Bachakademie Stuttgart Helmuth Rilling wirft hin

Helmuth Rilling hat die Leitung der Bachakademie niedergelegt. Foto: Steinert
Helmuth Rilling hat die Leitung der Bachakademie niedergelegt. Foto: Steinert

Es sah so als, als wäre die Harmonie bei der Bachakademie wieder hergestellt. Überraschend hat der Leiter, Helmuth Rilling, nun doch seinen Rücktritt erklärt.

Leben: Götz Thieme (göt)
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Stuttgart - Um 16.20 Uhr ging am Donnerstag bei den Mitarbeitern der Internationalen Bachakademie Stuttgart (IBA) eine E-Mail mit angehängtem Brief ein. Der Brief war von Helmuth Rilling, dem künstlerischen Leiter seit 1981. Darin erklärte der 78-Jährige seinen Rücktritt als Akademieleiter, „mit sofortiger Wirkung“. Der Schritt beendet einen seit vergangenem Dezember schwelenden Konflikt.

Rilling schreibt, dass er am Donnerstagmorgen in der Stuttgarter Zeitung gelesen habe, dass der Bachakademie-Vorstand mit Gernot Rehrl als neuem Intendanten verhandelt: „Ich muss das aus der Presse erfahren – für mich ein Affront.“ Das Büro von Berthold Leibinger, des Vorstandsvorsitzenden der IBA, widersprach Rillings Darstellung und wies seine Behauptungen „über den bisherigen Verlauf der Verfahrens“ zurück. „Helmuth Rilling ist seit Wochen über die Absicht, Herrn Rehrl für die Bachakademie zu gewinnen, informiert.“

Rilling hatte sich in der Vergangenheit immer für einen Verbleib des derzeitigen Intendanten Christian Lorenz ausgesprochen und kein Verständnis für die Nichtverlängerung von Lorenz’ Vertrag über Februar 2013 hinaus gehabt. Aufgrund dieser Personalentscheidung und des Verfahrens zur Wahl seines Nachfolgers Hans-Christoph Rademann hatte Rilling den Vorstand der Bachakademie Anfang Januar zum Rücktritt aufgefordert. „Für mich ist die Grenze des Zumutbaren erreicht – mit diesem Vorstand kann und will ich nicht mehr zusammenarbeiten. Wenn er im Amt bleibt, werde ich selbst als Akademieleiter zurücktreten.“

„Als Akademieleiter habe ich schon lange keinen Einfluss mehr“

In den Tagen danach hatte es, initiiert vom Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster und dem Kunststaatssekretär Jürgen Walter, ein Treffen von Rilling und Leibinger mit den beiden Vermittlern an neutralem Ort gegeben. Der Gesprächsverlauf erschien Leibinger so konstruktiv, dass er sich bei der Vorstellung von Hans-Christoph Rademann in Stuttgart am 16. Januar autorisiert sah, Rillings Rücktritt vom Rücktritt bekanntzugeben.

Das sei nicht in seinem Sinne gewesen, sagte Rilling gegenüber der Stuttgarter Zeitung. „Als Akademieleiter habe ich schon lange keinen Einfluss mehr.“ Dass im Fall Rehrl keine Absprachen mit ihm getroffen seien, habe ihn endgültig veranlasst, zurückzutreten. Aus dem Umfeld Rillings war zu erfahren, dass er auch Vorbehalte gegen die Eignung Rehrls habe. Rilling selbst betonte, das sei nicht der Grund seines Rücktritts. Er möchte nun seine „persönlichen Befindlichkeiten zurückstellen“ und alle Verpflichtungen als Dirigent bei Veranstaltungen der Bachakademie erfüllen – „für mein treues Publikum“, wie er der StZ sagte. Am 25. und 26. Februar dirigiert er in Stuttgart die Missa Solemnis, Beethovens „Bitte um innern und äußern Frieden“.




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