Bach-Kantaten - Klang hoch drei Wie die CD „Cantatas“ entstand

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Bach-Klang, wie Bach ihn wohl selbst gehört hat, gibt es auf der neuen CD „Cantatas“ zu entdecken.

Die drei Emporen der Kirche Foto: Holger Schneider
Die drei Emporen der Kirche Foto: Holger Schneider

Zufälle gibt es, die können eigentlich kaum Zufälle sein: die Begegnung von Hans-Christoph Rademann, künst­lerischer Leiter der Internationalen Bachakademie Stuttgart, mit David Franke zum Beispiel, der heute Hochschulprofessor in Freiburg ist, vor zwei Jahren jedoch noch Organist an der Kirche St. Wenzel in Naumburg war. Dort sind sich die beiden auf der Orgelempore begegnet, und das war der Beginn einer schönen Geschichte, deren Ergebnis jetzt in Form einer CD mit vier Bach-Kantaten vorliegt. Ein „klingendes Exponat“, wie Rademann es nennt, „in dem man den Bach-Klang der Bach-Zeit original hört, wie Bach ihn wohl selbst gehört hat.“ Die Orgel, konzipiert und gebaut von Zacharias Hildebrandt, ist noch zu großen Teilen im Originalzustand. Aber nicht nur deswegen ist ihr Klang etwas ganz Besonderes. Bach hat damals die Orgel selbst zusammen mit Gottfried Silbermann abgenommen.

Die Ensembles sind auf drei Emporen verteilt

Rademann war seinerzeit im Saaletal zum Wandern gewesen. Dass in St. Wenzel diese besondere Orgel steht, wusste er. Nicht aber, dass er zusammen mit dem Organisten gleich ein Projekt verabreden würde. Das erste war ein Konzert mit Reformationskantaten mit der Gaechinger Cantorey vor Ort. Quasi eine Probe für die CD-Aufnahme, die schon bald folgen sollte. Kein leichtes Unterfangen, denn in der Kirche können Chor, Solisten, Instrumentalisten und Organist nicht alle bequem auf einer Ebene mit­einander musizieren. Vielmehr ist die Orgelempore die oberste von dreien.

Und so hat Rademann die Aufnahme von der untersten Empore aus dirigiert, wo er zusammen mit den Instrumentalisten und den Solisten platziert war. Der 16-köpfige Chor belegte die mittlere Empore. Eine echte Herausforderung, die sich schließlich mithilfe von Videotechnologie lösen ließ.

„Es ist unglaublich, was die Klänge mit einem machen“

Das Ergebnis lässt Rademann schwärmen: „Die Orgel ist wie ein Bachorchester zu verstehen. Sie verfügt nicht nur über die üblichen Register, wie zum Beispiel Prinzipal und Mixtur, sondern auch über Oboen, Flöten, Fagott und Streicher.“ Das klangliche Ergebnis sei eine Orgel, die sinnliche Klangfarbenmischungen und eine wunderbare klangliche Verschmelzung mit dem Orchester und den Vokalisten erlaube. „Es ist unglaublich“, sagt Rademann, „was die Klänge mit einem machen.“

Die CD „Stay ye angels. J. S. Bach Cantatas“ ist erhältlich bei accentus