Backnang beantragt Entwicklungsprogramm für Schöntal Ein Dorf soll schöner werden

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Melanie Lang hat in Neuseeland studiert, doch in Oberschöntal ist die jüngste Backnanger Stadträtin fest verwurzelt. Wie ihre Ratskollegen setzt sie auf die Aufnahme des Fleckens in das Entwicklungsprogramm ländlicher Raum.

Melanie Lang vor einem Haus, das  mit Landesmitteln saniert werden könnte. Foto: Stoppel
Melanie Lang vor einem Haus, das mit Landesmitteln saniert werden könnte. Foto: Stoppel

Backnang - Vielerorts verwitterte und brüchige Fassaden. Auf einem dieser alten Gebäude in Backnang-Oberschöntal hängt ein riesiges Werbeplakat. Es verspricht „Junges Wohnen im Grünen“. Wo die alte Scheuer steht, sollen acht Doppelhaushälften gebaut werden. Ein paar Schritte weiter steht ein schmuck renoviertes Fachwerkhaus – Oberschöntal bietet ein Kontrastprogramm, wie viele kleine Orte am Rande der Region Stuttgart.

Die schmale Verbindungsstraße von Ober- nach Unter- und Mittelschöntal schlängelt sich durch ein Wäldchen. Idylle pur – und das Luftlinie kaum einen Kilometer vom Backnanger Stadtrand entfernt. In Unter- und Mittelschöntal ein ganz ähnliches Bild wie in Oberschöntal: einige Gebäude sehen arg mitgenommen aus, andere wurden von ihren Besitzern toll herausgeputzt. Menschen sind an diesem grauen Vormittag keine unterwegs.

„Nachbarn, auf die man sich verlassen kann“

Am Ortsrand von Oberschöntal wohnt Melanie Lang, mit 26 Jahren die jüngste Backnanger Stadträtin. Die Grünen-Abgeordnete ist in den Schöntalen aufgewachsen, hat allerdings in Neuseeland studiert und einst mit dem Gedanken gespielt, Down Under zu bleiben. Aber irgendwann, sagt sie, „habe ich gemerkt, dass es in Oberschöntal alles gibt, was ich in Neuseeland gesucht habe“. Ruhe zum Beispiel. Und Nachbarn, die sich helfen. Oberschöntal sei ein lebenswertes Dorf, ein Dorf das jetzt noch schöner, noch lebenswerter werden soll – durch die Aufnahme in das Entwicklungsprogramm ländlicher Raum.

In der jüngsten Gemeinderatssitzung haben die Volksvertreter quer durch alle Fraktionen für einen entsprechenden Vorschlag der Verwaltung gestimmt. Keine Frage, Melanie Lang hat auch Ja gesagt. In dem Papier der Stadtverwaltung ist in bestem Beamtendeutsch die Rede von den vier Förderschwerpunkten Arbeiten, Grundversorgung, Gemeinschaftseinrichtungen und Wohnen. Man wolle dem demografischen Wandel etwas entgegen setzen, sprich Menschen davon überzeugen, dass es sich in den drei Schöntalen gut leben lässt. Die Schlagworte lauten: Innen- vor Außenentwicklung, Belebung der Ortskerne. Eine Untersuchung habe ergeben, dass es viele Gebäude „mit schlechter Bausubstanz“ gebe, viele Leerstände und ein „hohes Umnutzungspotenzial“. Konkret geplant ist beispielsweise ein schöner Festplatz mit Festscheuer.

Anreiz für Immobilienbesitzern

Die Stadträtin Melanie Lang arbeitete daheim, als Redakteurin einer Online-Zeitung für Web-Design. Sie studiert zudem an der Universität in Stuttgart, will Lehrerin werden – und auch später möglichst in Oberschöntal bleiben. Die Eltern und die Oma leben im selben Haus. Seit vielen Jahren betreiben die Langs nur noch eine Nebenerwerbslandwirtschaft. Das alte Bauernhaus der Familie gleich nebenan ist zurzeit vermietet.

Was ist so schön in Oberschöntal? Der Flecken hat 20 der einst etwa 100 Einwohner verloren. Früher, sagt Melanie Lang, sei die Anbindung des Orts an den öffentlichen Personennahverkehr miserabel gewesen, aber heute fahre an den Wochenenden bis tief in die Nacht hinein ein sogenanntes Ruftaxi. Und die Gemeinschaft im Flecken sei spitze, die Feuerwehr sei aktiv, organisiere seit 40 Jahren tolle Feste. In den Schöntalen könne man sich aufeinander verlassen. Und hinter dem Haus einen kleinen oder großen Garten bestellen.

Die Aufnahme der Schöntale in das Landesprogramm biete den Immobilienbesitzern einen Anreiz, auch selbst Geld für die Sanierung ihrer maroden Gebäude in die Hand zu nehmen, sagt Melanie Lang. Und wenn das doch nicht so schnell klappt? Wenn die Schöntale noch ein bisschen warten müssten, bis die Landesgelder fließen? Dann, sagt die Studentin und Stadträtin lachend, wäre das aus ihrer ganz persönlichen Perspektive gar nicht so schlecht. Nach dem Abschluss des zweiten Studiums könnte sie sich nämlich gut vorstellen, mit Hilfe der Landesförderung Geld für die Sanierung des alten Bauernhauses der Familie aufzubringen.