Bach Weihnachtsoratorium in der Stadtkirche Himmlischer Jubel, menschliche Innigkeit

Von Gabriele Metsker 

Johanneskantorei und Kammermusikkreis Leonberg musizieren

Für die Sänger gibt’s viel Applaus für ihre Leistung. Foto: factum/Bach
Für die Sänger gibt’s viel Applaus für ihre Leistung. Foto: factum/Bach

Leonberg - Dass sich vor den Türen der Stadt­kirche der glitzernd weiße Zuckerguss in grauen Matsch verwandelte, konnte der Vorweihnachtsstimmung im proppenvollen Innenraum nichts anhaben. Die Johannneskantorei und der Kammermusikkreis Leonberg musizierten zusammen mit Solisten unter Leitung von Bezirkskantor Attila Kalman das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach.

Und auch, wenn man dieses Werk schon viele Male gehört haben mag und die eine oder andere Arie im Geiste vielleicht schon fast mitsingen kann, so gibt es doch kaum etwas Schöneres, als sich mit diesem Meisterwerk auf die nahenden Feiertage einzustimmen. Denn es wird ja nicht nur die Weihnachtsgeschichte erzählt. Vielmehr gelingt es dem Komponisten in den Rezitativen, Chorälen und Arien eine Vielzahl von Emotionen in Musik zu verwandeln, welche das Weihnachtswunder mit sich bringt: Momente des Staunens und Augenblicke voll inniger Menschlichkeit ebenso wie überbordende Freude und himmlischen Jubel.

Vier statt sechs Kantaten

All das nun konnte das Publikum miterleben. Zwar erklangen von den insgesamt sechs Kantaten, aus denen das Weihnachtsoratorium besteht, insgesamt nur vier. Das war aber eine gute Entscheidung, denn das zweistündige Konzert war ein Hochgenuss, und wohl keiner hatte danach den Eindruck, unerfüllt nach Hause gehen zu müssen. Die Kantaten Nummer vier und fünf wurden freilich nicht sang- und klanglos übergangen. Vielmehr wurde das Geschehen, das sie beschreiben, durch kurze Lesungen referiert. Die Ausführenden hatten sich mit Bachs Weihnachtsoratorium an eine große Herausforderung gewagt, die ihnen ganz offenbar große Freude bereitete und die sie hervorragend und mit großem Enthusiasmus meisterten. Die ­Johanneskantorei hatte auf eine Anregung aus der eigenen Mitte hin die Choräle auswendig gelernt, um die Musik noch unmittelbarer im direkten Kontakt mit dem Dirigenten gestalten zu können. Ein Vorhaben, das den Vokalisten auf jeden Fall bestens gelang und den Hörgenuss noch steigerte.

Natürlich trugen auch die Solisten ihren Teil zum ebenso bewegenden wie ­erhebenden Abend bei: allen voran Tenor Stephan Frieß, der die meisten Rezitative des Evangelisten gestaltete. Nicht nur der helle, klare Klang seiner Stimme berührte. Vor allem die Lebendigkeit und Hingabe seines Vortrags ließ das Publikum die ­Vorfreude auf das Weihnachtswunder noch ein bisschen intensiver spüren. Aber auch die anderen Solisten hatte Attila ­Kalman klug ausgewählt: Altistin Sabine Czinczel, welche die wunderbaren Alt-Arien des Weihnachtsoratoriums klar und ohne störende Sentimentalität darbot. Sopranistin Elke Kaiser, der die Höhen keinerlei Schwierigkeiten bereiteten und Bass Matthias Nenner, der nie massiv oder behäbig wirkte, sondern stets agil und ­beweglich blieb.

Präzise intoniert

Der Kammermusikkreis Leonberg seinerseits zeigte sich als ebenso sensibler wie versierter Partner der Vokalisten, ganz gleich, ob ein behutsamer Basso Continuo gefragt war, ein obligates Instrument zur Solostimme oder farbenreiches Gepränge zum Ausschmücken der Choräle. Die strömten bisweilen breit und mächtig, dann wieder vermeinte man insbesondere bei den präzise intonierten Fugen die jubilierenden, himmlischen Heerscharen zu vernehmen. Nicht nur das Publikum spendete dem Ensemble nach dieser großen Leistung und den Momenten schönsten Weihnachtszaubers lange Applaus, auch Attila Kalman wurde von seinem Ensemble mit herzlichen Ovationen bedacht.