Backhäuser im Trend Das Besondere am selbst gebackenen Brot

Von Caroline Holowiecki 

Während viele traditionelle Vereine über Mitgliederschwund klagen, werden Backhausvereine bei Familien immer beliebter. Bei Festen bilden sich vor Backhäusern lange Schlangen. Warum stehen alle auf Gebäck aus dem Holzofen?

Im Backhaus von Heumaden, das von einem expandierenden Verein betreut wird,  treffen sich die Fans alter Backkunst. Foto: Fotolia
Im Backhaus von Heumaden, das von einem expandierenden Verein betreut wird, treffen sich die Fans alter Backkunst. Foto: Fotolia

Filder - Was für ein Brummer! Der Sauerteig von Uli Straub arbeitet schon seit Tagen. Die Hefe treibt die Masse aus der Schüssel, „da ist richtig Leben drin“, sagt er. Während der Mann aus Bietigheim-Bissingen den Rohling walkt, wuseln seine Frau Ingrid Buk und deren Brüder Rolf, Gerhard und Peter durchs Backhaus in Heumaden und mit ihnen Ehefrauen, Töchter, Enkel. 13 Personen hantieren mit Eiern, mit Formen und Mehl, das in Säcken in Schränken lagert. Ein richtiges Familienevent am Samstagmorgen.

Deborah Buk und ihr Mann Peter haben die Runde zusammengetrommelt. Die Familie aus Heumaden ist vor gut vier Jahren in den örtlichen Backhausverein eingetreten, der das Backhaus von 1773 unter seinen Fittichen hat. „Wir haben schon immer selbst gebacken. Frisches Brot, es gibt nichts Tolleres“, sagt sie, ab und an soll’s aber richtig historisch sein, nach Omas Art. Dann trocknen die Buks Apfelringe im Vereinsofen oder backen Pizza. Deborah Buk ist es wichtig zu wissen, was sie und ihre Kinder essen, wie sie sagt. „Die Backqualität im Geschäft ist häufig lausig“, sagt ihre Schwägerin Ingrid Buk. „In unserer Gesellschaft muss immer alles schnell und billig sein“, moniert sie. Ihr Bruder Rolf findet, dass gutes Brot „richtiges Handwerk“ ist. Eigenes Gebäck „schmeckt definitiv viel besser“ und sei obendrein bekömmlicher, ergänzt Uli Straub.

Bäckereien positionieren sich mit alten Kornarten

Nicht nur die Großfamilie Buk empfindet so. Der Heumadener Backhausverein freut sich über regen Zulauf, bestätigt der Vorsitzende Berhard Clauß. Von den aktuell 91 Mitgliedern seien 2017 acht und im vergangenen Jahr elf dazugestoßen. „Es sind viele Familien darunter. Das ist eine sehr gute Entwicklung“, sagt er. Der Verein sei so beliebt, dass derzeit keine Probebacktage angeboten werden könnten, und Heumaden bildet keine Ausnahme. Der Backhausverein Wartberg mit Sitz auf dem Killesberg hat knapp 50 Mitglieder, mehr geht nicht – „bedingt durch den räumlichen Platzmangel in unserem Backhaus“, sagt Jan-Patrick Barnert. „Ich kann Ihnen aber sagen, dass wir allein aufgrund der Anfragen, die wir im Laufe des vergangenen Jahres erhalten haben, die Mitgliederzahl um vermutlich 50 Prozent hätten steigern können“, fügt er an.

Ist Tradition auf dem Teller wieder in? Ja, sagt Frank Sautter, der Geschäftsführer des Landesinnungsverbands für das Württembergische Bäckerhandwerk. „Wir haben durchaus den Eindruck, dass ein gewisses Umdenken stattfindet“, sagt er. Bäckereien positionierten sich mit der Verwendung alter Kornarten und schafften sich Holzöfen an. „Das hat was Ursprüngliches und Bodenständiges“, glaubt Frank Sautter. Den Landfrauen Leinfelden-Echterdingen beschert das viel Arbeit. Wenn die beim Krautfest den Backhausofen anwerfen, gibt’s für die Leute kein Halten. Laut der Vorsitzenden Inge Holzäpfel nehmen die Menschen Wartezeiten von bis zu einer Stunde in Kauf, um an Kraut- und Zwiebelkuchen und die Echterdinger Deie ranzukommen. „Wir haben Schlangen bis ans Rathaus. Da spielt auch das Wetter keine allzu große Rolle“, sagt sie. Inge Holzäpfel spricht von einer Retrophase. Eigenes Handanlegen, regionale und natürliche Zutaten seien in, außerdem sei der Geschmack ein anderer, wenn auf offenem Feuer gebacken werde.

Ein Backhaus zum Mieten

Wer das selber mal testen will, kann seine Teigwaren im Holzbackofen des Bürgervereins Fasanenhof ausbacken. Der steht seit 2010 auf dem Gelände des örtlichen Jugendhauses und darf an den vier Backhaus-Sonntagen im Jahr (nächster Termin: 17. März) von jedermann genutzt werden. Laut Maria Schneider, der Jugendhaus-Leiterin, böten die Veranstaltungen noch Potenzial. Außerdem kann man den überdachten Steinbackofen mieten, etwa für Kindergeburtstage. Vor allem bei Schulklassen komme das bestens an, „im Sommer sind wir fast jeden Tag ausgebucht. Wir haben jetzt schon erste Anfragen“. Maria Schneider lacht. „Das ist in meinem Bekanntenkreis auch so. Da gibt es auch den Hype, Brot selber zu backen.“