Babybeach Dagersheim Inhaberin sucht Nachfolge: „Wir wollen nicht zumachen“
Tamara Baur betreibt seit Oktober 2024 den Babybeach Dagersheim, ein Salzinhalatorium mit Indoorspielplatz und Café. Warum sie jetzt aufhören will.
Tamara Baur betreibt seit Oktober 2024 den Babybeach Dagersheim, ein Salzinhalatorium mit Indoorspielplatz und Café. Warum sie jetzt aufhören will.
„Es würde mir das Herz brechen, wenn ich den Beach schließen müsste“, sagt Tamara Baur und lässt den Blick durch das Café des Dagersheimer Babybeach schweifen. Im Oktober 2024 hat sich die 34-Jährige mit dem Salzgrotten-Franchise selbstständig gemacht und sich seitdem einen Kundenstamm aufgebaut. Jetzt möchte sie sich aus dem Geschäft zurückziehen.
Im Babybeach können Babys und Kinder, aber auch Erwachsene, Salznebel inhalieren – während die Kleinen im Salz spielen. Dienstagabends ist Zeit zum Inhalieren nur für Erwachsene. Zusätzlich gibt es ein Café für Familien mit allerhand Spielzeugen und Verkleidungen. Tamara Baur bietet Kurse und Aktionen an und hat ein Geburtstagszimmer mit angeschlossenem Spielzimmer für geschlossene Gesellschaften. Regelmäßig organisiert sie an Sonn- oder Feiertagen ein Frühstücksbuffet.
Ganz wichtig ist für Tamara Baur Folgendes: „Die Leute sollen bitte weiterhin kommen. Der Babybeach soll nicht schließen, aber ich möchte einen Schlussstrich ziehen“, sagt Baur.
Als sie vor einigen Wochen ihre Entscheidung und den Suchaufruf für eine Nachfolge auf Instagram postete, sei die Angst groß gewesen. „Ich habe noch nie einen Post so lange zurückgehalten. Ich hatte mega Schiss, zuzugeben, dass ich aufhören will.“ Sie habe das als Versagen empfunden.
Die etwas mehr als 2000 Follower des Babybeach-Accounts jedoch hätten sie überrascht. „Ich habe unglaublich viele super liebe Rückmeldungen bekommen“, sagt die Unternehmerin. Die Kommentatorinnen hoben hervor, wie schade sie es fänden, den Beach zu verlieren. Die Mehrheit gab aber an, die Entscheidung verstehen zu können. „Ich habe oft den Spruch gehört: Die Zeit mit der Familie gibt einem keiner zurück.“
Genau das, also die Familie, sei auch ein wichtiger Faktor für Tamara Baurs Entscheidung zum Aufhören gewesen, erzählt sie. Seit im Februar ihr zweites Kind auf die Welt kam, habe die Belastung spürbar zugenommen. Ihr älterer Sohn ist drei Jahre alt, und er liebe es, mit zum Babybeach zu kommen. Aber ihr Baby so lange nicht zu sehen, schmerze sie. „Meine Tochter ist jetzt dreieinhalb Monate alt, die sollte bei der Mama sein und nicht nur zum Stillen gebracht werden“, findet sie.
