüsse mit dem Handy, aber einmal im Jahr kommt auch im Privaten die professionelle Fotografin bei ihr durch und die Kids müssen sich brav aufstellen.
Bevor sie sich für Familie und das eigene Studio entschied, war Maren Möst viel unterwegs – als Kamerafrau und Kameraassistentin bei Filmproduktionen, unter anderem in den Bavaria Filmstudios München und beim SWR Stuttgart sowie ganz weit weg, in Australien. „Ich bin auch für eigene Filme kreativ geworden, zum Beispiel mit ,God is a DJ’ für den SWR-Nachwuchswettbewerb, der mit dem Visio-Award für den ersten Kamera-Preis ausgezeichnet wurde“, sagt die Fotografin, die auch schon beim Tatort-Dreh und bei Livesendungen mitgearbeitet hat. „Das waren aufregende Jahre, aber mit Familie passt das nicht. Ich bin glücklich mit dem, was ich jetzt mache.“
Für ihre Bilder – ein Paket mit sechs digitalen Fotos kostet 299 Euro – muss die 47-Jährige die Eltern oft erst herunterbekommen. „Das Ganze ist Vertrauenssache, da muss alles stimmen, damit das Bild passt.“ Dabei kommen ihre Aufnahmen schlicht und aufs Wesentliche konzentriert daher. „Wenn jemand ein spezielles Kuscheltier oder eine Schmusedecke hat, darf er sie gerne als Deko mitbringen. Aber generell soll so wenig wie möglich vom Baby ablenken.“