Baby-Notarztwagen im Kreis Esslingen Sicherer Transport für Neugeborene

Baby-Notarztwagen haben  neben einem Brutkasten eine besondere Federung,  ein sanfteres Bremssystem und eine spezielle Innenausstattung. Foto: imago stock&people
Baby-Notarztwagen haben neben einem Brutkasten eine besondere Federung, ein sanfteres Bremssystem und eine spezielle Innenausstattung. Foto: imago stock&people

Ein Förderverein sammelt Spenden für einen Baby-Notarztwagen. Der Initiator Harald Weith erklärt, warum der spezielle Transport in den ersten Lebensstunden von Babys so wichtig ist.

Filder-Zeitung: Leonie Schüler (lem)
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Landkreis Esslingen - Kommt ein Kind auf die Welt, verbringt es die ersten Lebensstunden im besten Falle geborgen in den Armen der Mutter und des Vaters. Doch es gibt auch jene Geburten, die nicht komplikationslos verlaufen und eine rasche ärztliche Versorgung des Kindes zwingend nötig machen. „Die Geburtenzahl mit Komplikationen steigt“, sagt Harald Weith, der seit vielen Jahren als Rettungsassistent beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) Esslingen/Nürtingen arbeitet. „Wir haben im Landkreis Esslingen inzwischen 180 bis 220 Geburten pro Jahr, bei denen wir einen Baby-Notarztwagen einsetzen sollten.“ Das letzte Spezialfahrzeug dieser Art sei aber vor zehn Jahren aus dem Dienst genommen worden, weil es zu alt war.

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Seither werden normale Rettungswagen eingesetzt, wenn ein Neugeborenes in eine Kinderklinik transportiert werden muss. Das sei in der Regel dann der Fall, wenn es per Hausgeburt zur Welt gekommen ist und medizinische Probleme hat, wenn die Geburtsklinik keine pädiatrische Abteilung im Haus hat oder wenn diese voll belegt ist. Medizinische Probleme würden zum Beispiel bei Frühchen auftreten oder wenn Babys nach der Geburt Fruchtwasser eingeatmet haben, erklärt Harald Weith.

Ohne Spezialfahrzeug geht viel kostbare Zeit verloren

Stand heute ist der Ablauf dann wie folgt: Die Hebamme oder die Geburtsklinik ruft die Leitstelle an, diese alarmiert einen Rettungswagen an der Wache in Esslingen. Der Rettungswagen wird daraufhin zur Kinderklinik gefahren, wo die Besatzung die normale Trage gegen eine spezielle Trage umtauscht, auf der ein Brutkasten, genannt Inkubator, montiert ist. „Dann nimmt der Rettungswagen einen Baby-Notarzt und eine Baby-Notfallkrankenschwester auf und fährt zur Geburtsklinik“, sagt Weith.

Sobald das Baby im Inkubator liegt, der warm beheizt wird und in dem spezielle Beatmungs- und EKG-Geräte montiert sind, geht die Fahrt los – allerdings nur bei Tempo 20. Das liege daran, dass bei Neugeborenen erhöhte Gefahr bestehe, dass sie durch Stöße und Geruckel eine Hirnblutung bekommen könnten. Durch die Fahrt im Schneckentempo gehe wertvolle Zeit verloren. „Eine optimale Versorgung kann so nicht stattfinden“, betont der Präsident des Fördervereins.

Baby-Notarztwagen hat spezielle Ausstattung

Dass dies kein Zustand ist, wurde Harald Weith besonders klar, als in der Nacht des 15. August 2020 drei solcher Babytransporte in Folge nötig waren. In einem Hauruck-Verfahren rief der Rettungsassistent, der hauptberuflich eine Werbeagentur und einen Verlag leitet, einen gemeinnützigen Förderverein ins Leben, der Geld für den Kauf eines Baby-Notarztwagens für den Landkreis Esslingen sammelt. Das DRK Esslingen-Nürtingen und die örtlichen Kliniken unterstützen die Initiative von Harald Weith.

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Der spezielle Babynotarztwagen, der bereits bestellt ist, hat neben dem fest installierten Inkubator eine besondere Federung, die das Fahren mit normaler Geschwindigkeit erlaubt, ferner ein sanfteres Bremssystem und eine spezielle Innenausstattung. „Er ist innen ganz anders aufgebaut, damit der Notarzt und die Krankenschwester das Baby besser im Blick haben“, erklärt Weith und bringt die Notwendigkeit des Spezialfahrzeugs auf den Punkt: „Man verliert keine Zeit. Und der Transport ist für die Kinder um ein Vielfaches sicherer und besser.“

Weitere Spenden werden benötigt

Bislang sind rund 100 000 Euro beisammen, besonders dank einer großzügigen Spende des Fördervereins Star Care. Benötigt werden weitere 50 000 Euro. Weiths Wunsch ist es, im April 2022 mit dem Baby-Notarztwagen zu Einsätzen fahren zu können. Neben privaten Spenden hofft er auf Zuwendungen von öffentlicher Seite: „Wir haben 44 Städte und Gemeinden im Landkreis angeschrieben und jeweils um eine 1000-Euro-Spende gebeten.“ Leinfelden-Echterdingen sei mit einer Summe von 2500 Euro besonders großzügig gewesen. Wer das Projekt unterstützen möchte, kann entweder Geld spenden, das direkt für den Kauf des Fahrzeugs verwendet wird, oder für einen Jahresbeitrag von 35 Euro Mitglied werden. Diese Summe wird für laufende Kosten wie die Wartung des Fahrzeugs verwendet.

Kontakt über: baby-naw-esslingen@gmx.de www.baby-naw-esslingen.de




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