Sie fühle sich als „Rabenmutter“. „Bei der Arbeit denke ich immer, wie gern ich bei meinen Kindern wäre, aber zu Hause habe ich ständig im Kopf, dass ich noch das Social-Media-Profil pflegen und Videos und Storys vorbereiten müsste.“ Auch außerhalb der Öffnungszeiten des Babybeach sei sie also dauernd mit der Arbeit beschäftigt. „Den zeitlichen Aufwand habe ich total unterschätzt“, gibt sie offen zu. Aber er sei nötig: „Jedes Mal, wenn ich poste, kriege ich auch Buchungen, das bringt echt was.“
Sie habe für sich entschieden, den Druck der Selbstständigkeit nicht mehr tragen zu wollen. Denn ihre Ressourcen seien schon lange überstrapaziert. In den infektreichen Wintermonaten seien die Buchungen des Salzraums gut, aber im Sommer müsse sie schauen, wie sie über die Runden komme. „Die Sommermonate sind für jeden Indoorspielplatz hart“, sagt sie. „Die Leute sind dann natürlich lieber draußen.“
Einen Punkt, der Tamara Baur ärgert, hat sie vor einigen Wochen in einem Instagram-Video öffentlich gemacht. Immer wieder habe sie bemerkt, dass Familien ihr eigenes Essen oder Trinken mit ins Café bringen würden. „Ich sage ja gar nichts über den Eineinhalbjährigen mit der Reiswaffel“, schränkt sie ein. „Es gibt aber Eltern, die packen gleich die Vesperdosen aus.“ Auf ihr Video hin hätten andere Indoorspielplätze im Kreis Böblingen ihr beigepflichtet. „Was wir anbieten, kostet uns ja auch Geld, und dann wird so wenig konsumiert“, klagt sie.
Immer wieder würden Familienorte wie der Babybeach geschlossen. Der Aufschrei aus der Eltern-Community sei dann immer groß. Aber Tamara Baur sagt auch: „Für den Erhalt muss man als Kunde was tun. Ich weiß, dass gerade alles teuer ist. Aber wenn man will, dass solche Einrichtungen Bestand haben, muss man kommen.“
Sie sei stolz darauf, dass sie es geschafft habe, den Babybeach als Familiencafé und Indoorspielplatz zu etablieren, sagt die Inhaberin. „Wir sind hier wie ein zweites Wohnzimmer, wenn einem zu Hause mal die Decke auf den Kopf fällt.“ Die Kinder könnten spielen, während die Eltern eine Kleinigkeit essen oder trinken – oder auch mal in Ruhe die Nase ins Smartphone stecken. Die Gespräche mit den Mamas würden ihr fehlen, sagt Baur. Einige Mütter kämen auch mal eigens für ein Schwätzchen zum Babybeach. „Wir sind die Barkeeper für die Mütter“, sagt sie. Die könnten beim Beach von ihren Sorgen und Problemen erzählen.
Seit der Ankündigung in den sozialen Medien habe es ein paar Interessenten für die Nachfolge gegeben, sagt Tamara Baur. Letztlich habe keiner zugeschlagen. Baurs Traum wäre, dass jemand den Babybeach komplett übernimmt. „Ich biete eine Einarbeitung und eine Übergabe an“, sagt sie. Auch von den drei Mitarbeiterinnen, sagt sie, seien einige nicht abgeneigt, unter neuer Leitung weiter im Babybeach zu arbeiten. Der Vermieter, die Fliesenfirma Jach, habe aber klargestellt, dass auch andere Nutzungen der Räume denkbar seien – beispielsweise eine Hebammen- oder Ergotherapiepraxis, oder sogar eine private Kindertagesstätte. „Ich hoffe aber, dass es jemanden gibt, der sagt: Auf genau die Chance hab ich gewartet“, sagt Tamara Baur. „Die Möglichkeit, ein voll ausgestattetes Café mit einem Kundenstamm, Salz- und Geburtstagsraum zu übernehmen, gibt es schließlich nicht so oft.“
Babybeach
Im Salzraum des Babybeach Dagersheim wird 14-prozentige Kochsalzlösung vernebelt. Das soll den Schleim in den Atemwegen – etwa bei Bronchitis oder Asthma – verflüssigen, damit er abgehustet werden kann.
Ausschluss
Kinder mit Fieber oder ansteckenden akuten Krankheiten dürfen nicht in den Babybeach kommen. Das soll andere schützen. Darüber hinaus gibt es weitere Ausschlusskriterien, etwa Bluthochdruck, Tumorerkrankungen oder Epilepsie. Ein kurzer Austausch mit dem Hausarzt vor dem ersten Besuch empfiehlt sich.